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Wie teuer werden Hotels im nächsten Jahr?

| letzte Änderung 08.11.2025 13:49 | von Redaktion

Symbolbild | Foto: HOLLAND.guide
Symbolbild | Foto: HOLLAND.guide

DEN HAAG · Ab dem 1. Januar 2026 wird Übernachten in niederländischen Hotels spürbar teurer. Hintergrund ist die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes für Übernachtungen von bisher 9 auf 21 Prozent. Viele Hoteliers suchen laut NOS nach Wegen, um die höheren Abgaben abzufedern, etwa durch eine andere Preisaufteilung zwischen Zimmer, Frühstück und Wellness. Während für Hotelübernachtungen künftig der volle Satz gilt, bleiben Angebote wie Frühstück, Sauna oder Schwimmbad weiterhin mit 9 Prozent Mehrwertsteuer besteuert. Laut der Branchenorganisation Koninklijke Horeca Nederland (KHN) befürchtet die Branche erhebliche Umsatzrückgänge, besonders in Grenzregionen mit Konkurrenz aus Belgien und Deutschland.

Im Mittelpunkt steht die neue steuerliche Regelung, die Übernachtungen deutlich verteuert. Für viele Hotels bedeutet das eine Anpassung ihrer Preismodelle. Wer bislang ein Pauschalangebot mit Zimmer, Frühstück und Zugang zum Wellnessbereich buchte, zahlte einen einheitlichen Preis mit 9 Prozent Mehrwertsteuer. Künftig müssen die Hotels laut NOS gegenüber der Steuerbehörde aufschlüsseln, welcher Anteil des Gesamtpreises auf das Zimmer entfällt und welcher auf andere Leistungen. Je größer der Anteil für Frühstück oder Wellness ausfällt, desto niedriger bleibt der Steueranteil, weil diese weiterhin unter den ermäßigten Satz fallen.

Die Hotelkette Fletcher kündigte laut NOS an, ihre Angebote entsprechend zu überprüfen. Auch kleinere Häuser, wie das Hotel Klein Zwitserland im limburgischen Slenaken, wollen „kreativ“ mit der neuen Situation umgehen. Die Hotelbesitzerin erklärte, dass sie gezwungen sei, attraktive Arrangements mit möglichst vielen Leistungen im 9 Prozent-Bereich zu gestalten. Sie verwies dabei auf die unmittelbare Konkurrenz in Belgien (6 Prozent Mehrwertsteuer auf Übernachtungen) und Deutschland (7 Prozent). Ohne Anpassungen könnten Gäste laut ihrer Einschätzung schnell ins Ausland ausweichen.

Die Koninklijke Horeca Nederland (KHN) bestätigt, dass Hoteliers aktuell intensiv nach Lösungen suchen. Die Organisation mahnte jedoch zur Vorsicht. Extreme Preisverschiebungen zwischen Übernachtung und Frühstück seien laut KHN nicht zulässig. Auch die Steuerbehörde betont, dass Preisaufteilungen nur nach der sogenannten „Marktwertmethode“ erfolgen dürfen. Das bedeutet, dass die Preise an den üblichen Marktwerten orientiert sein müssen. Abweichungen müssten belegt werden können. Banken wie Rabobank und ABN Amro sehen ebenfalls eine Tendenz zu kreativen Ansätzen, erwarten aber, dass Streitfälle und gerichtliche Verfahren folgen könnten.

Hotels werden kreativ mit Mehrwertsteuersätzent: Anders aufgeschlüsselte Kosten sparen Mehrwertsteuer | Quelle: NOS, angepasst/übersetzt: DACHIST
Hotels werden kreativ mit Mehrwertsteuersätzent: Anders aufgeschlüsselte Kosten sparen Mehrwertsteuer | Quelle: NOS, angepasst/übersetzt: DACHIST

NOS-Analyse: Kreative Preisaufteilung senkt Steuerlast

Laut der Auswertung von NOS zeigt sich, dass Hotels durch eine andere Aufteilung der Kosten zwischen Übernachtung, Frühstück und Wellness die Mehrwertsteuerlast verringern können. Im Beispiel des Senders kostet ein Gesamtpaket derzeit 150 Euro vor Steuern und ergibt mit 9 Prozent Mehrwertsteuer einen Endpreis von 163,50 Euro. Ab 2026 würde derselbe Pauschalpreis wegen des neuen Steuersatzes von 21 Prozent auf 179,10 Euro steigen.

Wenn jedoch die einzelnen Bestandteile getrennt berechnet werden, verringert sich der Steueranteil: Wird der Zimmerpreis auf 80 Euro reduziert und Frühstück sowie Wellness mit jeweils 30 und 40 Euro berechnet, liegt die Gesamtsumme bei 173,10 Euro. Die Hotelbetriebe erzielen so denselben Nettoumsatz von 150 Euro, während Gäste etwas weniger bezahlen müssen als bei einer pauschalen Berechnung. Laut NOS nutzen einige Anbieter solche Aufteilungen, um den Preisanstieg abzumildern, wobei die Finanzbehörde verlangt, dass die Preisverhältnisse marktüblich bleiben.

Branche befürchtet massive Einbußen

Nach Angaben von der Branchenorganisation Koninklijke Horeca Nederland (KHN) rechnet die Hotellerie mit deutlichen Rückgängen bei den Buchungen im kommenden Jahr. Die KHN verweist in ihrer Analyse darauf, dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Übernachtungen von 9 auf 21 Prozent nicht nur Hotels und Ferienparks trifft, sondern auch viele andere Bereiche, die vom Tourismus abhängen. Dazu zählen Restaurants, Cafés, Museen, Geschäfte und der öffentliche Nahverkehr.

Laut KHN basiert die erwartete Reduktion von bis zu 30 Prozent bei den Übernachtungen auf einem Bericht des Forschungsbüros Significant APE, das im Auftrag des Finanzministeriums erstellt wurde. Eine so starke Abnahme würde nach den Berechnungen der Organisation zu einem Rückgang der touristischen Ausgaben um rund 5,7 Milliarden Euro führen. 2024 gaben inländische und ausländische Besucher zusammen etwa 19 Milliarden Euro für Aufenthalte in den Niederlanden aus.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind laut KHN regional sehr unterschiedlich. Besonders stark betroffen sind touristische Provinzen wie Zeeland, Limburg und Friesland, wo die Verluste mehrere hundert Millionen Euro betragen könnten. Auch Gelderland, Drenthe und Overijssel rechnen mit deutlichen Rückgängen. De Stentor berichtet, dass in Overijssel allein ein Minus von rund 200 Millionen Euro droht.

KHN betont, dass jede ausgegebene Euro im Hotelbereich im Durchschnitt das Doppelte an zusätzlichem Umsatz in anderen Sektoren erzeugt, bei ausländischen Gästen sogar bis zu 3,50 Euro. Diese sogenannten Multiplikatoreffekte zeigen, wie eng die touristische Wertschöpfungskette wirtschaftlich miteinander verknüpft ist. Wenn Touristen ausbleiben, verlieren laut KHN nicht nur Hoteliers, sondern auch Bäcker, Fahrradverleiher, Restaurants und Kulturinstitutionen wichtige Einnahmen.

Das Finanzministerium erwartet laut De Stentor, dass Hotels einen Teil der höheren Steuerlast selbst auffangen können. KHN widerspricht dieser Annahme und rechnet vor, dass die Maßnahme letztlich mehr koste, als sie einbringe. Während das Kabinett auf Mehreinnahmen von 666 Millionen Euro hoffe, würden laut den Berechnungen der Organisation durch geringere Umsätze bei Unterkünften und verwandten Branchen rund 719 Millionen Euro an Steuereinnahmen verloren gehen.

Grenzregionen besonders betroffen

Besonders stark spüren Grenzregionen die Auswirkungen, da dort die Konkurrenzsituation zu Nachbarländern mit niedrigeren Mehrwertsteuersätzen groß ist. In Belgien liegt die Steuer auf Übernachtungen bei 6 Prozent, in Deutschland bei 7 Prozent. Laut De Stentor warnt Alco van Berkel vom Hotel Overleg Twente, dass Gäste in Zukunft häufiger auf günstigere Angebote jenseits der Grenze ausweichen werden.

KHN-Vorsitzende Marijke Vuik hebt hervor, dass die Steuererhöhung nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Lebensqualität in touristischen Regionen gefährde. Tourismus trage wesentlich dazu bei, Städte und Dörfer lebendig zu halten. Bleiben Besucher aus, verliere eine Region nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch soziale und kulturelle Dynamik.

Die Organisation ruft die Politik daher auf, die Entscheidung zu überdenken. Laut KHN ist die Maßnahme kontraproduktiv, weil sie wirtschaftliche Aktivität und Beschäftigung verringert. Die Zweite Kammer hat zwar die geplanten Steuererhöhungen für Sport, Kultur und Medien gestoppt, die Anhebung für Übernachtungen bleibt jedoch bestehen. Bislang gibt es keine Anzeichen, dass das künftige Kabinett diese Entscheidung zurücknimmt.

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