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Wildcampen verboten? Das ist erlaubt

| von Redaktion

Archivbild | Quelle: HOLLAND.guide
Archivbild | Quelle: HOLLAND.guide

UTRECHT · Wer von einer Nacht mitten in der Natur träumt, sollte die Regeln in den Niederlanden genau kennen. Wildcampen ist dort grundsätzlich verboten und kann mit einem Bußgeld geahndet werden. Dennoch gibt es legale Alternativen für alle, die das Gefühl von Freiheit und Natur erleben möchten. Von einfachen Naturcampingplätzen über ausgewiesene Trekking- und Wildcampingplätze bis hin zu Übernachtungen auf Privatgrundstücken – auch ohne Gesetzesverstoß lässt sich naturnah übernachten. Wer sich an die Regeln hält und die Natur respektiert, kann außergewöhnliche Orte entdecken und gleichzeitig dazu beitragen, empfindliche Landschaften zu schützen.

Viele Urlauber verbinden die Niederlande mit weiten Dünen, dichten Wäldern oder den Heideflächen der Veluwe. Da liegt der Gedanke nahe, das Zelt einfach an einem ruhigen Platz aufzuschlagen. Genau das ist jedoch nicht erlaubt. Anders als in Ländern wie Norwegen oder Schweden gibt es in den Niederlanden kein allgemeines "Jedermannsrecht", das das freie Übernachten in der Natur gestattet. Das Verbot gilt unabhängig davon, ob das Zelt im Wald, in den Dünen, an einem See oder auf einer Wiese aufgestellt wird. Hintergrund ist vor allem der Schutz der Natur.

Die Niederlande gehören zu den am dichtesten besiedelten Ländern Europas, gleichzeitig stehen viele Naturräume unter besonderem Schutz. Hinzu kommt, dass illegale Lagerfeuer, Müll und Störungen von Wildtieren in der Vergangenheit immer wieder zu Problemen geführt haben. Wer beim Wildcampen erwischt wird, muss nicht nur sein Lager abbauen, sondern riskiert auch ein Bußgeld von derzeit rund 170 Euro.

Warum Wildcampen verboten ist

Die Niederlande verfügen zwar über zahlreiche Naturgebiete, diese sind jedoch vergleichsweise klein und werden intensiv von Wanderern, Radfahrern und Erholungssuchenden genutzt. Viele Wälder und Dünen sind zudem wichtige Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten. Bereits wenige Übernachtungen außerhalb ausgewiesener Plätze können Tiere stören oder empfindliche Vegetation beschädigen. Aus diesem Grund verfolgen Behörden und Naturschutzorganisationen eine klare Linie: Übernachten ist nur dort erlaubt, wo es ausdrücklich zugelassen wurde.

Legale Alternativen zum Wildcampen

Ganz auf das Naturerlebnis verzichten müssen Campingfreunde trotzdem nicht. Besonders beliebt sind sogenannte Naturcampingplätze, die oft bewusst einfach gehalten sind. Dort gibt es meist nur die notwendigsten Einrichtungen, dafür aber viel Ruhe und großzügige Stellflächen.

Einige Plätze vermitteln fast das Gefühl des echten Wildcampens. Dazu gehören beispielsweise das Naturcampinggelände Quadenoord am Rand der Veluwe oder De Maasakker in Nordbrabant. Auch Buytenplaets Suydersee bei Lelystad bietet ein besonderes Konzept: Mit Zustimmung des Betreibers dürfen Gäste ihren Schlafplatz selbst im Wald auswählen und ihr Lager naturnah einrichten.

Paalkampeerplaatsen gibt es weiterhin

Bis 2020 betrieb Staatsbosbeheer zahlreiche sogenannte Paalkampeerplaatsen. Dabei handelte es sich um besonders einfache Wildcampingplätze mitten in der Natur. Wegen zunehmender Überlastung und Vandalismus wurde dieses Konzept jedoch weitgehend eingestellt.

Ganz verschwunden sind diese Plätze allerdings nicht. Einige werden inzwischen von der Stichting Wildkamperen weitergeführt. Dort gelten klare Regeln: Die Zelte müssen in unmittelbarer Nähe eines markierten Pfahls aufgestellt werden, meist sind nur wenige Zelte gleichzeitig erlaubt und der Aufenthalt ist zeitlich begrenzt. Komfort darf hier niemand erwarten – genau das macht für viele den Reiz aus.

Mit Erlaubnis auf Privatgrund

Eine weitere legale Möglichkeit besteht darin, mit Zustimmung des Eigentümers auf privatem Gelände zu übernachten. Gerade auf Bauernhöfen oder großen Grundstücken zeigen sich manche Eigentümer offen, wenn vorher freundlich gefragt wird. Noch einfacher ist die Buchung über Plattformen, die Stellplätze auf Privatgrundstücken vermitteln. Zwar handelt es sich dabei nicht um kostenloses Wildcampen, das Naturerlebnis steht jedoch meist im Vordergrund.

Wie sieht es im übrigen Europa aus?

Während die Niederlande beim Wildcampen vergleichsweise strenge Regeln haben, unterscheiden sich die Vorschriften in Europa erheblich. In Norwegen und Schweden erlaubt das Jedermannsrecht das Zelten an vielen Orten, sofern bestimmte Abstände zu Häusern eingehalten und Natur sowie Eigentum respektiert werden. Auch Schottland gilt als vergleichsweise liberal.

In Deutschland ist Wildcampen grundsätzlich ebenfalls verboten. Allerdings existieren in mehreren Bundesländern sogenannte Trekkingplätze oder Biwakplätze, auf denen naturnahes Übernachten ausdrücklich erlaubt ist. Belgien bietet mit ausgewiesenen Bivakzonen ein ähnliches Konzept. Frankreich, Österreich, Spanien und die Schweiz kennen jeweils eigene regionale Regelungen, sodass sich Urlauber vor der Reise unbedingt informieren sollten.

Rücksicht auf die Natur bleibt entscheidend

Unabhängig davon, wo das Übernachten erlaubt ist, gelten einige Grundregeln. Müll gehört selbstverständlich wieder mitgenommen, Lagerfeuer dürfen nur an ausdrücklich ausgewiesenen Feuerstellen entzündet werden und Pflanzen oder Tiere sollten nicht gestört werden. Auch biologisch abbaubare Abfälle wie Bananenschalen gehören nicht in die Natur. Wer Wasser aus Bächen nutzt, sollte geeignete Filter verwenden und auf Seife in natürlichen Gewässern verzichten.

Gerade beim naturnahen Campen gilt das Prinzip: Hinterlasse keinen sichtbaren Fußabdruck. Wer die Natur so verlässt, wie er sie vorgefunden hat – oder sogar sauberer –, trägt dazu bei, dass auch kommende Generationen diese besonderen Orte genießen können.

Tipp: Wer vor allem die Ruhe der Natur sucht, muss dafür nicht zwangsläufig illegal campen. Viele Naturcampingplätze in den Niederlanden bieten ein ähnliches Erlebnis wie Wildcampen – oft mit deutlich mehr Sicherheit und ohne das Risiko eines Bußgeldes. Außerhalb der Sommerferien und an Wochentagen sind diese Plätze zudem häufig angenehm ruhig.

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