Neujahrsnacht eskaliert in Gewalt
| von Redaktion
DEN HAAG · Eine landesweit beispiellose Eskalation von Gewalt, Bränden und Angriffen auf Einsatzkräfte hat die Neujahrsnacht 2025 auf 2026 überschattet. In vielen Städten gerieten Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste unter massiven Druck. Landesweit wurden tausende Brände gemeldet, darunter zahlreiche Auto und Wohnungsbrände. Einsatzkräfte wurden behindert, beschimpft und teils gezielt angegriffen. Schweres Feuerwerk, Brandstiftung und Plünderungen prägten das Bild in mehreren Regionen. Die Belastung der Leitstellen war so hoch, dass zeitweise ein NL Alert ausgelöst wurde, um Notrufe auf akute Lebensgefahr zu begrenzen. Zwei Menschen kamen infolge von Feuerwerk ums Leben, zahlreiche Einsatzkräfte wurden verletzt. Polizei und Feuerwehr sprechen übereinstimmend von einer extremen und in Teilen äußerst zerstörerischen Nacht, die in Umfang und Intensität über den Vorjahren lag.
In der Nacht zum Neujahr registrierte die Feuerwehr in den Niederlanden insgesamt 4286 Meldungen zu Feuerwehreinsätze. Das geht aus einer ersten landesweiten Auswertung von Brandweer Nederland hervor, die auf Leitstellendaten und Angaben der 25 Sicherheitsregionen basiert. Damit stieg die Zahl der Einsätze erneut an, nach 4106 Meldungen im Vorjahr und 3680 zwei Jahre zuvor. Besonders häufig rückte die Feuerwehr wegen Abfall und Containerbränden sowie Autobränden aus, daneben kam es auch zu mehreren sehr großen Bränden. Laut Brandweer Nederland wurden Einsatzkräfte in verschiedenen Orten bei ihrer Arbeit behindert und waren verbalen sowie körperlichen Übergriffen ausgesetzt. In einigen Fällen war polizeiliche Unterstützung erforderlich, teilweise auch der Einsatz der Mobiele Eenheid (mobile Einheit der Polizei; ME). Die Feuerwehr spricht von einer unverhältnismäßig hohen Belastung für alle beteiligten Hilfsdienste. Auch die Leitstellen standen unter enormem Druck, da die Zahl der eingehenden Meldungen zeitweise kaum zu bewältigen war. Brandweer Nederland betont, dass Feuerwehrleute haupt und ehrenamtlich helfen wollten, jedoch zunehmend selbst zum Ziel von Gewalt wurden.
Gewalt gegen Einsatzkräfte
Nach Angaben der Polizei war die Gewalt gegen Polizeibeamte und andere Helfer in dieser Neujahrsnacht erneut massiv. Wie die Polizei berichtet, wurden Einsatzkräfte mit schwerem Feuerwerk, Molotowcocktails und Straßensteinen attackiert. In mehreren Städten mussten Wasserwerfer eingesetzt werden, teilweise auch mit zusätzlichen Mitteln zur Eigensicherung. Bereits am frühen Abend war die Lage vielerorts so angespannt, dass die Mobiele Eenheid eingreifen musste. Nahezu alle verfügbaren Einheiten waren im Einsatz, was einer landesweiten Maximalbelastung entsprach. Insgesamt wurden rund 250 Personen festgenommen. Mehrere Polizisten und andere Helfer erlitten Verletzungen, darunter auch Gehörschäden trotz verbesserter Schutzausrüstung.
Tote und schwere Zerstörungen
Unter der Bevölkerung gab es zwei Todesopfer infolge von schwerem Feuerwerk. Die tödlichen Vorfälle ereigneten sich in Nijmegen und Aalsmeer. Darüber hinaus kam es in der Neujahrsnacht zu weiteren Todesfällen durch andere Ursachen. Besonders gravierend waren mehrere Großbrände. So wurden die Vondelkerk in Amsterdam sowie eine Sporthalle im groningischen Bedum durch Feuer zerstört. Zudem kam es zu einer Plünderung eines Supermarkts. Die Polizei spricht von einer verheerenden Kombination aus Brandstiftung, Gewalt und Vandalismus, die vielerorts ganze Straßenzüge prägte.
Zahlen des NIPV bestätigen Anstieg
Das Nederlands Instituut Publieke Veiligheid (NIPV) veröffentlicht im Auftrag von Brandweer Nederland jährlich das Dashboard Kerncijfers Nieuwjaarsincidenten. Für die Periode vom 31. Dezember 00:00 Uhr bis 1. Januar 08:00 Uhr wurden landesweit 4286 gemeldete Incidenten registriert. Davon entfielen 3963 auf Brände, 239 auf Hilfeleistungen und 84 auf Alarme. Die Daten stammen aus dem Geïntegreerd Meldkamer Systeem der Feuerwehr. Das NIPV weist darauf hin, dass regionale Abweichungen möglich sind, da Sicherheitsregionen teils andere Erfassungsmethoden oder Zeiträume nutzen. Die endgültigen Zahlen werden erst zum Ende des ersten Quartals festgelegt.
Mehr Auto und Wohnungsbrände
Wie NOS berichtet, kam es während des Jahreswechsels zu deutlich mehr Auto- und Wohnungsbränden als im Vorjahr. Nach NIPV Angaben wurden 361 Autobrände und 228 Wohnungsbrände registriert. Im Vergleich dazu waren es ein Jahr zuvor 270 Autobrände und 144 Wohnungsbrände. Damit stieg die Zahl der Wohnungsbrände binnen zwei Jahren auf mehr als das Doppelte. Auch hier bilden Leitstellendaten der Feuerwehr die Grundlage, wobei Abweichungen zu regionalen Berichten möglich sind.
Regionale Schwerpunkte
Besonders häufig musste die Feuerwehr in der Region Rotterdam Rijnmond ausrücken, wo 701 Einsätze gezählt wurden. Es folgten Haaglanden mit 578 Einsätzen sowie mehrere weitere Regionen mit jeweils mehr als zweihundert Ereignisse, darunter Amsterdam Amstelland, Utrecht, Gelderland Midden, Hollands Midden, Gelderland Zuid, Midden en West Brabant und Groningen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Eskalation kein lokales Phänomen war, sondern große Teile des Landes betraf.
112 zeitweise überlastet
Die extreme Einsatzlage zeigte sich auch in der Überlastung des Notrufsystems. Kurz nach Mitternacht waren die Leitungen von 112 vollständig ausgelastet, vor allem durch die Vielzahl an Brandmeldungen. Daraufhin wurde ein NL Alert versendet, mit dem die Bevölkerung aufgefordert wurde, den Notruf nur bei akuter Lebensgefahr zu wählen. Für andere Vorfälle sollten alternative Nummern genutzt werden. Nach Angaben der Polizei ging die Zahl der Anrufe nach dem Alert deutlich zurück. Positiv bewertet wurde, dass die Funkkommunikation über C2000 im Gegensatz zum Vorjahr stabil verlief.
Internationale Reaktionen
Auch im Ausland sorgten die Ereignisse für Aufsehen. Zahlreiche internationale Medien reagierten mit Bestürzung auf die Bilder aus den Niederlanden. Besonders die Zerstörung der Vondelkerk in Amsterdam fand weltweit Beachtung. Ausländische Berichte beschrieben eine Nacht massiver Gewalt, brennender Fahrzeuge und gezielter Angriffe auf die Polizei. Mehrfach wurde von einer nie dagewesenen Eskalation gesprochen.
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