Information

einfach auf den Punkt gebracht

Rhein wird zum Wadi: neuer Tiefststand

| von Redaktion

Kaub heute Mittag | Foto: DACHIST.org
Kaub heute Mittag | Foto: DACHIST.org

LOBITH · Der Rhein fällt auf historische Tiefstände. Am Sonntag wurde bei Lobith mit 6,10 Metern der niedrigste Wasserstand seit Beginn der dortigen Messungen im Jahr 1866 registriert. Damit wurde der erst im August 2026 aufgestellte Rekord um zwei Zentimeter unterschritten. Auch auf deutscher Seite werden neue Tiefstwerte gemessen: In Köln sank der Pegel am Sonntag auf 42 Zentimeter, in Kaub wurden sogar minus zwei Zentimeter angezeigt. Ursache ist die anhaltende Trockenheit im Einzugsgebiet. Für die Schifffahrt werden die Folgen zunehmend spürbar. Frachtschiffe können weniger Ladung transportieren, Fähren fallen aus und auf der IJssel gilt inzwischen Einrichtungsverkehr.

Der Rhein führt Ende September außergewöhnlich wenig Wasser. Rijkswaterstaat registrierte bei Lobith am Sonntag gegen Mittag einen Wasserstand von 6,10 Metern. Niedriger stand der Rhein an dieser Messstelle seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1866 noch nie. Der bisherige Rekord war erst im August erreicht worden und lag zwei Zentimeter höher. Entscheidend für die Situation ist nicht allein der Wasserstand, sondern auch die Wassermenge, die über den Rhein in die Niederlande gelangt. Der durchschnittliche Abfluss lag bei Lobith am Sonntag bei rund 590 Kubikmetern pro Sekunde. In den kommenden Tagen wird ein weiterer Rückgang auf etwa 570 Kubikmeter pro Sekunde erwartet.

Die Werte liegen damit noch unter denen von Anfang August, als bereits ein Niedrigwasserrekord verzeichnet worden war. Als Ursache gilt der geringe Niederschlag im Einzugsgebiet. Nach der Trockenheit im Juni und Juli hatte Regen Ende August und Anfang September vorübergehend für Entlastung gesorgt. In den vergangenen Wochen fiel in der Schweiz und in Deutschland jedoch erneut wenig Niederschlag. Hinzu kommt ein schneearmer vergangener Winter in den Alpen, wodurch weniger Schmelzwasser in den Rhein gelangte.

Neue Rekorde auch in Deutschland

Auch entlang des deutschen Rheinabschnitts werden historische Tiefstände gemessen. Am Pegel Köln wurden am Sonntag um 13 Uhr nach den Daten des deutschen Schifffahrtsinformationssystems ELWIS 42 Zentimeter registriert. Noch am frühen Morgen waren es 43 Zentimeter gewesen. Damit liegt der Pegel unter dem erst im August aufgestellten bisherigen Rekord. 2018 hatte der damalige historische Tiefstand in Köln noch bei 69 Zentimetern gelegen. Der Wasserstand wird wahrscheinlich weiter sinken. Für Montagmorgen werden in Köln nur noch 37 Zentimeter erwartet.

Noch auffälliger sind die Werte in Kaub, einem für die Rheinschifffahrt besonders wichtigen Abschnitt. Dort zeigte der Pegel am Sonntag sowohl um 5 Uhr als auch um 13 Uhr minus zwei Zentimeter an. Zum Vergleich: Der vor 2026 niedrigste Stand seit Messbeginn lag dort im Jahr 2018 bei 25 Zentimetern.

Auch am Niederrhein sind negative Pegelstände zu sehen. In Emmerich wurden am Sonntag um 5 Uhr minus 20 Zentimeter und um 13 Uhr minus 23 Zentimeter registriert.

Minus 23 Zentimeter bedeutet nicht ausgetrocknet

Negative oder sehr niedrige Pegelwerte bedeuten nicht, dass der Rhein an diesen Stellen kein Wasser mehr führt. Der Pegel bezeichnet die Höhe des Wassers gegenüber einem festgelegten Nullpunkt an der jeweiligen Messstelle. Er entspricht deshalb nicht der tatsächlichen Wassertiefe oder der Tiefe der Fahrrinne.

In Köln lag die Fahrrinnentiefe am Sonntag trotz eines Pegels von nur 42 Zentimetern noch bei ungefähr 1,20 Metern. Bei Kaub war die Situation für die Schifffahrt schwieriger. Dort stand der Pegel zwar bei minus zwei Zentimetern, in der Fahrrinne war aber weiterhin Wasser vorhanden. Die verfügbare Tiefe lag nach den vorliegenden Angaben dort bei weniger als einem Meter beziehungsweise ungefähr zwischen 1,10 und 1,15 Metern.

Schiffe können weniger Ladung transportieren

Für die Rheinschifffahrt hat das Niedrigwasser bereits konkrete Folgen. Frachtschiffe können nur noch mit reduzierter Ladung fahren. Am Samstag lief die MS Dutch Melody in Köln im Bereich der Deutzer Brücke in der Fahrrinne auf Grund. Ein anderes Schiff konnte das niederländische Flusskreuzfahrtschiff wieder freiziehen. Anschließend setzte es seine Fahrt fort.

Auch Fähren entlang des Rheins sind betroffen. Unter anderem wurde der Betrieb der Fähre Culemborg-Schalkwijk eingestellt, weil das Wasser so niedrig steht, dass die Fähre mit ihren Klappen die Anlegestellen nicht mehr erreichen kann.

Rijkswaterstaat sieht auf dem Rhein bzw. der Waal in den Niederlanden derzeit dennoch keinen Anlass für zusätzliche Maßnahmen für die Schifffahrt. Anders ist die Situation auf der IJssel. Dort gilt seit Freitag Einrichtungsverkehr. Schiffe dürfen zwischen Zutphen und Arnhem nur noch in Richtung Arnhem fahren. Für die Gegenrichtung ist eine Umleitung erforderlich.

Niedrigwasser legt Weltkriegsmunition frei

Der außergewöhnlich niedrige Wasserstand hat in Deutschland noch eine weitere Folge. Im Rhein werden Kampfmittel sichtbar, die zuvor unter Wasser lagen. Am Samstag wurde bei Hersel zwischen Köln und Bonn eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg kontrolliert gesprengt. Am Pegel Bonn wurden zu diesem Zeitpunkt 60 Zentimeter gemessen.

Rijkswaterstaat misst Wasserstände und Abfluss des Rheins kontinuierlich. Die Daten sind für die Niederlande nicht nur für die Schifffahrt relevant. Der Rhein ist eine zentrale Quelle für die Versorgung mit Süßwasser. Informationen über Wasserstände und Abfluss werden deshalb unter anderem für Landwirtschaft, Natur, Schifffahrt und Trinkwasserversorgung genutzt.

In eigener Sache

Bitte unterstütze uns

Unsere Aktivitäten und diese Webseite bieten wir kostenlos an. Wir tun dies gerne und freiwillig. Um unseren Service weiterhin anbieten zu können, schalten wir Werbung und nutzen Affiliate-Links. Deine Unterstützung, sei es durch Mitarbeit oder eine Spende in Höhe einer Tasse Kaffee über PayPal, ist uns sehr willkommen und hilft uns enorm.

Vielen Dank dafür!


Zurück zur Newsübersicht

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 8 und 4?

Weitere Nachrichten