Warum zahlen Niederländer fast alles mit Karte?
| von Redaktion
AMSTERDAM · Ob im Supermarkt, auf dem Wochenmarkt oder beim Bäcker – in den Niederlanden wird fast alles bargeldlos bezahlt. Während in Deutschland Münzen und Scheine vielerorts noch selbstverständlich sind, greifen Niederländer meist zur Debitkarte oder zum Smartphone. Manche Geschäfte akzeptieren sogar ausschließlich Kartenzahlungen. Für deutsche Urlauber kann das überraschend sein, insbesondere wenn sie nur Bargeld dabeihaben. Doch hinter der niederländischen Vorliebe für bargeldloses Bezahlen stecken praktische, wirtschaftliche und historische Gründe.
Wer regelmäßig in den Niederlanden unterwegs ist, wird schnell feststellen, dass das Portemonnaie oft geschlossen bleibt. Selbst kleine Beträge von wenigen Euro werden ganz selbstverständlich mit Karte bezahlt. Ob eine Tasse Kaffee, ein Eis oder das Parkticket – vielerorts wird einfach die Karte oder das Smartphone an das Kartenlesegerät gehalten. Bargeld spielt im Alltag zwar weiterhin eine Rolle, sein Anteil an den Zahlungen ist in den vergangenen Jahren jedoch deutlich zurückgegangen.
Bargeld ist weiterhin gültig
Ein häufiger Irrtum lautet, Bargeld sei in den Niederlanden abgeschafft worden. Das stimmt nicht. Euro-Banknoten und -Münzen sind selbstverständlich auch dort gesetzliches Zahlungsmittel.
Allerdings können Unternehmen in vielen Fällen selbst entscheiden, welche Zahlungsmittel sie akzeptieren. Deshalb weisen manche Geschäfte bereits am Eingang mit Schildern wie „Alleen pinnen“ („Nur Kartenzahlung“) oder „PIN only“ darauf hin, dass ausschließlich bargeldlos bezahlt werden kann.
Die Debitkarte ist der Standard
Während Kreditkarten in Deutschland häufig als Ergänzung zum Girokonto genutzt werden, bezahlen Niederländer im Alltag überwiegend mit einer Debitkarte. Das Geld wird dabei direkt vom Girokonto abgebucht.
Inzwischen akzeptieren die meisten Geschäfte internationale Debitkarten von Visa oder Mastercard problemlos. Ältere Girokarten aus Deutschland können jedoch – insbesondere bei älteren Bezahlterminals – vereinzelt Schwierigkeiten bereiten. Vor einer Reise lohnt sich deshalb ein kurzer Blick auf die eigene Bankkarte.
Kontaktlos bezahlen gehört zum Alltag
Das kontaktlose Bezahlen ist in den Niederlanden längst selbstverständlich. Karten, Smartphones oder Smartwatches werden einfach kurz an das Lesegerät gehalten. Auch Apple Pay, Google Pay und ähnliche Bezahldienste sind weit verbreitet.
Gerade deshalb dauert der Bezahlvorgang oft nur wenige Sekunden – ein Grund, warum bargeldloses Bezahlen von vielen Niederländern als besonders komfortabel empfunden wird.
Was bedeutet eigentlich „PIN“?
Wer in den Niederlanden einkauft, hört häufig die Frage:
„Wilt u pinnen?“
Gemeint ist damit schlicht: „Möchten Sie mit Karte bezahlen?“
Der Begriff „pinnen“ hat sich als Synonym für das bargeldlose Bezahlen etabliert – unabhängig davon, ob die Zahlung kontaktlos oder mit Eingabe der PIN erfolgt.
Tikkie: Geld unter Freunden teilen
Zum bargeldlosen Alltag gehört in den Niederlanden auch Tikkie. Dabei handelt es sich um eine kostenlose Smartphone-App, mit der Geldbeträge unkompliziert angefordert werden können.
Hat beispielsweise eine Person im Restaurant die gesamte Rechnung bezahlt, verschickt sie anschließend über Tikkie einen Zahlungslink per WhatsApp, SMS oder E-Mail. Die anderen Beteiligten öffnen den Link, wählen ihre Bank aus und begleichen ihren Anteil mit wenigen Klicks.
In den Niederlanden ist es völlig normal, nach einem gemeinsamen Essen, einer Geburtstagsfeier oder einem Einkauf einen „Tikkie“ zu verschicken. Was für manche Deutsche zunächst ungewohnt wirkt, gehört dort längst zum Alltag – selbst bei kleinen Beträgen von wenigen Euro.
Kleine Beträge? Kein Problem
Während in Deutschland früher häufig ein Mindestbetrag für Kartenzahlungen galt, existiert dieser in den Niederlanden vielerorts nicht mehr.
Ob ein Brötchen, ein Kaffee oder ein Parkticket – Beträge von einem oder zwei Euro werden problemlos mit Karte bezahlt. Viele Niederländer tragen deshalb nur noch wenig Bargeld bei sich.
Bargeld bleibt für Notfälle sinnvoll
Auch wenn bargeldloses Bezahlen dominiert, empfiehlt es sich insbesondere für Urlauber, einige Euro in bar dabeizuhaben. Auf Wochenmärkten, bei kleineren Veranstaltungen oder technischen Störungen kann Bargeld weiterhin hilfreich sein.
Zudem akzeptieren manche wenige Parkautomaten oder Verkaufsstände noch keine Kartenzahlung oder verfügen zeitweise über keine funktionierende Internetverbindung.
Deutsche Urlauber sollten vorbereitet sein
Wer in die Niederlande reist, sollte möglichst eine international nutzbare Debit- oder Kreditkarte mitnehmen und gegebenenfalls mobiles Bezahlen auf dem Smartphone einrichten. Damit lassen sich nahezu alle alltäglichen Ausgaben unkompliziert begleichen.
Gerade in Grenzregionen akzeptieren viele Geschäfte zwar auch deutsche Zahlungsmittel problemlos, dennoch sorgt eine moderne Debitkarte meist für den reibungslosesten Ablauf.
Schon gewusst?
Der Begriff „Tikkie“ ist in den Niederlanden längst zum Alltagswort geworden. Ähnlich wie „googeln“ oder „WhatsApp schreiben“ wird auch „Stuur maar een Tikkie“ („Schick mir einfach einen Tikkie“) ganz selbstverständlich verwendet – selbst dann, wenn das Geld später über eine andere Zahlungsart beglichen wird.
Tipp für Urlauber
Achten Sie beim Bezahlen auf Hinweise wie „PIN only“, „Alleen pinnen“ oder „Cashless“. Diese bedeuten, dass Bargeld dort nicht angenommen wird. Mit einer modernen Debitkarte oder dem Smartphone sind Sie in den Niederlanden in nahezu jeder Situation bestens vorbereitet.
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