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Paulien Cornelisse mit 50 Jahren gestorben

| von Redaktion

Paulien Cornelisse im Dezember 2015 in Ternat. | Foto: Dirk Annemans / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Paulien Cornelisse im Dezember 2015 in Ternat. | Foto: Dirk Annemans / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

AMSTERDAM · Die niederländische Schriftstellerin, Kabarettistin und Sprachbeobachterin Paulien Cornelisse ist am Mittwoch im Alter von 50 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Sie starb im Antoni van Leeuwenhoek-Krankenhaus in Amsterdam im Beisein ihrer Angehörigen. Cornelisse wurde einem breiten Publikum mit ihrem Bestseller „Taal is zeg maar echt mijn ding“, ihren Theaterprogrammen, Kolumnen und zuletzt als Jurorin der Fernsehsendung „De slimste mens“ bekannt. Ihre besondere Aufmerksamkeit galt der niederländischen Sprache, alltäglichen Formulierungen und menschlichen Gewohnheiten. Ihr Tod löste in den Niederlanden zahlreiche Reaktionen aus. Kollegen, Verlage, Medien und Weggefährten würdigten vor allem ihren Humor, ihre genaue Beobachtungsgabe und ihre besondere Art, scheinbar Nebensächliches in den Mittelpunkt zu stellen.

Bei Paulien Cornelisse war 2024 eine Krebserkrankung bekannt geworden. In der vergangenen Zeit erhielt sie eine Chemotherapie, blieb jedoch weiterhin beruflich aktiv. Noch im aktuellen Fernsehprogramm war sie regelmäßig als Jurorin von „De slimste mens“ zu sehen. Zum Beginn der neuen Staffel hatte Cornelisse offen darüber gesprochen, dass ihr Gesundheitszustand von Tag zu Tag unterschiedlich sei. Wegen der Behandlung hatte sie ihre Haare verloren und erschien in der Sendung mit Mützen, Hüten oder Kappen. Eine Perücke wollte sie nach eigenen Angaben nicht tragen. Trotz ihrer Erkrankung plante sie weiterhin neue Auftritte. Mit „Waar was ik gebleven“ hatte sie eine neue Bühnenshow vorbereitet.

Erst am Mittwoch, wenige Stunden vor Bekanntwerden ihres Todes, wurde mitgeteilt, dass geplante Vorstellungen im Amsterdamer DeLaMar wegen ihres Gesundheitszustands nicht stattfinden würden. Bereits 2024 hatte sie aus gesundheitlichen Gründen eine Theatertournee absagen müssen. Bis kurz vor ihrem Tod schrieb Cornelisse zudem weiterhin Kolumnen. Noch etwas mehr als eine Woche zuvor erschien ein Text von ihr in de Volkskrant, der während eines Krankenhausaufenthalts entstand. Auch dort stellte sie nicht ihre Erkrankung in den Mittelpunkt, sondern beschäftigte sich mit der niederländischen Redewendung „op apegapen liggen“. Diese Konzentration auf scheinbar beiläufige Wörter und alltägliche Situationen gehörte über viele Jahre zu den charakteristischen Elementen ihrer Arbeit.


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Durchbruch mit niederländischer Alltagssprache

Cornelisse machte sich zunächst als Kabarettistin und Kolumnistin einen Namen. Sie trat unter anderem im Cabaretduo ROTS mit Irene van der Aart auf und war Teil der Comedytrain. 2007 erreichte sie beim Leids Cabaret Festival den zweiten Platz. Ihre erste abendfüllende Vorstellung „Dagbraken“ wurde später mit dem Kabarettpreis Neerlands Hoop ausgezeichnet.

Den großen Durchbruch als Autorin erreichte sie 2009 mit „Taal is zeg maar echt mijn ding“. Das Buch beschäftigte sich mit modernem niederländischem Sprachgebrauch, Redewendungen, Füllwörtern und sprachlichen Gewohnheiten. Es wurden davon rund 700.000 Exemplare verkauft. Später wurde das Buch verfilmt.

Weitere Bücher folgten, darunter „En dan nog iets“, „Taal voor de leuk“ sowie „De verwarde cavia“. In letzterem versetzte Cornelisse ein Meerschweinchen in die niederländische Bürowelt und nahm dort typische Formulierungen und Umgangsformen unter die Lupe. 2024 erschien mit „De verwarde cavia - Terug op kantoor“ eine Fortsetzung. Für dieses Buch erhielt sie 2025 den NS Publieksprijs.

Auch das Boekenweekessay 2025 stammte von Cornelisse. In „Hèhè - Over wat we zeggen zonder dat we het doorhebben“ beschäftigte sie sich erneut mit häufig verwendeten niederländischen Wörtern und Formulierungen. Das Essay war nach Angaben der Bücherorganisation CPNB bereits am zweiten Tag vollständig ausverkauft. Die Organisation bezeichnete dies als ein außergewöhnliches Ereignis in der Geschichte der Boekenweek.

Kolumnen, Fernsehen und Japan

Über viele Jahre schrieb Cornelisse Kolumnen. Zunächst erschienen ihre Texte bei NRC und nrc.next, später schrieb sie für de Volkskrant. Ihr Blick richtete sich dabei häufig auf kleine sprachliche oder soziale Situationen, Missverständnisse und Verhaltensweisen.

Auch das Fernsehen wurde zu einem wichtigen Teil ihrer Arbeit. Bereits 2013 gewann sie die niederländische Ausgabe von „Wie is de Mol?“. Später präsentierte sie die Dokumentarserie „Tokidoki“, in der sie sich mit Japan beschäftigte. Das Land kannte sie auch aus eigener Erfahrung, nachdem sie während ihres Studiums einige Zeit an der Universität Hiroshima verbracht hatte.

Seit 2025 war Cornelisse gemeinsam mit Moderator Herman van der Zandt bei „De slimste mens“ zu sehen. Sie hatte dort Maarten van Rossem als Jurorin abgelöst und kommentierte Fragen und Themen mit ihrem eigenen sprachlichen und oftmals absurden Blick. Die für Mittwochabend geplante Ausgabe der Sendung wurde nach ihrem Tod in Abstimmung mit ihrer Familie nicht ausgestrahlt.

Kollegen reagieren mit großer Trauer

Zahlreiche Kollegen und Weggefährten reagierten am Mittwoch auf den Tod Cornelisses. Herman van der Zandt erklärte, er sei unglaublich traurig. Er erinnerte sie als liebenswert, humorvoll und selbst zwischen ihren Behandlungen als ausgesprochen energiegeladen.

Auch das Team von „De slimste mens“ zeigte sich tief getroffen. Nach Angaben von Endredakteur Harm Jan Kinkhorst hatte Cornelisse trotz ihrer Erkrankung voller Energie und Zuversicht an den Aufzeichnungen mitgearbeitet. Die jüngsten Aufnahmen fanden zwischen Mai und Juni statt.

Die Schauspielerin und Autorin Maike Meijer würdigte Cornelisse am Mittwochabend in der Fernsehsendung „Eva“. Sie hob besonders deren Fähigkeit hervor, kleine Details wahrzunehmen und mit Worten groß werden zu lassen. Moderatorin Eva Jinek wurde während der Sendung sichtbar emotional.

Auch aus der Literaturwelt kamen zahlreiche Reaktionen. Die CPNB erklärte, von Cornelisses Tod tief getroffen zu sein. De Volkskrant-Chefredakteur Pieter Klok bezeichnete ihren Tod gegenüber der NOS als Verlust für die Niederlande. Cornelisse habe der Zeitung mit ihren Texten einen originellen und leichten Ton gegeben.

Sprache blieb bis zuletzt ihr Thema

Selbst während ihrer Behandlung blieb Sprache der zentrale Gegenstand von Cornelisses Arbeit. Über ihre Erkrankung selbst schrieb sie vergleichsweise wenig. Gegenüber NU.nl wird von ihr der Grundsatz wiedergegeben, eine solche Erfahrung besser aus der Perspektive einer Narbe als aus der einer noch offenen Wunde zu erzählen.

Stattdessen beobachtete sie weiterhin Wörter und Formulierungen, die andere Menschen im Alltag kaum bewusst wahrnehmen. Sie beschäftigte sich mit Füllwörtern, Büroformulierungen, gesellschaftlichen Umgangsformen und kleinen sprachlichen Besonderheiten. 2025 erhielt sie für ihre Arbeit vom Radio-1-Programm „De Taalstaat“ den Titel Taalstaatmeester.

Noch beim Start der jüngsten Staffel von „De slimste mens“ sprach Cornelisse über die Freude, trotz ihrer gesundheitlichen Situation bei der Sendung dabei sein zu können. Ihr Tod kam für viele Zuschauer und Kollegen dennoch unerwartet, weil sie bis zuletzt öffentlich aktiv geblieben war.

Paulien Cornelisse hinterlässt ihren Partner Chris Bajema, einen gemeinsamen Sohn sowie zwei Stiefsöhne.


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