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Overasselt: Haus dicht, 34 Verdächtige festgenommen

| von Redaktion

Archivbild | Quelle: HOLLAND.guide
Archivbild | Quelle: HOLLAND.guide

OVERASSELT · Nach dem tödlichen Schusswaffenvorfall vom Dienstag hat Bürgermeister Joerie Minses das Anwesen an der Ewijkseweg mit sofortiger Wirkung für ein Jahr schließen lassen. Das Gebäude und das Grundstück wurden nach Abschluss der polizeilichen Untersuchungen versiegelt. Gegen einen Bewohner gilt zudem für zunächst zwei Wochen ein Aufenthaltsverbot für das gesamte Gemeindegebiet von Heumen. An der Ewijkseweg sollen kurzfristig Kameras aufgestellt werden. Die Polizei setzt ihre Ermittlungen fort, untersucht weitere gefundene Waffen und bereitet die Vorführung von 34 Verdächtigen vor. Die Lage bleibt Gegenstand eines groß angelegten Ermittlungsverfahrens unter Leitung von Polizei und Openbaar Ministerie (OM).

Bei dem Schusswaffenvorfall am Dienstagmorgen kam ein 51 Jahre alter Mann aus Wijchen ums Leben, zwei Polizeibeamte wurden verletzt. Seit Dienstagabend war die Mobiele Eenheid in und um Overasselt eingesetzt, um das Gebiet erneut nach möglichen Beweismitteln abzusuchen. Diese großflächige Suche ist inzwischen abgeschlossen. Weitere Ermittlungsmaßnahmen sollen jedoch auch in den kommenden Tagen stattfinden. Parallel durchsuchte die Polizei das Anwesen an der Ewijkseweg, führte dort Spurensicherungen durch und vernahm Zeugen. Auch diese Arbeiten sind beendet, die Ergebnisse werden nun vom Ermittlungsteam ausgewertet. Am Mittwoch wurden mehrere Waffen gefunden, sowohl im untersuchten Gebiet als auch außerhalb. In Wijchen führte unter anderem der Hinweis eines Bürgers zu einem Fund. Am Donnerstag meldete die Polizei weitere Waffenfunde, ohne deren genaue Fundorte zu nennen.

Sämtliche sichergestellten Gegenstände werden darauf geprüft, ob sie mit dem Schusswaffenvorfall in Verbindung stehen. Einen solchen Zusammenhang hat die Polizei bislang nicht bestätigt. Zugleich schließt sie nicht aus, dass an anderen Orten noch Gegenstände oder wichtige Spuren liegen, die bisher nicht entdeckt wurden. Der Aufruf bleibt deshalb bestehen, verdächtige Gegenstände, Situationen oder Personen sofort über 112 zu melden. Bei der Zahl der Festgenommenen gab es am Donnerstag eine Korrektur: Zunächst waren 34 Personen gemeldet worden, später sprach die Polizei von einem 35. Verdächtigen. Am Donnerstagabend korrigierte sie diese Angabe wieder auf 34, wie das AD berichtete. Die Festnahmen erfolgten innerhalb und außerhalb Overasselts. Für jeden Verdächtigen wird nun einzeln geprüft, welcher Verdacht besteht und welche mögliche Rolle die Person bei den Ereignissen gespielt haben könnte. Das Verfahren wird von einem Team Grootschalige Opsporing unter Leitung des Openbaar Ministerie geführt.

Ein Jahr Schließung ist das rechtliche Maximum

Nach Abschluss der polizeilichen Arbeiten ließ die Gemeinde das Gebäude und das Grundstück an der Ewijkseweg absperren und versiegeln. NOS berichtete, dass die Gemeinde beim Schließen des Anwesens keine Bewohner mehr im Haus antraf. Sie geht deshalb davon aus, dass diese selbst eine andere Unterkunft gefunden haben. Wo sie sich derzeit aufhalten, ist nicht bekannt.

Bei einem Pressetermin erläuterte Bürgermeister Joerie Minses zugleich die rechtlichen Grenzen seines Vorgehens. Eine dauerhafte Schließung sei nicht möglich und die angeordneten zwölf Monate stellten die maximale rechtliche Möglichkeit dar. Minses bezeichnete die Dauer als deutlich und angemessen, machte aber zugleich klar, dass er gern weitergehende Möglichkeiten gehabt hätte. Die aktuelle Anordnung ist bereits die vierte Schließung des Anwesens an der Ewijkseweg.

Zusätzlich gilt seit Mittwoch gegen einen Bewohner der Adresse eine Notanordnung des Bürgermeisters. Sie untersagt dieser Person zunächst für zwei Wochen den Aufenthalt im gesamten Gebiet der Gemeinde Heumen. Außerdem sollen kurzfristig Kameras an der Ewijkseweg installiert werden. Minses erklärte, er wolle mit diesen Maßnahmen möglichst viel Ruhe zurückbringen und die öffentliche Ordnung wiederherstellen. Er räumte zugleich ein, dass dadurch das Sicherheitsgefühl der Einwohner nicht sofort zurückkehren werde.

Verdächtige sollen am Freitag vorgeführt werden

Für Freitag, den 4. September, ist die Vorführung der Verdächtigen vorgesehen. Der Untersuchungsrichter muss dann für jede Person entscheiden, ob sie für weitere zwei Wochen festgehalten werden darf. Das Openbaar Ministerie Oost-Nederland kündigte an, anschließend die Zahl der Vorführungen bekanntzugeben. Soweit es die geltenden Beschränkungen zulassen, sollen dann auch weitere Angaben zu den Verdachtsvorwürfen sowie zu Alter, Wohnort oder Nationalität veröffentlicht werden.

Derzeit stehen die Festgenommenen unter besonderen Beschränkungen. Das OM hält sich deshalb mit Einzelheiten zurück. Zur Altersstruktur hatte die Polizei bereits mitgeteilt, dass es sich überwiegend um Menschen in ihren Zwanzigern handelt. Auch einige Jugendliche befinden sich unter den Verdächtigen, daneben gibt es ältere Personen. Genaue Altersangaben wurden zunächst nicht veröffentlicht. Zuvor hatte die Polizei angegeben, dass sich unter den Festgenommenen Niederländer, Franzosen, Belgier und Algerier befinden.

Entscheidend ist nach Angaben der Ermittler nun die individuelle Prüfung. Für jede Person wird festgestellt, welche mögliche Beteiligung vorliegt und welcher konkrete Verdacht daraus folgt. Erst auf dieser Grundlage wird entschieden, wer dem Untersuchungsrichter vorgeführt wird.

Onlineaufnahmen sind Teil der Ermittlungen

Neben den Spuren, Waffenfunden und Vernehmungen untersucht das Ermittlungsteam auch den Hintergrund des Vorfalls und dessen Anlass. Seit Mittwoch verbreiten sich online Aufnahmen, auf denen bewaffnete Männer zu sehen sind und verschiedene Äußerungen machen. Die Polizei hat bestätigt, dass dieses Material in die Ermittlungen einbezogen wird.

Weitere Angaben zum Inhalt der Aufnahmen, zu den abgebildeten Personen oder zu einem möglichen Zusammenhang mit dem Geschehen in Overasselt veröffentlichte die Polizei bislang nicht. Auch zu den Ergebnissen der Durchsuchung des Anwesens an der Ewijkseweg macht das Ermittlungsteam derzeit keine inhaltlichen Angaben.

Polizeikameras am Haus des Bürgermeisters

Am Donnerstag sprach Bürgermeister Minses persönlich mit mehreren Einwohnern von Overasselt. Einige hätten ihn nach dem Gewaltereignis gern früher vor Ort gesehen. Minses erklärte, er habe bereits telefonisch mit direkten Anwohnern gesprochen, ein persönliches Zusammentreffen sei zuvor aber nicht möglich gewesen. Zu den Gründen wollte er keine näheren Angaben machen und verwies lediglich darauf, dass es dafür Gründe gebe.

Bei dem Pressetermin wurde zugleich bekannt, dass am Wohnhaus des Bürgermeisters Polizeikameras angebracht sind. Auf die Frage, ob sie erst vor Kurzem installiert worden seien, nannte Minses keinen Zeitpunkt. Zu seinen persönlichen Sicherheitsmaßnahmen wollte er keine weiteren Angaben machen.

Für Overasselt kündigte die Polizei an, nach Abschluss der intensiven Suchmaßnahmen wieder etwas herunterzufahren. Vorerst soll jedoch mehr Polizei als üblich in und um den Ort präsent bleiben. Die Gemeinde erklärte zudem, in der kommenden Zeit offene Fragen so weit wie möglich beantworten zu wollen.

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