Renovierung Van Brienenoordbrug explodiert im Preis
| von Redaktion
ROTTERDAM · Schock für Infrastruktur und Verkehrspolitik – Die Kosten für die dringend notwendige Renovierung der Van Brienenoordbrug in Rotterdam haben sich gegenüber der ursprünglichen Planung mehr als verdoppelt. Statt der im Jahr 2022 angesetzten 680 Millionen Euro rechnet Rijkswaterstaat mittlerweile mit bis zu 2 Milliarden Euro. Grund sind unter anderem massive Preissteigerungen bei Material und Personal sowie eine geringere Risikobereitschaft der Bauunternehmen. Die neue Ausschreibung des Projekts soll im Juli 2025 starten, der erste Auftrag wird 2026 vergeben.
Die Van Brienenoordbrug, eine der markantesten und verkehrsreichsten Brücken der Niederlande, ist über 60 Jahre alt und täglich von mehr als 230.000 Fahrzeugen befahren. Ihre tragenden Strukturen zeigen Alterungsspuren, die eine umfassende Sanierung unabdingbar machen. Bereits 2022 versuchte Rijkswaterstaat, das Großprojekt durch eine Ausschreibung in Gang zu setzen – vergeblich. Aufgrund der hohen Risiken und zu geringer Risikoverteilung wurde nur ein überteuertes Angebot eingereicht. Nun startet ein zweiter Versuch, jedoch mit neuem Konzept, mehr Teilaufträgen und einer realistischeren Kostenschätzung zwischen 1,5 und 2 Milliarden Euro, wie Rijkswaterstaat bestätigte.
Kostenexplosion durch Marktbedingungen
Laut Rijkswaterstaat wurde die ursprüngliche Kostenschätzung von 680 Millionen Euro inzwischen als nicht mehr realistisch eingestuft. Die Baupreise seien in den vergangenen Jahren stark gestiegen – sowohl für Materialien als auch für Arbeitskräfte. Auch die Marktlage hat sich verschärft: Unternehmen akzeptieren seltener Großprojekte mit hohem Risiko, da frühere Projekte wie die Afsluitdijk-Renovierung durch massive Kostenüberschreitungen beinahe zum Bankrott führten, so De Telegraaf.
Misserfolg der ersten Ausschreibung
Die erste Ausschreibungsrunde im Jahr 2022 scheiterte kläglich. Nur eine Bietergemeinschaft hatte sich gemeldet, und diese nannte einen Preis, der laut dem damaligen Minister Harbers „exzessiv“ war. Zudem konnte keine Einigung über die Aufteilung finanzieller Risiken erzielt werden. Dies war laut NOS einer der Hauptgründe für den Abbruch des Verfahrens.
Neue Aufteilung soll Umsetzung erleichtern
Rijkswaterstaat hat das Projekt daher neu strukturiert. Künftig soll die Brückensanierung in vier Einzelaufträge unterteilt werden, wie De Telegraaf berichtet. Dies soll den Baufirmen ermöglichen, sich auf Teilbereiche zu spezialisieren – etwa die Stahlkonstruktion, die beweglichen Brückenteile oder den Transport der ikonischen weißen Bögen. Der erste Auftrag betrifft die Erneuerung der beweglichen Brückenteile und soll Mitte 2025 ausgeschrieben werden. Die erste Vergabe ist für 2026 vorgesehen.
Umfangreiche Bauarbeiten mit erheblichen Verkehrsfolgen
Mit Beginn der Bauarbeiten rechnet Rijkswaterstaat mit erheblicher Beeinträchtigung des Verkehrsflusses. So müssen die beiden Bögen der Brücke jeweils für zwölf Wochen teilweise gesperrt werden. Noch einschneidender wird die Sanierung der beweglichen Teile, bei der die Fahrbahnen für bis zu 20 Wochen halbiert werden. Es wird in dieser Zeit mit Staus von über einer Stunde rund um Rotterdam gerechnet.
Sicherheitsaspekte und technische Herausforderungen
Die östliche Brückenhälfte stammt aus dem Jahr 1965 und gilt laut Rijkswaterstaat als „am Ende ihrer Lebensdauer“. Erste feine Risse und Materialermüdungen sind feststellbar. Obwohl die Brücke weiterhin sicher ist, wird sie bereits intensiv gewartet. Laut Rijkswaterstaat besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für ungeplante Reparaturen, Betriebsstörungen und temporäre Verkehrsmaßnahmen wie Tempolimits oder Spurensperrungen.
Politischer und finanzieller Druck steigt
Das Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft (IenW) steht angesichts der Kostenexplosion unter zusätzlichem Druck, da das Projekt Teil einer der größten Instandhaltungsoffensiven in der Geschichte der niederländischen Infrastruktur ist. Wie De Telegraaf berichtet, geht das Ministerium nun deutlich vorsichtiger an Großprojekte heran und prüft die Auswahl von Vertragsformen intensiver.
Hoffnung auf langlebige Lösung
Trotz aller Herausforderungen sieht Rijkswaterstaat die langfristigen Vorteile im Vordergrund. Nach Abschluss der Renovierung soll die Brücke weitere 100 Jahre nutzbar sein. Die Erneuerung wird nicht nur als notwendige Maßnahme, sondern auch als technisch spektakuläres Ereignis wahrgenommen – etwa wenn komplette Bögen per Schiff abtransportiert werden.
Verkehrsinformationen
- Rijkswaterstaat: https://www.rijkswaterstaat.nl/
- Rijkswaterstaat Verkehrsinformationen: https://rwsverkeersinfo.nl/ / https://x.com/rwsverkeersinfo
- ANWB Verkehrsinformationen: https://www.anwb.nl/verkeer
In eigener Sache

Bitte unterstütze uns
Unsere Aktivitäten und diese Webseite bieten wir kostenlos an. Wir tun dies gerne und freiwillig. Um unseren Service weiterhin anbieten zu können, schalten wir Werbung und nutzen Affiliate-Links. Deine Unterstützung, sei es durch Mitarbeit oder eine Spende in Höhe einer Tasse Kaffee über PayPal, ist uns sehr willkommen und hilft uns enorm.
Vielen Dank dafür!
Kommentare
Einen Kommentar schreiben