Vape-Dealer auf Snapchat bleiben aktiv
| von Redaktion
DEN HAAG · Jugendliche finden weiter illegale Vapes auf Snapchat: Trotz Verbots von aromatisierten E-Zigaretten und klarer Gesetze bleibt die Realität für viele Jugendliche unverändert: Auf Snapchat stoßen sie massenhaft auf Händler, die vapes, snus und andere Nikotinprodukte anbieten. Ärzte und die Stichting Rookpreventie Jeugd hatten den Betreiber Snap mehrfach zu strengeren Maßnahmen aufgefordert. Zwar kündigte das Unternehmen im August verbesserte Filter und Blockaden an, doch ein aktuelles Jugendpanel zeigt, dass diese kaum Wirkung entfalten. Die Aufsichtsbehörde ACM wurde inzwischen eingeschaltet, während parallel die NVWA im ganzen Land regelmäßig illegale Vapes beschlagnahmt.
Das Leids Universitair Medisch Centrum (LUMC) und das Antoni van Leeuwenhoek Ziekenhuis ließen im Juli und August 2025 durch ein Jugendpanel überprüfen, ob die von Snapchat angekündigten Maßnahmen greifen. 15 Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren führten dabei gezielte Suchanfragen auf dem Netzwerk durch. Das Ergebnis: Vor dem 8. August fanden die Teilnehmer im Schnitt 55 Händler-Accounts pro Person, nach den Änderungen waren es sogar 56. Besonders niederländische Begriffe wie „peuk“ oder „sigaret“ lieferten zahlreiche Treffer. Auch neue Slang-Ausdrücke wie „snabba“ oder „gerroes“ führten Jugendliche schnell zu Verkäufern. In vier von fünf Fällen bestätigten Testkäufe, dass über die Accounts tatsächlich verbotene Nikotinprodukte angeboten wurden. Damit widerspricht die Praxis den Ankündigungen des Unternehmens Snap, das im August unter anderem von einer verbesserten Slang-Erkennung und verstärktem Jugendschutz berichtet hatte.
Rechtliche Schritte gegen Snapchat
Bereits am 5. Juni 2025 hatten die Stiftung Rookpreventie Jeugd, das LUMC, das AVL-NKI, KWF, Longfonds und die Hartstichting über ihre Anwälte eine formelle Abmahnung an Snap geschickt. Darin wurde das Unternehmen auf Verstöße gegen die europäische Digital Services Act (DSA) hingewiesen und ein Maßnahmenpaket gefordert, darunter das Blockieren verdächtiger Accounts sowie eine spezifische Alterskontrolle. Nachdem Snapchat mehrfach um Aufschub gebeten hatte, wurden schließlich am 8. August Änderungen angekündigt. Da jedoch keine spürbare Verbesserung erkennbar ist, hat die Stiftung inzwischen ein Handhängigkeitsgesuch bei der Autoriteit Consument & Markt (ACM) eingereicht.
Ergebnisse des Jugendpanels
Das Jugendpanel aus fünfzehn Schülern und Studenten testete sechzehn verschiedene Suchbegriffe, darunter auch Emojis. Vor den Maßnahmen erkannten die Jugendlichen insgesamt 607 Dealer-Accounts, danach sogar 615. Nur bei international gängigen Begriffen wie „vape“ war die Zahl gering, während niederländische oder jugendspezifische Ausdrücke zuverlässig Ergebnisse lieferten. Besonders auffällig: Das Wort „gerroes“ führte vor dem 8. August zu durchschnittlich 7,4 erkannten Accounts pro Jugendlichem, nach dem 8. August waren es 5,5. Auch mit „peuk“ konnten Teilnehmer viele Händler finden. Damit zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen der Darstellung von Snap und der Realität auf den Smartphones der Jugendlichen.
Stellungnahmen von Ärzten und Juristen
Longpathologin Daniëlle Cohen vom LUMC wies gegenüber den Medien darauf hin, dass immer mehr Jugendliche ernsthaft nikotinabhängig werden, mit gravierenden Folgen für ihre Gesundheit. Anwältin Laura van Gijn erklärte, dass die Digital Services Act soziale Plattformen ausdrücklich verpflichtet, Kinder zu schützen und ein hohes Schutzniveau zu garantieren. Sollte Snapchat dies nicht sicherstellen, müsste das Netzwerk aus ihrer Sicht als 18-Plus-Plattform eingestuft werden, wie NOS berichtet.
Maßnahmen der NVWA
Parallel zu den rechtlichen Schritten kontrolliert die Nederlandse Voedsel- en Warenautoriteit (NVWA) weiterhin den Markt. Allein im Juli und August 2025 wurden bei Razzien zehntausende verbotene Produkte beschlagnahmt. Dazu gehören aromatisierte E-Zigaretten und Nachfüllflüssigkeiten, deren Verkauf seit 2024 untersagt ist. So stellte die NVWA im Juli bei einer Aktion in der Nähe des Flughafens Schiphol 80.000 vapes sicher. Kurz zuvor waren bereits 70.000 illegale Liquids in Gelderland beschlagnahmt worden. Händler müssen mit hohen Bußgeldern rechnen, bei Wiederholung können diese bis zu 22.500 Euro betragen. Auch kleinere Händler, die über soziale Medien oder von zu Hause aus verkaufen, werden zunehmend kontrolliert.
Risiko für Jugendliche bleibt hoch
Die gesammelten Daten zeigen deutlich, dass die von Snapchat angekündigten Filtermaßnahmen in der Praxis nicht greifen. Jugendliche stoßen weiterhin schnell und einfach auf Angebote für hochdosierte Nikotinprodukte. Einige Händler bieten sogar Vapes mit 50.000 bis 60.000 Zügen an, was dem Nikotingehalt von dutzenden Zigarettenpackungen entspricht. Experten warnen, dass diese Produkte nicht nur eine starke Abhängigkeit fördern, sondern auch erhebliche gesundheitliche Schäden verursachen können, von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Beeinträchtigungen der Gehirnentwicklung bei Jugendlichen.
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