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Wasserknappheit verschärft sich in den Niederlanden

| von Redaktion

Archivbild | Quelle: HOLLAND.guide
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NIJMEGEN · Die Niederlande verschärfen wegen der anhaltenden Trockenheit ihre Maßnahmen gegen die zunehmende Wasserknappheit. Die Landelijke Coördinatiecommissie Waterverdeling (LCW) hat empfohlen, die Lage vom bisherigen Niveau eines drohenden Wasserdefizits auf die Stufe eines tatsächlichen Wasserdefizits anzuheben. Grund dafür sind historisch niedrige Abflüsse der Flüsse Rhein und Maas, ausbleibende Niederschläge und eine gleichzeitig hohe Wassernachfrage während des warmen Sommers. Bund, Rijkswaterstaat, Wasserverbände, Provinzen, Trinkwasserversorger und Ministerien koordinieren nun zusätzliche Maßnahmen, um das verfügbare Süßwasser möglichst gezielt zu verteilen. Die Trinkwasserversorgung ist nach Angaben der niederländischen Regierung weiterhin gesichert. Regional gelten jedoch bereits Einschränkungen bei der Wasserentnahme und weitere Maßnahmen werden vorbereitet, um Natur, Landwirtschaft, Deiche und die Süßwasserversorgung zu schützen.

Die niederländische Regierung hat am Donnerstag offiziell auf ein tatsächliches Wasserdefizit umgestellt. Nach Angaben des Ministeriums für Infrastruktur und Wasserwirtschaft gelangt aufgrund der anhaltenden Trockenheit deutlich weniger Wasser über Niederschläge sowie über Rhein und Maas in das Land, während gleichzeitig der Wasserverbrauch steigt. Besonders die Abflüsse der Flüsse befinden sich auf historisch niedrigem Niveau. Nach Einschätzung der Behörden wird sich diese Situation in den kommenden Wochen voraussichtlich fortsetzen. Deshalb koordinieren Rijkswaterstaat, die regionalen Wasserverbände, Trinkwasserunternehmen, Provinzen und die zuständigen Ministerien zusätzliche Maßnahmen zur möglichst gerechten Verteilung der vorhandenen Wasserreserven. Dabei wird jeweils geprüft, welche Maßnahmen in den einzelnen Regionen erforderlich sind.

Die Regierung betont gleichzeitig ausdrücklich, dass die Versorgung mit Trinkwasser nicht gefährdet ist und weiterhin ausreichend Trinkwasser zur Verfügung steht. Dennoch bleibt die Empfehlung bestehen, das ganze Jahr über bewusst mit Trinkwasser umzugehen. Bereits in den vergangenen Wochen wurden verschiedene Maßnahmen umgesetzt. So wurden im IJsselmeer und Markermeer zusätzliche Süßwasservorräte gespeichert, regionale Wasserstände angehoben sowie Pumpen und Schleusen eingesetzt, um Wasser gezielt zwischen den Flusssystemen zu verteilen.

Mit der nun erfolgten Hochstufung auf Niveau 2 können weitere Maßnahmen schneller umgesetzt werden. Dazu gehören unter anderem ein angepasster Betrieb von Wehren an den Rheinarmen, die Vorbereitung zusätzlicher Notpumpen sowie Einschränkungen beim Schleusenbetrieb, damit weniger Salzwasser ins Landesinnere eindringt. Dadurch müssen Schiffe teilweise mit längeren Wartezeiten rechnen. Außerdem gelten in mehreren Regionen bereits Beschränkungen bei der Entnahme von Grund- und Oberflächenwasser, sodass Bewässerungen nicht überall mehr zulässig sind.

Historisch niedrige Wasserstände

Nach Angaben des Watermanagementcentrum Nederland ist der Juli bislang nahezu ohne nennenswerte Niederschläge verlaufen. Gleichzeitig liegen die Temperaturen über dem langjährigen Durchschnitt und sowohl Rhein als auch Maas erreichen Wassertemperaturen von rund 25 Grad.

Der Rhein führt inzwischen nur noch etwas mehr als 800 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Damit nähert sich der Fluss dem bisherigen Juli-Rekordtief von 780 Kubikmetern pro Sekunde aus dem Jahr 1976. Auch die Maas weist mit durchschnittlich 30 Kubikmetern pro Sekunde über drei Tage niedrige Abflusswerte auf.

Das landesweite Niederschlagsdefizit beträgt inzwischen rund 200 Millimeter und entspricht damit in etwa dem Trockenjahr 2018. Die Grundwasserstände werden in weiten Teilen der Niederlande als niedrig bis sehr niedrig eingestuft.

Die Prognosen gehen davon aus, dass einzelne Gewitter in den kommenden Tagen die Lage kaum entspannen werden. Bis Anfang August wird überwiegend warmes und trockenes Wetter erwartet. Der Rhein könnte kurzfristig sogar auf etwa 700 Kubikmeter pro Sekunde absinken. Sinkt die Maas unter 25 Kubikmeter pro Sekunde, werden weitere Maßnahmen vorbereitet.

Zusätzliche Maßnahmen im ganzen Land

Die Wasserbehörden setzen bereits zahlreiche technische Maßnahmen ein, um das vorhandene Süßwasser möglichst effizient zu nutzen.

Dazu gehört ein veränderter Betrieb von Schleusen und Wehren. Schleusen werden teilweise seltener oder gebündelt betrieben, wodurch weniger Süßwasser verloren geht. Gleichzeitig werden zusätzliche Pumpanlagen vorbereitet oder erweitert. So wird unter anderem eine temporäre Pumpinstallation bei Eefde ausgebaut.

Auch an mehreren wichtigen Wasserbauwerken werden Maßnahmen gegen die zunehmende Versalzung getroffen. Am Afsluitdijk wird weniger Wasser aus dem IJsselmeer abgelassen, um dort möglichst große Süßwasservorräte zu erhalten. Im Noordzeekanaal wurde die sogenannte Selektive Onttrekking geschlossen, damit Salzwasser besser abgeführt werden kann. Auch die Haringvliet-Schleusen bleiben geschlossen, um das Eindringen von Salzwasser zu begrenzen.

Zusätzlich werden die Klimaatbestendige Wateraanvoer und die Doorvoer Krimpenerwaard genutzt, um mehr Süßwasser aus den Rheinarmen in den Westen des Landes zu leiten. Möglich ist außerdem der Einsatz des Wehrs bei Hagestein. Durch eine angepasste Steuerung könnte zusätzliches Süßwasser über die Lek nach West-Niederlande gelangen und dort die Versalzung zurückdrängen.

Regionale Einschränkungen nehmen zu

Mehrere Wasserverbände haben ihre regionalen Maßnahmen bereits verschärft.

Besonders betroffen ist Limburg. Dort gilt nach Angaben der Waterschap Limburg inzwischen die höchste regionale Trockenheitsstufe. Ab Freitagmorgen dürfen Oberflächengewässer dort nahezu vollständig nicht mehr zur Bewässerung genutzt werden. Ausnahmen bestehen unter anderem für die Feuerwehr, für Trinkwasser von Weidetieren, für die Kühlung von Obst sowie für Maßnahmen zum Schutz von Gebäudefundamenten und Torfböden.

Auch die Waterschap De Dommel hat das Verbot der Wasserentnahme inzwischen auf sein gesamtes Verbandsgebiet ausgeweitet. Gleichzeitig wird dort Grundwasser gepumpt, damit empfindliche Naturbäche nicht vollständig austrocknen.

Die Waterschap Aa en Maas setzt vorübergehend gereinigtes Abwasser aus einer Kläranlage ein, um Gräben und Bäche mit Wasser zu versorgen. Wegen der geringeren Wasserqualität wird dort vom Baden sowie vom Tränken von Vieh abgeraten.

Folgen für Natur, Landwirtschaft und Schifffahrt

Die anhaltende Trockenheit wirkt sich inzwischen auf zahlreiche Bereiche aus.

Nach Angaben des Watermanagementcentrum Nederland nehmen Meldungen über Blaualgen und Fischsterben zu. Die Landwirtschaft und die Natur leiden unter der eingeschränkten Verfügbarkeit von Grund- und Oberflächenwasser. Gleichzeitig führen hohe Wassertemperaturen auch in der Industrie zu Einschränkungen.

Die Schifffahrt ist ebenfalls betroffen. An mehreren Schleusen entstehen längere Wartezeiten, weil Wasser eingespart wird. Auf der Waal, der IJssel sowie im Kanaal Gent Terneuzen gelten zudem Tiefenbeschränkungen.

Nach Angaben der Wasserbehörden bleibt die Sicherheit weiterhin oberste Priorität. Deshalb erhalten unter anderem Deiche und Wasserbauwerke Vorrang bei der Wasserversorgung, bevor Wasser für andere Nutzungen bereitgestellt wird.

Trinkwasser bleibt verfügbar

Trotz der angespannten Lage betonen Regierung und Trinkwasserversorger übereinstimmend, dass die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser nicht gefährdet ist.

Die Behörden empfehlen jedoch weiterhin einen bewussten Umgang mit Wasser. Dazu gehören unter anderem kürzere Duschzeiten, das Schließen des Wasserhahns beim Zähneputzen sowie das Einschalten der Spülmaschine nur bei voller Beladung.

Nach Angaben der Regierung dienen sämtliche Maßnahmen dazu, das vorhandene Wasser möglichst lange verfügbar zu halten und die wichtigsten gesellschaftlichen Funktionen auch bei anhaltender Trockenheit sicherzustellen.

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