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WIR FORDERN DIE NACHT ZURÜCK - WIJ EISEN DE NACHT OP

| von Redaktion

WIJ EISEN DE NACHT OP.

AMSTERDAM · Nach dem gewaltsamen Tod der 17-jährigen Lisa aus Abcoude und weiteren Fällen sexueller Gewalt ist in den Niederlanden eine landesweite Kampagne entstanden, die binnen Tagen zu einer breiten Bewegung angewachsen ist. Unter dem Motto „Wij eisen de nacht op“ fordert die Initiative sichere Nächte für Frauen und Mädchen. Aus einer ursprünglich kleinen Crowdfunding-Idee wurde ein Projekt mit Hunderttausenden Euro an Spenden, das nun auf Werbetafeln, Bahnhöfen und in Städten sichtbar ist und eine Debatte über strukturelle Veränderungen anstößt.

Die ersten digitalen Anzeigen mit der Botschaft „Wij eisen de nacht op, laat vrouwen veilig thuiskomen“ leuchten bereits seit einigen Tagen an Bahnhöfen und entlang niederländischer Autobahnen. Auch in Amsterdam beteiligten sich Stadt und NS, indem sie zentrale Gebäude orangefarben erleuchteten, die internationale Symbolfarbe gegen Gewalt an Frauen. Die Resonanz auf die Crowdfunding-Aktion ist enorm: Innerhalb weniger Tage sammelte die Initiatorin Danique de Jong weit über 500.000 Euro ein. Die die Spendensumme beläuft sich inzwischen auf deutlich mehr als eine halbe Million Euro. Damit übertraf die Aktion das ursprüngliche Ziel von 12.000 Euro um ein Vielfaches. Die spontane Welle der Unterstützung zeigt, wie stark das Thema Gewalt gegen Frauen die niederländische Gesellschaft bewegt.

Ursprung und Auslöser

Die Kampagne begann nach einer Reihe von Gewalttaten, die landesweit Entsetzen auslösten. Besonders der Mord an Lisa aus Abcoude machte deutlich, wie groß die Sorgen um die Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum sind. Nur eine Woche zuvor war in Zeist eine Frau am helllichten Tag Opfer einer Vergewaltigung geworden. Diese Vorfälle verdeutlichten für viele die Dringlichkeit, nicht länger zu schweigen, sondern öffentlich einzufordern, dass Frauen die Nacht ebenso sicher nutzen können wie Männer.

Von einer Idee zur Massenbewegung

Die Kommunikationsstrategin Danique de Jong, Mitglied der Dolle Mina’s, startete zunächst eine kleine Aktion mit dem Ziel, Werbeflächen für Plakate zu finanzieren. Wie die Telegraaf berichtet, hatte sie ursprünglich nur 8.000 Euro eingeplant, um erste Billboards zu mieten. Doch die Reaktionen übertrafen alle Erwartungen: Tausende Menschen spendeten, 90 Prozent davon Privatpersonen, wie das begleitende Pressematerial betont. NU.nl hob hervor, dass der Slogan inzwischen an mehr als 80 Standorten an Autobahnen und in Bahnhöfen zu sehen ist.

Sichtbarkeit im öffentlichen Raum

Die Aktion beschränkt sich nicht nur auf Reklametafeln. Das Amsterdamer Nachtleben beteiligte sich mit orangen Lichtinstallationen an Clubs und Bars, und auch die A’DAM Toren strahlte in der Signalfarbe. Die Gemeinde Amsterdam und die NS setzten zudem sichtbare Zeichen an zentralen Standorten wie dem Hauptbahnhof und dem Rathaus, wie die Gemeente Amsterdam offiziell mitteilte. Damit unterstreichen auch Behörden und öffentliche Einrichtungen die Botschaft, dass Gewalt gegen Frauen nicht toleriert werden darf.

Pläne für die Zukunft

Die Initiatoren betonen, dass es nicht bei einer kurzfristigen Aufmerksamkeit bleiben soll. Nach Angaben der Crowdfunding-Seite sollen die Mittel für drei Schwerpunkte eingesetzt werden: eine Kampagne auf Verhaltensebene zur Bewusstseinsänderung, politische Maßnahmen gegen Femizid sowie die Unterstützung bereits bestehender Initiativen. Der Leeuwarder Courant berichtet, dass bislang nur ein kleiner Teil der Gelder für Poster und Sticker ausgegeben wurde, während der Großteil unangetastet bleibt, bis eine rechtliche und organisatorische Struktur wie eine Stiftung steht.

Steuerliche Fragen und Organisation

Die enorme Spendensumme hat auch die Finanzbehörden aufmerksam gemacht. Laut De Telegraaf prüft die Initiatorin derzeit mit Juristen die Gründung einer Stiftung, möglicherweise mit ANBI-Status, um steuerliche Nachteile zu vermeiden. Damit soll sichergestellt werden, dass das Geld in vollem Umfang in die geplanten Maßnahmen fließt.

Breite gesellschaftliche Unterstützung

Neben Privatpersonen beteiligen sich zahlreiche Organisationen und Medienpartner wie FunX, die Rode Lap oder JCDecaux. Auch Fußballfans zeigten Solidarität, etwa durch Applaus in Erinnerung an Lisa, wie NU.nl berichtete. Die wachsende Beteiligung aus unterschiedlichsten Bereichen zeigt, dass das Anliegen inzwischen weit über feministische Kreise hinausgetragen wird.

Ein neuer Impuls gegen Gewalt

Die Kampagne knüpft an die internationale Bewegung „Take Back the Night“ an, die in den 1970er Jahren entstand und für das Recht auf sichere Straßen kämpfte. Mit der aktuellen Aktion wird diese Tradition in die Gegenwart geholt. Für Danique de Jong ist klar: Erst wenn Frauen zu jeder Tages- und Nachtzeit ohne Angst unterwegs sein können, kann von echter Freiheit und Gleichberechtigung gesprochen werden.

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Kommentare

Kommentar von Michael K. |

Und natürlich redet, wie in Deutschland, auch in den Niederlanden niemand über den Elefanten der im Raum steht.
Deswegen wird es in den nächsten Jahren noch schlimmer werden. Die Zeitzeugen der 70er und 80er Jahren, die Europa noch ohne Gruppenvergewaltigungen und Messerattacken im Tagestakt kennen, werden in den nächsten 2 Generationen aussterben. Für die Nachkommen wird es einfach "normal" sein, in Unsicherheit zu leben. Es sind ja nicht nur die Frauen, die dieser Gewalt ausgesetzt sind...aber ja...der Elefant der nicht gesehen werden will, verhindert auch diese Einsicht.

Diese Plakataktionen werde nichts ändern. Die Elefanten werden wahrscheinlich oftmals noch nicht mal die Sprache verstehen, in der die Plakate geschrieben werden.

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