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Tempolimit auf dem Radweg

| von Redaktion

Tempolimit für Radler: Das Rennrad kann dann im Schuppen bleiben. (Archivbild) | Foto: HOLLAND.guide
Tempolimit für Radler: Das Rennrad kann dann im Schuppen bleiben. (Archivbild) | Foto: HOLLAND.guide

HOUTEN · Was wie ein Aprilscherz klingt, wird in den Niederlanden Realität: In Houten beginnt am 8. Juni ein Versuch mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde auf einem Radweg. Amsterdam folgt nach Angaben von AD und Het Parool im September. Hintergrund sind volle Radwege, mehr E Bikes, Fatbikes, elektrische Lastenräder und steigende Unfallzahlen. Die Maßnahme soll zeigen, ob ein Tempolimit das Verhalten von Radfahrern verändert und die Sicherheit verbessert. Strafen durch die Polizei sind in Houten zunächst nicht vorgesehen. Kameras sollen Position, Geschwindigkeit und Art der Verkehrsteilnehmer erfassen.

In Houten wird die neue Regel auf der Fossa Iberica getestet, einer schmalen und stark genutzten Straße hinter dem Einkaufszentrum Castellum. Nach Angaben vom AD passieren dort täglich mehr als tausend Radfahrer und Mopedfahrer. Der Ort wurde nicht zufällig ausgewählt. Dort gibt es eine als relativ unsicher beschriebene Kreuzung, außerdem kam es seit 2023 zu mehreren Unfällen. Besonders zu Schulzeiten ist der Bereich stark belastet. Schüler auf Fahrrädern, Fatbikes und Rollern teilen sich den Raum mit Einkaufspublikum und breiten Lastenrädern.

Der Versuch geht auf das Meerjarenplan Fietsveiligheid 2025 bis 2029 zurück. Mehrere Gemeinden hatten Interesse angemeldet, ausgewählt wurden schließlich Houten und Amsterdam. In Houten sollen Schilder auf die neue Höchstgeschwindigkeit hinweisen. Zusätzlich werden Kameras eingesetzt, die Position, Geschwindigkeit und Art der Verkehrsteilnehmer registrieren. AD berichtet zugleich, dass die Polizei keine Bußgelder ausstellen werde, da Personal und Prioritäten an anderer Stelle fehlten. Genau darin liegt die zentrale Schwäche des Versuchs: Ohne wirksame Kontrolle bleibt offen, ob sich Radfahrer tatsächlich an die 20 Kilometer pro Stunde halten.

Warum gerade Houten testet

Houten gilt seit Jahrzehnten als besondere Fahrradgemeinde. Die Stadt wurde bereits 2008 und 2018 zur Fietsstad des Jahres gekürt und bewirbt sich erneut für 2028. Die Verkehrsstruktur ist stark auf das Fahrrad ausgerichtet. Autos werden weitgehend auf die Rondweg verwiesen, innerhalb dieses Rings hat der Radverkehr eine dominierende Rolle. Gerade deshalb steht Houten unter besonderer Beobachtung. Wenn selbst dort die Radwege als zu voll und teilweise unsicher gelten, zeigt das nach den vorliegenden Berichten, wie stark sich der Verkehr auf niederländischen Radwegen verändert hat.

RTV Utrecht hatte bereits im März berichtet, dass viele politische Parteien in Houten eine Begrenzung auf 20 Kilometer pro Stunde befürworten. Dabei ging es vor allem um Fatbikes, Speedpedelecs, elektrische Fahrräder, Lastenräder und volle Schulwege. Als Problem wurde auch damals die Kontrolle genannt. Fahrräder haben keine Kennzeichen, klassische Blitzer helfen daher nicht. Außerdem können Handhaver nicht dauerhaft an Radwegen stehen und Geschwindigkeiten kontrollieren. D66 in Houten sah die Maßnahme laut RTV Utrecht kritisch und verwies stattdessen auf breitere Radwege.

Amsterdam folgt im September

Auch Amsterdam beteiligt sich an dem Versuch. Nach Angaben von AD und Het Parool soll die Probe dort im September starten. Die Stadt kämpft schon länger mit vollen Radwegen, insbesondere durch die wachsende Zahl elektrischer Fahrzeuge. Die zuständige Amsterdamer Beigeordnete Melanie van der Horst sieht die Begrenzung als Möglichkeit, ruhigere Radfahrer, ältere Menschen und Menschen mit Kindern besser zu schützen.

Die Amsterdamer Abteilung des Fietsersbond bewertet den Versuch laut Het Parool positiv. Begründet wird dies unter anderem damit, dass viele Straßen in Amsterdam bereits auf 30 Kilometer pro Stunde begrenzt sind. Schnellere E Bikes oder Fatbikes könnten nach dieser Sichtweise auf die Fahrbahn ausweichen, wenn sie schneller als 20 Kilometer pro Stunde fahren wollen. Gleichzeitig bleibt auch in Amsterdam die Frage offen, wie ein Tempolimit ohne Kennzeichenpflicht und ohne intensive Kontrolle praktisch wirken soll.

Unfallzahlen erhöhen den Druck

AD und Het Parool verweisen auf deutlich gestiegene Unfallzahlen. Es kamen im vergangenen Jahr 281 Radfahrer ums Leben. Fast 81.000 Menschen meldeten sich nach einem Fahrradunfall in der Notaufnahme. Das waren nach Angaben von VeiligheidNL, wie AD berichtet, 9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Entwicklung wird in den Texten vor allem mit der zunehmenden Mischung verschiedener Fahrzeugtypen auf denselben Radwegen verbunden.

Neben klassischen Fahrrädern fahren dort heute E Bikes, Fatbikes, elektrische Lastenräder, Speedpedelecs und E Steps. Laut AD gibt es in den Niederlanden inzwischen fast fünf Millionen E Bikes, zwei Millionen mehr als 2020. Besonders in der Morgen und Abendspitze treffen Jugendliche auf Fatbikes, ältere Menschen auf E Bikes, Eltern mit Lastenrädern und Schüler ohne elektrische Unterstützung auf oft schmalen Radwegen zusammen.

Das große Problem bleibt die Kontrolle

Die wichtigste offene Frage ist die Durchsetzung. Experten sehen vor allem die Handhabung als Problem. Die Polizei habe dafür keine Zeit, klassische Blitzer seien wegen fehlender Kennzeichen nicht geeignet. Der Fietsersbond warnt zudem davor, dass ein Tempolimit nicht indirekt zu einer Kennzeichenpflicht für Fahrräder führen dürfe.

Auch der Ansatz, nur bestimmte Fahrzeuge zu begrenzen, wird kritisch gesehen. Der Intensivmediziner Marcel Ariës, Gründer von Artsen voor Veilig Fietsen, plädiert laut AD und Het Parool dafür, keine einzelne Kategorie wie Fatbikes oder Speedpedelecs herauszugreifen. Zugleich reicht eine Geschwindigkeitsgrenze nach seiner Einschätzung allein nicht aus. Es werden zusätzlich Helmgebrauch und ein Mindestalter für E Bikes als weitere Maßnahmen genannt.

Was der Versuch tatsächlich zeigen soll

Der Versuch soll nicht sofort ein landesweites Tempolimit auf Radwegen einführen. Nach Angaben von AD betont Minister Vincent Karremans vom Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft, dass es zunächst um Erkenntnisse geht. Untersucht werden sollen Verhaltensänderungen und mögliche Effekte auf die Verkehrssicherheit. Neben Kameradaten sollen auch Fragebögen eingesetzt werden. Radfahrer sollen angeben, wie sie Sicherheit, Andrang und die getestete Maßnahme wahrnehmen.

Karremans sieht den Versuch laut AD vor dem Hintergrund gestiegener Fahrradunfälle als wichtig an. Falls Houten und später Amsterdam positive Ergebnisse zeigen, könnten weitere Tests folgen. Eine Höchstgeschwindigkeit auf Radwegen soll nicht automatisch überall eingeführt werden. Es gehe um Maßarbeit und um die Frage, ob eine solche Grenze an bestimmten Orten tatsächlich eine Lösung sein kann.

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