Wattwanderung endet mit Großeinsatz
| letzte Änderung 17.05.2026 20:26 | von Redaktion
AMELAND · Großangelegte Rettungsaktion auf dem Wattenmeer vor Ameland: Insgesamt 28 Wattläufer und vier Guides sind am Sonntagmorgen während einer Tour nach Ameland in Schwierigkeiten geraten. Nach Angaben der Veiligheidsregio Fryslân litten mehrere Teilnehmer unter Unterkühlungserscheinungen und alarmierten deshalb die Rettungsdienste. Der Einsatz begann bereits gegen 06.45 Uhr und entwickelte sich schnell zu einer umfangreichen Hilfsaktion mit mehreren Rettungsbooten, einem Hubschrauber der Küstenwache sowie privaten Booten. Wegen des niedrigen Wasserstandes gestaltete sich die Rettung schwierig. Die Sicherheitsregion Fryslân stufte den Einsatz vorsorglich auf GRIP 1 hoch, um die Zusammenarbeit der Hilfsdienste besser zu koordinieren. Später wurde zusätzlich die medizinische Alarmstufe „Code 5“ ausgelöst. Die Geretteten wurden nach Ameland gebracht, dort medizinisch untersucht und mit warmer Kleidung versorgt.
Am frühen Sonntagmorgen geriet eine größere Gruppe von Wattläufern auf dem Wattenmeer zwischen Holwerd und Ameland in eine kritische Situation. Nach Angaben der Veiligheidsregio Fryslân befanden sich insgesamt 28 Wattläufer sowie vier Guides auf der Tour, als mehrere Personen Unterkühlungserscheinungen entwickelten. Die Gruppe forderte daraufhin Hilfe an. Das Küstenwachzentrum koordinierte ab etwa 06.45 Uhr eine groß angelegte Rettungsaktion. Zum Einsatz kamen mehrere Rettungsboote, ein Hubschrauber der Küstenwache sowie private Boote. Aufgrund des niedrigen Wasserstandes konnten sich die Rettungsboote nicht überall direkt nähern, weshalb Teile der Rettung aus der Luft unterstützt wurden. Die ersten geretteten Personen wurden im Bootshaus der KNRM auf Ameland aufgenommen. Dort konnten sie warm duschen, trockene Kleidung erhalten und sich wieder aufwärmen.
Weitere Betroffene wurden mit Rettungsbooten zur Fährrampe in Holwerd gebracht. Dort fand laut Veiligheidsregio Fryslân auch die Abstimmung der verschiedenen Hilfsdienste statt. Die Behörden entschieden sich frühzeitig für eine Aufskalierung auf GRIP 1, damit Rettungsdienste, medizinische Teams und Behörden enger koordiniert zusammenarbeiten konnten. Später wurde zusätzlich medizinisch auf „Code 5“ hochgestuft. Alarmiert wurden unter anderem Ambulanzmitarbeiter auf Ameland, ein geneeskundig officier van dienst, Hausärzte, ein SIGMA Team sowie ein Mobiel Medisch Team. Laut Veiligheidsregio Fryslân besteht ein SIGMA Team aus speziell geschulten EHBO Freiwilligen, die Rettungsdienste bei größeren Einsätzen unterstützen. Das Mobiel Medisch Team setzt sich aus einem Arzt, einer Pflegekraft und einem Piloten zusammen und dient vor allem dazu, Patienten für den Transport zu stabilisieren. Gegen 08.32 Uhr meldete die Veiligheidsregio Fryslân schließlich, dass alle Wattläufer in Sicherheit seien. Die letzten acht Personen befanden sich zu diesem Zeitpunkt an Bord eines Rettungsbootes auf dem Weg ans Festland. Später wurde der Einsatz wieder auf GRIP 0 zurückgestuft.
Schwierige Bedingungen auf dem Wattenmeer
Die Rettungsaktion vor Ameland zeigte erneut, wie anspruchsvoll Bedingungen auf dem Wattenmeer sein können. Niedriger Wasserstand erschwerte den Einsatz der Rettungsboote erheblich. Deshalb mussten Hubschrauber der Küstenwache und weitere Hilfsmittel eingesetzt werden, um die Gruppe sicher zu erreichen. Die Sicherheitsregion Fryslân erklärte, dass die Betroffenen stark ausgekühlt gewesen seien. Nach ihrer Rettung wurden sie direkt medizinisch betreut und konnten sich aufwärmen.
Das Wattenmeer gehört zu den anspruchsvollsten Naturgebieten der Niederlande. Temperatur, Wind und Wasserstände können sich dort innerhalb kurzer Zeit verändern. Gerade bei längeren Wattwanderungen spielt Unterkühlung eine große Rolle. Deshalb arbeiten Küstenwache, KNRM, medizinische Teams und Sicherheitsregionen bei solchen Einsätzen eng zusammen.
Große medizinische Alarmierung ausgelöst
Besonders auffällig war die umfangreiche medizinische Alarmierung durch die Veiligheidsregio Fryslân. Für die medizinische Versorgung wurde auf „Code 5“ hochgestuft. Dadurch wurden zusätzliche Rettungskräfte auf den Inseln und dem Festland aktiviert. Neben Ambulanzdiensten und Hausärzten kamen auch spezialisierte medizinische Teams zum Einsatz.
Die Veiligheidsregio Fryslân erklärte zudem ausführlich die Rolle des Mobiel Medisch Teams und des SIGMA Teams. Während das MMT vor allem Patienten stabilisiert und bei schweren Notfällen unterstützt, übernehmen SIGMA Freiwillige unterstützende medizinische Aufgaben bei größeren Einsätzen. Durch diese Strukturen konnten die Rettungsdienste die Versorgung der ausgekühlten Wattläufer schnell absichern.
Einsatz inzwischen beendet
Nach Angaben der Veiligheidsregio Fryslân ist die Situation inzwischen vollständig unter Kontrolle. Nachdem alle Wattläufer in Sicherheit gebracht worden waren, wurde die Alarmstufe wieder reduziert und der Einsatz beendet. Die Sicherheitsregion stellte das Liveblog am Sonntagvormittag ein.
Über schwerere Verletzungen wurde bislang nichts bekannt. Die Rettungsdienste konzentrierten sich vor allem darauf, die Betroffenen aufzuwärmen und medizinisch zu kontrollieren, bevor sie ihre Weiterreise fortsetzen konnten.
Was bedeutet „Code 5“ auf den Waddeneilanden?
Die Veiligheidsregio Fryslân stufte den Einsatz während der Rettungsaktion auf den Waddeneilanden medizinisch auf „Code 5“ hoch. Eine solche Hochstufung bedeutet, dass zusätzliche medizinische Kräfte und Spezialteams alarmiert werden, um auf eine größere Zahl möglicher Verletzter oder medizinischer Notfälle vorbereitet zu sein. Dabei wurden unter anderem Rettungsdienstmitarbeiter auf Ameland, ein geneeskundig officier van dienst (Leitender medizinischer Einsatzoffizier), Hausärzte, ein SIGMA Team sowie ein Mobiel Medisch Team (Mobiles Medizinisches Team) alarmiert.
Das sogenannte SIGMA Team ist eine „Snel Inzetbare Groep ter Medische Assistentie“ (Schnell einsetzbare Gruppe zur medizinischen Unterstützung). Dabei handelt es sich um speziell geschulte Freiwillige mit EHBO Ausbildung (Erste Hilfe Ausbildung), etwa vom Roten Kreuz. Sie unterstützen Rettungsdienste bei größeren Einsätzen und Katastrophenlagen. Das Mobiel Medisch Team, kurz MMT, besteht aus einem Arzt, einer Pflegekraft und einem Piloten. Das Team kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn Patienten noch am Einsatzort stabilisiert werden müssen. Ziel ist es, den Zustand eines Patienten soweit zu sichern, dass ein sicherer Transport ins Krankenhaus möglich wird.
Bekannt ist das niederländische MMT vor allem durch seine Hubschrauber, die früher häufig als „Traumahelikopter“ bezeichnet wurden. In den Niederlanden existieren insgesamt vier solcher Teams in Groningen, Amsterdam, Rotterdam und Nijmegen. Das für Nordniederlande zuständige MMT gehört zum UMCG Groningen und ist seit 2016 auf dem Flughafen Groningen Airport Eelde stationiert. Die Teams arbeiten landesweit eng zusammen und sind Teil des niederländischen Netzwerks für Akutmedizin.
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