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Niederlande senken Ziel für Gasreserven

| von Redaktion

Archivbild | Quelle: HOLLAND.guide
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DEN HAAG · Die niederländische Regierung senkt das Ziel für die Befüllung der Gasspeicher vor dem Winter deutlich. Statt 115 TWh sollen künftig 93 TWh erreicht werden. Zugleich wird der angestrebte Füllstand von mindestens 80 auf mindestens 65 Prozent abgesenkt. Die Speicher sind derzeit zu rund 53,5 Prozent gefüllt. Gasunie betont, dass ein niedrigerer Füllstand nicht automatisch bedeutet, dass im Winter zu wenig Gas verfügbar ist oder die Versorgungssicherheit gefährdet wird. Einordnung: Mit geringeren Reserven sind die Niederlande auf einen möglichen kalten Winter schlechter vorbereitet. Die Entscheidung ist damit eine Abwägung zwischen Kosten und Vorsorge.

Das Kabinett folgt mit der Absenkung einem Aufruf der Europäischen Kommission, die niederländischen Gasspeicher im Vorfeld des Winters weniger stark zu befüllen. Gasunie stellt ausdrücklich klar, dass es sich dabei um eine politische Entscheidung handelt. Das bislang vom Minister festgelegte Ziel von 115 TWh beruhte auf einer Empfehlung von Gasunie Transport Services. Grundlage dafür war die Gasnachfrage während des kältesten Winters der vergangenen 30 Jahre. Bei dieser Berechnung wurde davon ausgegangen, dass auch unter solchen Bedingungen alle Gaskunden weiter beliefert werden können. Mit dem neuen Ziel von 93 TWh wird diese Vorsorge abgesenkt. EenVandaag berichtet, dass die Regierung statt mindestens 80 Prozent nun einen Füllstand von mindestens 65 Prozent anstrebt. Als Grund nennt der Sender unter anderem die derzeit hohen Erdgaspreise. Das Kabinett wolle den Preis durch zusätzliche Nachfrage zum Auffüllen der Speicher nicht weiter antreiben.

Nach Darstellung der Regierung soll die geringere Menge ausreichen, um einen durchschnittlichen Winter zu überstehen. Für einen deutlich kälteren Winter bietet die niedrigere Reserve allerdings weniger Puffer. Gasunie formuliert das entsprechend zurückhaltend: Eine geringere Befüllung bedeutet nicht automatisch, dass im kommenden Winter Gas fehlt oder die Lieferfähigkeit gefährdet ist. Sie bedeutet aber, dass die Niederlande auf außergewöhnlich kalte Bedingungen weniger gut vorbereitet sind. Der auf NED.nl ausgewiesene aktuelle Wert von 53,5 Prozent ist eine Prognose für die gemeinsame Befüllung der unterirdischen Speicher Norg, Grijpskerk, Alkmaar, Bergermeer und Zuidwending. Damit liegt der gegenwärtige Stand noch unter dem nun abgesenkten Ziel für die Zeit vor dem Winter. Wie schnell die verbleibende Differenz geschlossen werden kann, geht aus den Angaben nicht hervor.

Hohe Gaspreise bremsen das Auffüllen

Das Auffüllen der niederländischen Speicher hängt sowohl von kommerziellen Marktteilnehmern als auch vom staatlichen Unternehmen Energie Beheer Nederland, kurz EBN, ab. EBN erfüllte seine Verpflichtung Ende August weiterhin. Bei kommerziellen Unternehmen fehlte dagegen wegen der hohen Gaspreise der wirtschaftliche Anreiz, zusätzliches Gas einzukaufen und einzulagern. Normalerweise können niedrigere Sommerpreise dazu führen, dass Gas eingelagert und im Winter zu höheren Preisen verkauft wird. Diese Kalkulation funktionierte in diesem Jahr nach den Angaben von EenVandaag nicht ausreichend. Bereits am 26. August hieß es deshalb, das damalige Füllziel sei in diesem Jahr nicht mehr erreichbar. Wenige Wochen später entschied das Kabinett, die Zielvorgabe offiziell abzusenken.

Kalter Winter bleibt das zentrale Risiko

Gasexperten warnen vor einer Kombination aus strengem Winter und Störungen bei der Gaszufuhr aus dem Ausland. Als mögliche Beispiele nennt er eine beschädigte Pipeline aus Norwegen oder einen Cyberangriff auf ein LNG-Terminal. Für solche Situationen fehle den Niederlanden derzeit eine strategische Gasreserve. Nach seiner Einschätzung ist die Vorsorge dafür eine Aufgabe der Regierung und nicht allein des Marktes, weil Unternehmen nicht dazu verpflichtet werden könnten, Gas mit Verlust einzukaufen und für den Winter einzulagern.

Klima- und Grüne-Wachstumsministerin Stientje van Veldhoven-van der Meer sieht dennoch keinen Anlass zur Sorge. Neben den niederländischen Speichern verweist sie auf Pipelines und Terminals, über die Gas ins Land gebracht werden kann. Für Haushalte und besonders schutzbedürftige Abnehmer wie Krankenhäuser bestehe nach ihren Angaben eine Garantie für eine ausreichende Gasversorgung im Winter. Diese Regelung sei bereits während der Ukrainekrise geschaffen worden.

Gaspreis auf höchstem Stand seit drei Jahren

Die hohen Gaspreise treffen zugleich Haushalte, die derzeit einen neuen Energievertrag abschließen wollen. Energieexperte Pim Holstvoogd bezifferte gegenüber Een Vandaag die Kosten eines festen Vertrags für einen durchschnittlichen Haushalt Ende August auf rund 2.400 Euro pro Jahr. Anfang Januar wäre derselbe Vertrag bei gleichem Verbrauch nach seiner Berechnung noch etwa 500 Euro günstiger gewesen.

Holstvoogd führt den Preisanstieg nicht auf die niedrigen Speicherstände zurück, sondern auf die internationale Unruhe. Er rechnet kurzfristig nicht mit sinkenden Preisen. Wer einen festen Vertrag hat, der erst im kommenden Jahr ausläuft, müsse nach seiner Einschätzung vorerst nichts unternehmen. Bei einem auslaufenden Festvertrag sowie bei variablen oder dynamischen Verträgen empfiehlt er, die eigene Situation zu prüfen und Angebote aktiv zu vergleichen. Wer Schwierigkeiten hat, finanzielle Reserven für mögliche höhere Rechnungen aufzubauen, könne trotz des hohen Preisniveaus einen Festvertrag in Betracht ziehen.


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