Information

einfach auf den Punkt gebracht

Wetterwarnungen werden deutlich präziser

| von Redaktion

Code Rood vom 4.2.2026 in den nördlichen Provinzen. | Screenshoot von KNMI.nl
Code Rood vom 4.2.2026 in den nördlichen Provinzen. | Screenshoot von KNMI.nl

DE BILT · Das niederländische Wetterinstitut KNMI stellt sein Warnsystem grundlegend um. Künftig sollen Wetterwarnungen deutlich genauer auf einzelne Regionen und sogar lokale Gebiete zugeschnitten werden. Bereits ab Ende Juni werden Nutzer der KNMI-App etwa 15 Minuten vor dem Eintreffen schwerer Gewitter oder Unwetter lokale Warnmeldungen erhalten. Zudem werden die bekannten Warnstufen Grün, Gelb, Orange und Rot schrittweise von den bisherigen Provinzgrenzen gelöst und künftig für konkrete Gefahrengebiete ausgegeben. Die Änderung bedeutet einen wichtigen Schritt hin zu präziseren und zielgerichteteren Wetterwarnungen, wie sie in Deutschland bereits seit Jahren üblich sind. Grundlage dafür ist eine Gesetzesänderung, die seit dem 20. Mai 2026 in Kraft ist und dem KNMI erstmals ausdrücklich erlaubt, Wetterwarnungen auch lokal statt ausschließlich auf Provinzebene herauszugeben.

Bislang waren die Möglichkeiten des KNMI durch gesetzliche Vorgaben eingeschränkt. Wetterwarnungen konnten nur für ganze Provinzen ausgesprochen werden, selbst wenn sich ein gefährliches Wetterereignis lediglich auf einen kleinen Teil des Gebietes beschränkte. In der Praxis führte dies regelmäßig dazu, dass Menschen Warnungen erhielten, obwohl in ihrer unmittelbaren Umgebung keinerlei gefährliche Wetterlage vorlag. Nach Angaben des KNMI soll sich dies nun ändern, meldet NOS.

Ab Ende Juni werden lokale Warnmeldungen über die KNMI-App verschickt. Das System funktioniert ähnlich wie ein NL-Alert: Nur Personen, die sich tatsächlich im betroffenen Gebiet aufhalten, erhalten die entsprechende Benachrichtigung. Dadurch sollen Bürger, Einsatzkräfte und andere Organisationen schneller und gezielter auf drohende Wettergefahren reagieren können. Gleichzeitig soll die Zahl unnötiger Warnmeldungen sinken. Das KNMI erwartet, dass Wetterwarnungen dadurch ernster genommen werden, weil sie unmittelbarer mit der tatsächlichen Situation vor Ort übereinstimmen.

Warncodes künftig nicht mehr an Provinzgrenzen gebunden

Eine weitere Änderung folgt im Laufe des Jahres. Die bekannten Warnstufen Gelb, Orange und Rot sollen künftig ebenfalls nicht mehr automatisch für eine gesamte Provinz gelten. Stattdessen werden konkrete Wettergebiete definiert, für die eine Warnung ausgesprochen wird.

Das KNMI nennt als Beispiel Glatteis im Norden der Provinz Noord-Holland. Nach dem bisherigen System musste in einem solchen Fall für die gesamte Provinz eine entsprechende Warnung ausgegeben werden, auch wenn Städte wie Amsterdam oder Haarlem überhaupt nicht betroffen waren. Künftig soll die Warnung nur noch für das tatsächliche Gefahrengebiet gelten.

Nach Einschätzung des KNMI verbessert dies die Genauigkeit der Wetterkommunikation erheblich. Gleichzeitig wird es einfacher, auf Karten darzustellen, wo genau gefährliche Wetterlagen auftreten. Für Rundfunk und Podcasts könnte die Beschreibung der betroffenen Gebiete dagegen etwas komplexer werden. Als mögliche Formulierungen nennt das Wetterinstitut Warnungen für Gebiete nördlich einer bestimmten Linie oder entlang definierter Küstenzonen.

Gesetzesänderung schafft neue Möglichkeiten

Die Grundlage für die Neuerungen bildet die seit dem 20. Mai 2026 geltende Regelung zu den Aufgaben des KNMI. Dort ist ausdrücklich festgelegt, dass Wetterwarnungen lokal, regional oder landesweit ausgegeben werden können.

Außerdem dürfen Wetterwarnungen künftig bis zu 48 Stunden vor dem erwarteten Wetterereignis veröffentlicht werden. Zuvor lag die maximale Vorwarnzeit bei 24 Stunden. Die neuen Vorschriften schreiben zudem vor, dass Wetterwarnungen den betroffenen Bereich, den Zeitraum sowie die erwarteten Wettererscheinungen genauer beschreiben müssen.

Die Regelung enthält darüber hinaus detaillierte Kriterien für gefährliche Wetterlagen. Dazu gehören unter anderem Starkregen, Gewitter, Hagel, Sturm, Hitze, extreme Kälte, schlechte Sicht oder Glätte. Auch sogenannte Weeralarme für besonders schwere und sicherheitsrelevante Wetterereignisse bleiben Bestandteil des Warnsystems.

KNMI baut App weiter aus

Parallel zur Einführung der lokalen Warnungen erweitert das KNMI die Funktionen seiner App. Bereits seit einiger Zeit sind dort Radarprognosen integriert, die die Entwicklung von Niederschlägen zeigen.

Für Diskussionen hatte dies in der Vergangenheit mit kommerziellen Wetteranbietern gesorgt. Diese sahen darin eine Konkurrenz zu ihren eigenen Angeboten. Eine Klage gegen die erweiterten Wetterinformationen des KNMI blieb jedoch erfolglos.

Nach Angaben des Wetterinstituts arbeitet das KNMI weiterhin mit kommerziellen Wetterdiensten zusammen und stellt ihnen meteorologische Daten zur Verfügung. Ziel sei eine möglichst einheitliche Kommunikation bei gefährlichen Wetterlagen.

Neue Hitzekraft-Anzeige in der KNMI-App

Seit dem 2. Juni bietet die KNMI-App außerdem die neue Kennzahl „Hittekracht“ an. Die gemeinsam von KNMI, TNO und RIVM entwickelte Skala soll zeigen, wie belastend Hitze tatsächlich empfunden wird.

Anders als die reine Temperatur berücksichtigt die Hittekraft vier Faktoren gleichzeitig: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung. Die Skala reicht von 0 bis 10 und soll zusätzliche Informationen zu bestehenden Hitzewarnungen liefern.

Nach Angaben des KNMI entstand der Bedarf an einer solchen Kennzahl unter anderem bei Polizei, Feuerwehr und Veranstaltern. Die Hittekraft soll helfen, Risiken besser einzuschätzen und rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen. In der App werden derzeit die maximale Hittekraft für den aktuellen und den folgenden Tag sowie stündliche Werte angezeigt. Später soll zusätzlich eine landesweite Übersichtskarte integriert werden.

In eigener Sache

Bitte unterstütze uns

Unsere Aktivitäten und diese Webseite bieten wir kostenlos an. Wir tun dies gerne und freiwillig. Um unseren Service weiterhin anbieten zu können, schalten wir Werbung und nutzen Affiliate-Links. Deine Unterstützung, sei es durch Mitarbeit oder eine Spende in Höhe einer Tasse Kaffee über PayPal, ist uns sehr willkommen und hilft uns enorm.

Vielen Dank dafür!


Zurück zur Newsübersicht

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 6 und 5?

Weitere Nachrichten