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PFAS im Trinkwasser: Richtwert häufig überschritten

| von Redaktion

Archivbild | Quelle: HOLLAND.guide
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NIEDERLANDE · Im Trinkwasser von mehr als einem Drittel der niederländischen Bevölkerung liegen die gemessenen PFAS-Werte nach einer Auswertung von Greenpeace über dem strengeren gesundheitlichen Richtwert des Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu (RIVM). Besonders betroffen sind Teile des Westens, wo dieser Wert teils um mehr als das Dreifache überschritten wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Wasser gegen die gesetzlichen Qualitätsanforderungen verstößt: Nach Angaben des RIVM erfüllt niederländisches Trinkwasser die geltenden gesetzlichen PFAS-Grenzwerte. Das Institut und der Branchenverband Vewin raten deshalb weiterhin dazu, Leitungswasser zu trinken.

Grundlage der aktuellen Diskussion ist eine Auswertung von Greenpeace auf Basis von Daten der zehn niederländischen Trinkwasserunternehmen. Die Umweltorganisation hat die Messwerte nach Postleitzahlgebieten aufbereitet und mit dem gesundheitlichen Richtwert des RIVM verglichen. Dabei zeigt sich ein deutliches regionales Gefälle. Vor allem in Noord-Holland und anderen Teilen des Westens werden höhere Konzentrationen gemessen. Rund um Zaandam und IJmuiden liegt der von Greenpeace errechnete Wert bei mehr als dem Dreifachen des RIVM-Richtwerts, rund um Alkmaar und Den Helder beim Zweieinhalbfachen und in Amsterdam bei mehr als dem Doppelten.

Zu den größeren Gemeinden mit Werten oberhalb des Richtwerts zählen außerdem Haarlem, Haarlemmermeer, Den Haag, Zoetermeer, Leiden, Rotterdam, Westland und Dordrecht. Auch außerhalb des Westens gibt es Auffälligkeiten. In Dronten wurden zwischen 4,4 und 6,6 Nanogramm PFAS pro Liter gemessen. Nach Angaben des Trinkwasserunternehmens Vitens hängt dies mit der Wassergewinnung zusammen: Das dort aufbereitete Wasser besteht aus einer Mischung aus Grundwasser der Veluwe und Uferwasser aus dem Veluwemeer. Das Oberflächenwasser enthält mehr PFAS. Vitens betont zugleich, dass die gemessene Konzentration deutlich unter der gesetzlichen Grenze liegt.

Richtwert und gesetzlicher Grenzwert sind nicht dasselbe

Für die Bewertung der Zahlen ist die Unterscheidung zwischen gesetzlicher Qualitätsanforderung und gesundheitlichem Richtwert entscheidend. Nach Angaben des RIVM beträgt die gesetzlich zulässige Menge für 20 verschiedene PFAS im Trinkwasser 100 Nanogramm pro Liter. Das niederländische Trinkwasser erfüllt diese Vorgabe.

Das RIVM empfiehlt aufgrund neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse jedoch einen wesentlich strengeren Wert von 4,4 Nanogramm pro Liter, ausgedrückt als PFOA-Äquivalente. Hintergrund ist unter anderem die Erkenntnis, dass PFAS bereits bei sehr geringer Belastung nachteilige Auswirkungen auf das Immunsystem haben können.

Für die Bewertung von PFAS-Gemischen verwendet das Institut die sogenannte RPF-Methode. Dabei wird die Wirkung verschiedener PFAS mit PFOA als Referenz verglichen. Die einzelnen Konzentrationen werden anhand ihrer relativen Potenz in PFOA-Äquivalente umgerechnet und anschließend zusammen betrachtet.

RIVM: Leitungswasser weiter trinken

Das RIVM hat 2023 berechnet, wie viel PFAS Menschen in den Niederlanden durchschnittlich über Lebensmittel und Trinkwasser aufnehmen. Über Lebensmittel gelangt demnach etwa dreimal so viel PFAS in den Körper wie über Trinkwasser. Betrachtet man das Trinkwasser allein, liegt die durchschnittliche Aufnahme unter der gesundheitlichen Grenze. Lebensmittel und Trinkwasser zusammen führen dagegen zu einer Aufnahme oberhalb dieser Grenze.

Eine langfristige Aufnahme oberhalb der gesundheitlichen Grenze kann nach Angaben des RIVM gesundheitsschädlich sein. Dennoch gibt es derzeit keine Empfehlung, auf Leitungswasser zu verzichten. Sowohl das RIVM als auch der Verband der Trinkwasserunternehmen Vewin empfehlen weiterhin, Wasser aus dem Hahn zu trinken. Greenpeace weist in seiner Veröffentlichung ebenfalls auf diese Empfehlung hin.

Grundwasser enthält weniger PFAS

Wie hoch die Belastung des Trinkwassers ist, hängt auch von dessen Herkunft ab. Rund 60 Prozent des niederländischen Trinkwassers werden nach Angaben des RIVM aus Grundwasser gewonnen. Darin befinden sich im Allgemeinen weniger PFAS als in Trinkwasser, das aus Oberflächenwasser hergestellt wird.

Das Beispiel Dronten zeigt den Unterschied. Dort gewinnt Vitens Wasser aus dem Boden, das sowohl aus Grundwasser der Veluwe als auch aus eingedrungenem Wasser des Veluwemeers besteht. Dieses Oberflächenwasser enthält nach Angaben des Unternehmens mehr PFAS. Beim Versickern wird es bereits teilweise durch den Boden gefiltert. PFAS lassen sich jedoch nur schwer entfernen, weshalb die Werte in Dronten höher liegen als in anderen Teilen Flevolands.

Schiedam fordert Aufklärung

In Schiedam hat die Veröffentlichung inzwischen politische Reaktionen ausgelöst. Greenpeace ordnet die gesamte Gemeinde mit ihren mehr als 82.000 Einwohnern der Kategorie „dunkelrot“ zu. Diese Einstufung verwendet die Organisation bei Werten von mehr als 6,6 Nanogramm pro Liter und damit mindestens dem Eineinhalbfachen des gesundheitlichen RIVM-Richtwerts.

Die Ratsmitglieder Furkan Kondu von Denk und Yorick Haan von PRO Schiedam haben nach einem Bericht des AD schriftliche Fragen angekündigt. Sie wollen unter anderem wissen, welche PFAS-Konzentrationen zuletzt gemessen wurden und ob die Belastung des Trinkwassers beziehungsweise seiner Quellen in den vergangenen Jahren gestiegen oder gesunken ist.

Auch dort bleibt die Unterscheidung wichtig: Die von Greenpeace verwendete dunkelrote Kennzeichnung bedeutet nicht, dass der gesetzliche Grenzwert überschritten ist oder Einwohner kein Leitungswasser mehr trinken sollen. Sie kennzeichnet eine Überschreitung des strengeren gesundheitlichen Richtwerts des RIVM.

PFAS gelangen über mehrere Wege in die Umwelt

PFAS ist eine Sammelbezeichnung für Tausende chemische Stoffe. Sie bauen sich nur sehr schwer ab und können sich deshalb langfristig in der Umwelt verbreiten. Menschen nehmen PFAS unter anderem über Lebensmittel und Trinkwasser auf.

Das RIVM nennt als mögliche Maßnahmen eine möglichst weitgehende Reinigung durch die Trinkwasserunternehmen, strengere Regeln zur Verringerung der PFAS-Emissionen, die Arbeit an europäischen Beschränkungen für Herstellung, Verwendung und Verkauf sowie Forschung an besseren Verfahren zur Entfernung der Stoffe aus Wasser.

Für die Trinkwasserversorgung spielt dabei auch die Qualität von Flüssen und anderen Wasserquellen eine Rolle. Je weniger PFAS und andere chemische Stoffe in Oberflächengewässer gelangen, desto geringer ist der Aufwand für die Trinkwasserunternehmen, diese bei der Aufbereitung wieder zu entfernen.

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