Overasselt: Gruppe soll Tötungsauftrag erhalten haben
| von Redaktion
OVERASSELT · Die Ermittlungen nach dem tödlichen Schusswaffenangriff vom 1. September verdichten sich. Nach Angaben von De Gelderlander, die sich auf De Telegraaf beruft, sollen drei französische Verdächtige ausgesagt haben, dass die Gruppe vor der Tat den ausdrücklichen Auftrag erhalten habe, alle Menschen auf dem Anwesen von Jan G. zu töten. Genannt worden seien ausdrücklich auch möglicherweise anwesende Kinder, Eltern oder Großeltern. Zugleich sollen die Ermittler die beiden Männer identifiziert haben, die den 51-jährigen Sicherheitsmann an der Zufahrt erschossen haben. Die Polizei bestätigte diese Identifizierung gegenüber RTL Nieuws zunächst nicht. Offiziell steht fest, dass 32 Verdächtige in Untersuchungshaft bleiben und das Strafverfahren wegen schwerster Gewaltdelikte weiterläuft.
Nach dem Bericht von De Gelderlander sollen die beiden mutmaßlichen Schützen anhand von Zeugenaussagen, forensischen Beweisen und Kameraaufnahmen identifiziert worden sein. Auf den Bildern ist demnach eine Gruppe von mehr als 30 maskierten und bewaffneten Männern zu sehen, die sich dem Tor des Grundstücks nähert. Zwei Männer eröffnen dort das Feuer auf den 51-jährigen Sicherheitsmann. Die beiden sollen wegen Mordes beziehungsweise Totschlags verdächtigt werden. Auch gegen die übrigen Mitglieder der Gruppe richtet sich ein entsprechender Verdacht, obwohl der größte Teil von ihnen nicht selbst geschossen haben soll.
Zusätzliche Erkenntnisse sollen aus Aussagen von drei französischen Verdächtigen stammen. Sie hätten angegeben, sich in der Nacht vor dem Angriff in einer Lagerhalle in Belgien mit anderen Beteiligten getroffen zu haben. Dort habe die Gruppe die Anweisung erhalten, alle Menschen auf dem Anwesen von Jan G. zu töten. Die Anweisung habe auch mögliche anwesende Kinder, Eltern oder Großeltern umfasst. Den Anführern der Gruppe seien anschließend schwere automatische Waffen ausgehändigt worden, die übrigen Beteiligten hätten Pistolen erhalten. Diese Angaben stammen bislang aus Medienberichten. Eine offizielle Bestätigung der Identität der beiden mutmaßlichen Schützen lag in den bereitgestellten Mitteilungen von Polizei und Openbaar Ministerie nicht vor.
Neue Aufnahmen zeigen weitere Minuten vor den Schüssen
RTL Nieuws veröffentlichte am Sonntag bislang nicht gezeigte Aufnahmen aus Overasselt. Darauf ist zu sehen, wie die bewaffnete Gruppe zunächst aus zwei Kleinbussen steigt und zu einem geparkten Auto geht. Die Männer öffnen eine Tür des Fahrzeugs, lassen es anschließend aber stehen. Einer der Männer weist danach in eine andere Richtung, woraufhin die Gruppe weiterzieht.
Erst danach folgt die bereits bekannte Bildsequenz mit den Schüssen auf den Sicherheitsmann. Die neuen Aufnahmen liegen laut RTL Nieuws in höherer Auflösung vor und zeigen genauer, wie lange sich die Gruppe an dem ersten Auto aufhielt und welche Personen anschließend schossen.
Nach den tödlichen Schüssen läuft die Gruppe wieder in die Richtung zurück, aus der sie gekommen war. An dem zuvor kontrollierten Auto feuert einer der Männer in die Luft und in Richtung der Überwachungskamera. Ob tatsächlich die Kamera getroffen werden sollte, ist nicht geklärt.
OM hält an schweren Tatvorwürfen fest
Das Openbaar Ministerie teilte am 18. September mit, dass 32 Verdächtige weiterhin in Untersuchungshaft bleiben. Ihnen werden der gemeinschaftlich begangene Mord an dem Sicherheitsmann, das Schießen auf Polizeibeamte als versuchter gemeinschaftlicher Mord, die Vorbereitung von Gewaltdelikten sowie der Besitz von Schusswaffen vorgeworfen.
Nach Angaben des OM können alle 32 Verdächtigen mit einem Tatort in Overasselt, mit Schusswaffen und beziehungsweise oder mit der Vorbereitung der Gewalt in Verbindung gebracht werden. Ein 22-jähriger Belgier wurde nicht der zuständigen Kammer des Gerichts vorgeführt und soll freigelassen werden. Nach den vorläufigen Ermittlungsergebnissen war er nachweislich an keinem Tatort und hatte keine Schusswaffe bei sich. Für eine Beteiligung an dem Vorfall seien bislang nicht genügend Hinweise gefunden worden. Er bleibt dennoch Verdächtiger.
Unter den Beschuldigten befinden sich Männer aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Das OM geht davon aus, dass allein die Untersuchung der zahlreichen Spuren und Schusswaffen noch Monate dauern wird. Weitere Festnahmen werden nicht ausgeschlossen.
Weiterer Verdächtiger aus Belgien überstellt
Die Polizei meldete am 18. September zudem die Festnahme eines weiteren 23-jährigen Niederländers. Er war bereits am 9. September in Belgien festgenommen worden und wurde anschließend an die Niederlande überstellt. Ihm wird eine Beteiligung an den Ereignissen in Overasselt vorgeworfen. Der Untersuchungsrichter verlängerte seine Untersuchungshaft um 14 Tage.
Parallel dazu setzte die Polizei ihre groß angelegten Suchaktionen in und um Overasselt fort. Seit dem Angriff wurden mehrere Waffen gefunden. Noch am 9. September entdeckten Einsatzkräfte Schusswaffen in der Nähe der Grundschule von Overasselt. Sie lagen nicht auf dem Schulgelände selbst und waren nach Angaben der Polizei gut versteckt. Bei späteren Suchaktionen wurden weitere Gegenstände sichergestellt, deren möglicher Zusammenhang mit dem Vorfall untersucht wird. Am 14. September wurden keine weiteren Schusswaffen gefunden.
Jan G. in Deutschland festgenommen
Auch gegen den 28-jährigen Bewohner aus Overasselt, auf dessen Umfeld sich der Angriff richtete, läuft inzwischen ein weiteres Strafverfahren. Die deutsche Polizei nahm ihn am 18. September auf Ersuchen der niederländischen Behörden auf einem Parkplatz an der A44 bei Soest fest. De Gelderlander identifiziert den Mann unter Berufung auf eigene Quellen als Jan G.; Polizei und Openbaar Ministerie bestätigten seinen Namen nicht.
Der 28-Jährige wird verdächtigt, an einem Versuch beteiligt gewesen zu sein, fast 4000 Kilogramm Kokain einzuführen. Die Ladung wurde am 7. September in Containern im französischen Dunkerque entdeckt. Nach offiziellen Angaben handelt es sich konkret um 3857 Kilogramm Kokain. Die Ermittler waren im Zuge eines Verfahrens, das nach der Gewalteskalation in Overasselt begonnen wurde, auf den Mann aufmerksam geworden. Die Niederlande haben seine Überstellung beantragt.
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