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Noch kein Schritt gewandert, aber schon Ausnahmezustand

| letzte Änderung 14.07.2025 08:28 | von Redaktion

Tausende feiern an der Waalkade in Nijmegen | Foto: Holland.guide

NIJMEGEN · Noch bevor am Dienstag der Startschuss für die berühmte Vierdaagse fällt, hat sich die Stadt in eine riesige Partyzone verwandelt. Bereits am Wochenende strömten Hunderttausende zu den Vierdaagsefeesten, der größten kostenlosen Freiluftveranstaltung der Niederlande. Auf über 40 Bühnen wurde gefeiert, getanzt und getrunken – mit prominenten Acts, überraschenden Auftritten und einer Kulisse wie im Festivalrausch. Die Vorfreude auf die eigentliche Wandermarathonwoche ist groß, doch Kritik an Bierpreisen, Wildpinklern und überfüllten Straßen bleibt nicht aus.

Noch läuft niemand, aber alle feiern schon

Noch bevor ein Kilometer gewandert ist, versinkt Nijmegen im Ausnahmezustand. Die Vierdaagsefeesten sind offiziell gestartet – und ziehen jeden Tag bis zu 200.000 Menschen an. Die Stimmung: ausgelassen, tanzfreudig, wetterfest. Wer am Wochenende durch die Innenstadt ging, erlebte Konzerte auf mehr als 40 Bühnen, spontane Dweilbands in den Gassen, rappelvolle Terrassen und Menschenmassen auf dem Weg zur Waalkade. Dort sorgten Acts wie Emma Heesters oder „Effe Serieus“ mit ihrem Sommerhit Baila de Gasolina für Begeisterung. Highlight des Abends: das Feuerwerk „Waal in Vlammen“, das tausende Zuschauer in Ekstase versetzte. Die Waalbrücke wurde zur Kulisse für Selfies und Lichtershows, mit Live-Musik als Soundtrack.

Die Getränkepreise sind, wie überall, hoch. | Foto: Holland.guide

Doch nicht alles glänzt. Die Preise auf den Festen sorgen für Unmut: 3,90 Euro für ein kleines Bier plus einen Euro Pfand für den Plastikbecher. „Es wird ein elitärer Spaß“, klagt ein Besucher laut De Telegraaf. Andere nehmen es mit Humor: „Hundert Euro in zwei Stunden – aber es ist nur einmal im Jahr Vierdaagse!“ Auch Studierende protestieren gegen die strikten Alkoholregeln, etwa gegen das Verbot, am eigenen Hauseingang ein Dosenbier zu trinken. Der Gastronom Bas Neienhuijsen weist die Kritik zurück und verweist auf hohe Kosten: „Wir bezahlen alles selbst – Bühne, Sicherheit, Genehmigungen. Die Stadt unterstützt uns kaum.“

Zwischen Musik, Müll und Missgeschicken

Die Stadtverwaltung reagierte auf das Problem des Wildpinkelns mit einem „Plaspark“ direkt am Bahnhof – inklusive falscher Türen und Bäume, an die man legal urinieren darf. „Endlich mal ganz offiziell gegen eine Tür pinkeln“, witzelte ein Besucher laut de Volkskrant. Doch nicht alle nutzen das Angebot. In Wohngebieten wie Brakkenstein, von Anwohnern auch „Kakkenstein“ genannt, wird in Büsche und Vorgärten gemacht – trotz 250 zusätzlichen Dixi-Toiletten entlang der Strecke. Auch mitten in der Stadt gab es Beschwerden: In einigen Gassen traten Wildpinkler Zäune beiseite, um sich ein ruhiges Plätzchen zu suchen. Ordnungskräfte mussten mehrfach eingreifen.

Abseits der Exzesse bleibt der familiäre Charakter vieler Orte erhalten. Auf dem Stadtseiland wurde getanzt, gegraffitit, geskatet. Bei „Matrixx at the Park“ zeigten sich Partygänger traditionell mit freiem Oberkörper, während Kinder mit Sprühdosen Strände auf Leinwände zauberten. In der Grotestraat wurden zusätzliche Toiletten eingerichtet, und das Reinigungsunternehmen DAR zeigte Präsenz, wenn auch „symbolisch“, wie ein Mitarbeiter zugab: „Ganz sauber wird es eh nie.“

Ein Stadtfest zwischen Volksnähe und Kommerz

Obwohl viele Einheimische die Feiern genießen, wächst bei manchen die Skepsis. Kritisiert werden Kommerzialisierung, Überfüllung und die zunehmend professionelle Festivalstruktur. Wo früher Nachbarschaftsfeste waren, stehen heute Großbühnen mit Sicherheitsdiensten. Laut De Telegraaf muss der Veranstalter auch in diesem Jahr Verluste hinnehmen. Die Finanzierung erfolgt überwiegend durch Gastronomieeinnahmen und spiegelt sich in den Preisen wider.

Doch trotz aller Kritik bleibt die Vierdaagse ein verbindendes Element. Die Vlaggenparade zeigte am Sonntag ein starkes Symbol: Israelis und Palästinenser trugen ihre Fahnen Seite an Seite. Auch Gruppen aus Kanada, Österreich und den Niederlanden trafen sich auf dem Startgelände, um gemeinsam eine Woche des Wanderns und Feierns zu beginnen. Die Stadt ist bereit. Die Feierlaune ist da. Es fehlen nur noch die Schritte und die beginnen am Dienstag.

Feuerwerk | Foto: Holland.guide

Die vier Tage der Wahrheit – Route für Route

Bei aller Feierstimmung: Der eigentliche Ernst beginnt am Dienstag. Die Vierdaagse ist kein Spaziergang, sondern eine sportliche Ausdauerprüfung über vier Tage und bis zu 200 Kilometer – durch malerische Landschaften, historische Orte und unter frenetischem Applaus. Jeder Tag hat seinen eigenen Charakter und symbolischen Namen.

Blauer Dienstag – Tag der Betuwe

Der erste Wandertag führt die Teilnehmenden über die Waalbrücke in die Region Betuwe. Entlang der Deiche zwischen Lent und Oosterhout geht es vorbei an Obstplantagen, weiten Wiesen und kleinen Dörfern wie Slijk-Ewijk, Valburg oder Bemmel. In Elst wird traditionell alles in Blau geschmückt – ein farbenfroher Gruß an Rhein und Waal. Wer die 50-Kilometer-Distanz wählt, passiert zudem Süd-Arnheim. Mit Park Lingezegen durchquert man zudem eine 1700 Hektar große grüne Lunge zwischen Arnhem und Nijmegen. Nach dem Zieleinlauf auf der Wedren klingt der Tag mit Musik und Erholung aus.

Rosa Mittwoch – Tag des Maas- und Waalgebiets

Am zweiten Tag geht es durchs ländliche Gelderland, durch die Hatertse und Overasseltse Vennen, vorbei an Dörfern wie Alverna, Balgoij und Niftrik. Zentrum der Aufmerksamkeit ist das festlich geschmückte Wijchen, wo Zehntausende die Wandernden feiern. Auch in Beuningen sorgt ein großes Bühnenprogramm für Stimmung. In Nijmegen selbst ist „Roze Woensdag“ nicht nur farblich präsent: Die Stadt feiert Vielfalt und Toleranz, unter anderem durch die Stiftung Roze Woensdag. Der Mittwoch gilt als der Tag mit den meisten Ausfällen – und den intensivsten Emotionen.

Grüner Donnerstag – Tag der Sieben Hügel

Die dritte Etappe ist auch die anspruchsvollste: Über Mook und Milsbeek steigt die Route an bis zum Höhenzug rund um Groesbeek. Die berühmte Zevenheuvelenweg wird gesäumt von Wohnmobilen, Fans und Musikgruppen – eine Atmosphäre wie bei der Tour de France. Wer durchhält, wird mit Ausblicken über das Maastal, Weinberge und die Wälder von Berg en Dal belohnt. Auf dem Rückweg durchquert man das Gemeindegebiet von Gennep und erreicht schließlich wieder die Wedren in Nijmegen. Für viele gilt dieser Tag als Krönung der Vierdaagse.

Oranger Freitag – Die Via Gladiola

Am letzten Tag geht es durch die Hatertse Vennen nach Cuijk. Dort wartet ein Highlight: eine eigens errichtete Pontonbrücke über die Maas, verlegt vom niederländischen Militär. Danach führt der Weg über Mook und Malden auf die legendäre Via Gladiola – die letzte Etappe zurück nach Nijmegen, flankiert von Zehntausenden jubelnden Zuschauern, DJ-Sets und Blaskapellen. In den Händen der Wandernden: die Gladiole, Symbol des Triumphs. Die Medaille winkt – und mit ihr das Recht, sich „Vierdaagseloper“ zu nennen. Das große Finale auf der Wedren gehört den Helden zu Fuß.

Wir wünschen viel Spaß und feiern gerne mit!

Ob als Wanderer oder Zuschauer, ob mit Blasen an den Füßen oder kaltem Bier in der Hand, die Vierdaagse in Nijmegen ist ein unvergessliches Erlebnis für alle. Wir drücken allen Teilnehmenden die Daumen für vier erfolgreiche Tage und laden alle anderen ein, mitzufeiern, mitzufiebern und die einzigartige Stimmung zu genießen. Tot ziens in Nijmegen!

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