Pendler droht heute das Chaos
| von Redaktion
UTRECHT · Ein schwieriger Reisetag steht Millionen Fahrgästen in den Niederlanden bevor. Eine landesweite Streikaktion im öffentlichen Nah- und Fernverkehr trifft am Mittwochmorgen auf extreme Hitze mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad. Zwischen 04.00 und 08.00 Uhr fahren landesweit nahezu keine Züge, Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen. Auch nach Ende des Ausstands rechnen Verkehrsunternehmen mit erheblichen Anlaufproblemen, Verspätungen und Ausfällen bis weit in den Vormittag hinein. Gleichzeitig gilt ab Mittag für große Teile des Landes die Warnstufe Orange des KNMI wegen extremer Hitze. Die Nederlandse Spoorwegen (NS) haben bereits ihren Fahrplan auf mehreren Strecken reduziert, um hitzebedingte Störungen zu begrenzen. Damit treffen zwei außergewöhnliche Belastungen des Verkehrssystems an einem Tag zusammen. Für viele Pendler dürfte der Arbeitsweg daher deutlich länger und komplizierter werden als üblich.
Wer heute auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, muss sich auf erhebliche Einschränkungen einstellen. Die Gewerkschaften FNV und CNV haben Beschäftigte im Bahn-, Metro- und Straßenbahnverkehr dazu aufgerufen, bis 08.00 Uhr die Arbeit niederzulegen. Hintergrund sind Proteste gegen Sparpläne der Regierung im Bereich der sozialen Sicherung. In den frühen Morgenstunden kommt der öffentliche Verkehr deshalb nahezu vollständig zum Erliegen. Nach Angaben der NS verkehren lediglich einige wenige Sprinter-Verbindungen im Umfeld des Flughafens Schiphol. Auch internationale Verbindungen sind nur eingeschränkt betroffen.
So fahren die Airportsprinter zwischen Amsterdam Centraal und Schiphol sowie die Eurostar-Züge nach London und Paris weiter. Für die meisten Reisenden endet die Beeinträchtigung jedoch nicht um 08.00 Uhr. Sowohl die NS als auch regionale und städtische Verkehrsbetriebe weisen darauf hin, dass die Wiederaufnahme des Betriebs Zeit benötigt. Fahrzeuge und Personal müssen erneut in Umläufe gebracht werden, wodurch es auch später am Morgen zu Ausfällen und Verzögerungen kommen kann. Das GVB in Amsterdam und die RET in Rotterdam beginnen ihren regulären Betrieb erst nach 08.00 Uhr. Arriva rechnet sogar mindestens bis 09.00 Uhr mit spürbaren Auswirkungen.
Laut AD erwarten die Verkehrsunternehmen, dass sich der Fahrplan vielerorts erst gegen 10.00 oder 11.00 Uhr wieder weitgehend normalisiert. Zusätzlich werden die Züge der NS aufgrund des Streiks nicht gereinigt. Auch Busunternehmen wie Connexxion können derzeit nicht abschätzen, wie viele Beschäftigte tatsächlich an der Arbeitsniederlegung teilnehmen werden. Für Fahrgäste bedeutet dies eine hohe Unsicherheit bei der Reiseplanung. Viele Pendler dürften deshalb kurzfristig auf andere Verkehrsmittel ausweichen oder ihre Reise verschieben.
Hitze verschärft die Lage zusätzlich
Neben dem Streik stellt die Wetterlage die Verkehrsunternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Für Mittwoch werden örtlich Temperaturen von bis zu 35 Grad erwartet. Bereits seit mehreren Tagen bereiten sich NS und ProRail auf die außergewöhnliche Belastung durch die Hitze vor. Hohe Temperaturen können sowohl Züge als auch die Infrastruktur beeinträchtigen. Besonders kritisch sind lang anhaltende warme Nächte. Können Fahrzeuge nicht ausreichend abkühlen, steigt das Risiko technischer Defekte deutlich an.
Nach Angaben der NS gehören Klimaanlagen zu den empfindlichsten Komponenten. In Doppelstockzügen sind jeweils mehrere Klimaanlagen verbaut. Fällt eine Anlage aus, kann der Zug zunächst weiterfahren. Kommt es jedoch zu weiteren Ausfällen, muss das Fahrzeug aus dem Verkehr gezogen und gewartet werden. Auch Probleme an elektrischen Antriebssystemen sowie an Stromumrichtern können bei großer Hitze auftreten. Gerade Doppelstockzüge gelten wegen ihres Gewichts und ihrer technischen Ausstattung als besonders anfällig.
Reduzierter Fahrplan auf mehreren Strecken
Um Ausfälle möglichst zu vermeiden, haben die NS bereits vor Beginn der Hitzewelle ihren Fahrplan angepasst. Auf mehreren wichtigen Verbindungen verkehren weniger Züge als üblich. Betroffen sind die Strecken Rotterdam über Leiden nach Schiphol, Arnhem über Utrecht nach Schiphol, Den Haag Centraal nach Amsterdam, Alkmaar nach Sittard, Rotterdam nach Utrecht sowie am Mittwoch zusätzlich die Verbindung Bergen op Zoom nach Zwolle.
Die Bahngesellschaft überwacht ihre Fahrzeuge während der Hitzetage besonders intensiv. Züge mit technischen Problemen werden bevorzugt aus dem Fahrplan genommen und schnellstmöglich repariert. Anschließend sollen sie mit Priorität wieder in den Betrieb zurückkehren. Auch ProRail hat zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um Störungen an Weichen, Signalen und weiteren Anlagen möglichst frühzeitig zu erkennen.
Reisende sollen Wasser mitnehmen
NS empfiehlt allen Fahrgästen, vor Reisebeginn die aktuelle Reiseplanung zu prüfen. Wegen der Kombination aus Streikfolgen, Fahrplananpassungen und möglichen technischen Störungen können sich Verbindungen kurzfristig ändern. Reisende sollten außerdem ausreichend Wasser mitnehmen. Auf mehr als 250 Bahnhöfen stehen kostenlose Trinkwasserstationen zur Verfügung. Darüber hinaus wird nach Angaben der NS an zahlreichen Bahnhofsgeschäften zusätzlich Trinkwasser angeboten.
Für den Fall, dass ein Zug aufgrund technischer Probleme liegen bleibt, führen die Einsatzkräfte von ProRail ebenfalls Trinkwasser mit. Die Bahngesellschaft betont, dass die Versorgung der Fahrgäste bei hohen Temperaturen besondere Aufmerksamkeit erfordert.
Mehr Verkehr auf den Straßen erwartet
Viele Pendler werden aufgrund der Einschränkungen im öffentlichen Verkehr auf das Auto umsteigen. Dennoch rechnet der ANWB nicht mit einer außergewöhnlichen Verkehrslawine. Nach Angaben des Automobilclubs hat die Verkehrsdichte in den vergangenen Wochen bereits etwas abgenommen, da zahlreiche Menschen ohne schulpflichtige Kinder schon in den Urlaub gestartet sind.
Trotzdem bereitet sich der ANWB auf einen arbeitsreichen Tag vor. Die hohen Temperaturen führen regelmäßig zu einer erhöhten Zahl von Pannen. Defekte Batterien, überhitzte Reifen und andere technische Probleme treten bei extremer Hitze häufiger auf. Auch Rijkswaterstaat empfiehlt Autofahrern, ausreichend Trinkwasser mitzunehmen und die aktuelle Verkehrslage aufmerksam zu verfolgen. Wer die Möglichkeit hat, sollte seine Reise verschieben oder von zu Hause aus arbeiten.
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