Tanken wird ab Dienstag deutlich teurer
| von Redaktion
DEN HAAG · Steigende Energiepreise durch geopolitische Spannungen. Autofahrer in den Niederlanden müssen sich auf deutlich höhere Kraftstoffpreise einstellen. Nach Angaben von Branchenexperten werden die Folgen der stark gestiegenen Ölpreise bereits ab Dienstag sichtbar an den Zapfsäulen ankommen. Hintergrund ist der sprunghafte Anstieg der Rohölpreise infolge der aktuellen Konfliktlage im Nahen Osten. Rohöl hat dabei erstmals seit längerer Zeit wieder die Marke von über 100 Dollar pro Barrel überschritten. Die großen Mineralölkonzerne geben diese Kosten nun Schritt für Schritt an Tankstellen weiter. Damit steigen sowohl Benzin als auch Diesel erneut spürbar. Besonders Diesel könnte nach aktuellen Prognosen erstmals deutlich über die Marke von 2,50 Euro pro Liter steigen.
Autofahrer in den Niederlanden spüren die Entwicklungen auf dem Weltmarkt derzeit besonders schnell an der Zapfsäule. Wie NU.nl berichtet, reagiert der Kraftstoffmarkt oft schneller als viele Verbraucher erwarten. Hintergrund ist, dass Tankstellen ihre Preise nicht ausschließlich auf Basis bereits verarbeiteter Rohölmengen kalkulieren, sondern häufig auf Grundlage der aktuellen Großhandelspreise. Dadurch werden steigende Rohölpreise bereits in den Verkaufspreisen berücksichtigt, bevor die teurere Rohware überhaupt verarbeitet wurde. Laut Erik de Vries von der Branchenorganisation Nederlandse Organisatie Voor de Energiebranche berücksichtigen viele Tankstellen die steigenden Kosten unmittelbar in ihrer Preisgestaltung, um wirtschaftliche Risiken zu vermeiden. Mehr als die Hälfte der Tankstellen wolle verhindern, dass sie teuren Kraftstoff später mit Verlust verkaufen müssen. Diese Dynamik führt dazu, dass Preisbewegungen am Ölmarkt sehr schnell an den Zapfsäulen sichtbar werden.
Ölpreis über 100 Dollar treibt Kraftstoffkosten
Die aktuellen Preissteigerungen hängen eng mit den Entwicklungen auf dem internationalen Ölmarkt zusammen. Wie AD berichtet, ist der Preis für amerikanisches Rohöl erstmals seit Mitte 2022 wieder über die Marke von 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Zeitweise näherte sich der Preis sogar der Schwelle von 120 Dollar. Ursache ist laut AD die Entscheidung mehrerer großer Ölproduzenten, darunter Kuwait, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate, ihre Fördermengen zu reduzieren. Gleichzeitig spielt die Situation rund um die Straße von Hormus eine zentrale Rolle. Diese Meerenge zählt zu den wichtigsten Transportwegen für Erdöl aus dem Nahen Osten. Wird dieser Handelsweg eingeschränkt oder blockiert, reagiert der globale Markt unmittelbar mit steigenden Preisen.
Diese Entwicklung schlägt sich unmittelbar auf die niederländischen Kraftstoffpreise nieder. Laut Brandstoffexperte Derk Foolen von der Verbraucherorganisation UnitedConsumers werden die ersten deutlichen Effekte nun an den Tankstellen sichtbar. Die großen Mineralölunternehmen geben die steigenden Rohölkosten schrittweise an ihre Kunden weiter.
Diesel nähert sich der Marke von 2,50 Euro
Besonders deutlich zeigt sich der Preisanstieg derzeit beim Diesel. Wie AD berichtet, lag die landesweite Empfehlungspreis für Diesel noch vor Beginn des Konflikts im Nahen Osten bei rund 2,09 Euro pro Liter. Inzwischen liegt der Wert laut UnitedConsumers bereits bei etwa 2,46 Euro pro Liter. Für Dienstag erwarten Experten einen weiteren deutlichen Sprung. Der landesweite Richtpreis könnte erstmals klar über 2,50 Euro pro Liter steigen.
Auch Benzin wird deutlich teurer. Nach Angaben von UnitedConsumers liegt der durchschnittliche landesweite Empfehlungspreis für Euro95 derzeit bei rund 2,396 Euro pro Liter. Damit nähert sich der Preis erneut den Rekordwerten aus dem Jahr 2022, als infolge des Ukrainekriegs zeitweise mehr als 2,50 Euro pro Liter bezahlt werden mussten.
Warum Preise an der Zapfsäule so schnell steigen
Viele Autofahrer wundern sich darüber, dass Kraftstoffpreise häufig sehr schnell steigen, während Preissenkungen oft länger auf sich warten lassen. Laut NU.nl liegt dies unter anderem daran, wie Tankstellen ihre Preise kalkulieren. Die Rohölpreise beeinflussen zunächst die Großhandelspreise für Benzin und Diesel. Diese steigen oft sofort, sobald sich die Erwartungen am Markt ändern.
Tankstellenbetreiber orientieren sich daher stark an diesen Großhandelspreisen. Laut Erik de Vries von der Branchenorganisation NOVE berücksichtigen viele Betreiber bereits die erwarteten Kosten für kommende Lieferungen. Selbst wenn der aktuell im Tank befindliche Kraftstoff noch aus früheren Lieferungen stammt, werden steigende Einkaufspreise oft sofort in die Verkaufspreise eingerechnet. Das soll verhindern, dass Betreiber ihre Lagerbestände zu günstig verkaufen und anschließend teurer nachkaufen müssen.
Steuern machen großen Teil des Preises aus
Ein weiterer wichtiger Faktor für die hohen Preise ist die Steuerbelastung. Wie NU.nl berichtet, setzt sich der Preis für eine Tankfüllung aus mehreren Bestandteilen zusammen. Dazu gehören die Rohölkosten, Raffinierung und Transport, aber auch Steuern und Mehrwertsteuer.
Gerade in den Niederlanden spielt der Steueranteil eine große Rolle. Die Benzinsteuer liegt laut Branchenangaben inzwischen bei rund 85 Cent pro Liter. Anfang des Jahres wurde die Verbrauchsteuer zusätzlich um rund 5,5 bis 5,6 Cent pro Liter erhöht. Für Autofahrer bedeutet das laut NU.nl rund drei Euro Mehrkosten pro Tankfüllung mit etwa 50 Litern.
Diese hohe Steuerlast trägt dazu bei, dass Kraftstoff in den Niederlanden im europäischen Vergleich besonders teuer ist.
Tanktourismus nimmt weiter zu
Die steigenden Preise führen laut Branchenvertretern bereits zu deutlichen Veränderungen im Verhalten der Autofahrer. Wie NU.nl berichtet, nutzen viele Verbraucher Preisapps, um günstigere Tankstellen zu finden. Besonders in Grenzregionen wird zunehmend im Ausland getankt.
Nach Angaben von Branchenorganisationen kann es sich selbst für Menschen im Landesinneren lohnen, zum Tanken über die Grenze zu fahren. In Belgien wurden laut NU.nl zuletzt Preise von etwa 1,69 Euro pro Liter beobachtet. Dieser Unterschied verstärkt den sogenannten Tanktourismus erheblich.
Auch AD berichtet, dass Tankstellenbetreiber beobachten, dass Autofahrer verstärkt versuchen, günstige Preise auszunutzen. Teilweise werden sogar Kanister mitgebracht, um zusätzliche Vorräte anzulegen. Branchenvertreter warnen jedoch davor, größere Mengen Kraftstoff zu lagern, da dies erhebliche Sicherheitsrisiken mit sich bringen kann.
Regierung sieht derzeit keinen Anlass für Eingreifen
Angesichts der steigenden Preise wird zunehmend über politische Maßnahmen diskutiert. Experten sehen vor allem eine mögliche Senkung der Verbrauchsteuer als kurzfristige Entlastung für Autofahrer. Laut NU.nl halten mehrere Wirtschaftsexperten eine temporäre Reduzierung der Abgaben für die naheliegendste Möglichkeit, die Belastung für Verbraucher zu reduzieren.
Die Regierung zeigt sich bislang jedoch zurückhaltend. Premierminister Rob Jetten erklärte laut NU.nl im Programm Nieuwsuur, dass derzeit kein Anlass gesehen werde, die Verbrauchsteuer erneut zu senken. Zwar sei es spürbar, wenn ein Konflikt in einer weit entfernten Region zu steigenden Preisen im Alltag führe. Dennoch sehe die Regierung aktuell keinen direkten Handlungsbedarf.
Entwicklung hängt stark vom Ölmarkt ab
Wie sich die Kraftstoffpreise in den kommenden Wochen entwickeln, hängt stark von den geopolitischen Entwicklungen und vom Ölpreis ab. Laut Branchenexperten ist es möglich, dass die Preise weiter steigen, wenn sich die Lage auf den internationalen Energiemärkten weiter zuspitzt.
Sollte der Ölpreis beispielsweise weiter in Richtung 150 Dollar pro Barrel steigen, könnten die Preise an den Tankstellen noch deutlich stärker anziehen. Gleichzeitig betonen Experten, dass auch ein schneller Rückgang möglich ist, falls sich die geopolitische Lage stabilisiert und die Ölversorgung wieder normalisiert.
Für Autofahrer bedeutet das vorerst jedoch vor allem eines. Wer in den kommenden Tagen tanken muss, sollte sich auf spürbar höhere Preise einstellen.
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