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Neue Unruhen bei Aysl-Protest: Heute in Kesteren

| von Redaktion

Archivbild | Quelle: HOLLAND.guide
Archivbild | Quelle: HOLLAND.guide

KESTEREN · Eine Woche nach den schweren Ausschreitungen bei einem Protest gegen die geplante Asylaufnahme in Opheusden ist es am Donnerstagabend erneut zu Unruhen in der Gemeinde Neder-Betuwe gekommen. Diesmal verlagerte sich der Protest in das benachbarte Kesteren. Dort versammelten sich mehrere hundert Menschen, es wurde schweres Feuerwerk gezündet und teilweise in Richtung der Polizei geworfen. Gegen 21.15 Uhr griff die Mobiele Eenheid (ME) ein und forderte die Menschen auf, das Gebiet zu verlassen. Mehrere Personen wurden festgenommen. In Opheusden selbst blieb es unterdessen ruhig. Dort galten nach den Ausschreitungen der Vorwoche weitreichende Sicherheitsmaßnahmen.

Die erneuten Unruhen hatten sich bereits im Laufe des Donnerstags abgezeichnet. Nachdem Bürgermeister Jan Kottelenberg für die gesamte bebaute Ortslage von Opheusden ab 17.00 Uhr eine Notverordnung erlassen hatte, kursierten in sozialen Medien Aufrufe, stattdessen nach Kesteren zu kommen. Die Aktionsgruppe defendnederbetuwe26 verbreitete nach Angaben des AD am Nachmittag die Aufforderung, sich dort zu versammeln. Am Abend kamen zunächst mehr als hundert Menschen am Dorpshuis zusammen. Viele von ihnen waren nach Beobachtung des AD Jugendliche aus dem Ort. Gegen 20.30 Uhr wuchs die Gruppe nach Angaben der Polizei auf rund 400 Personen an.

De Telegraaf berichtete dagegen von etwa 200 überwiegend schwarz gekleideten Jugendlichen gegen 20.00 Uhr. Auch das Reformatorisch Dagblad sprach von einigen hundert Menschen. Zunächst blieb die Lage weitgehend ruhig. Vereinzelt wurde die Parole „azc, weg ermee“ ("Ayslsucherzentrum, weg damit") gerufen. Kurz vor 21.00 Uhr wurde jedoch Feuerwerk gezündet, darunter nach Medienberichten auch Cobra-Feuerwerk. Ein Teil davon wurde in Richtung der Polizei geworfen. Einige Teilnehmer trugen gesichtsbedeckende Kleidung. Die Polizei nahm mehrere Personen wegen des Abbrennens von Feuerwerk fest. Später forderten die Einsatzkräfte die Menschen auf, das Gebiet zu verlassen. Die ME führte mehrere Einsätze gegen die verbliebene Menge durch und nahm weitere Personen mit.

Opheusden unter strengen Sicherheitsmaßnahmen

Während sich die Menschen in Kesteren versammelten, blieb die Situation im rund fünf Kilometer entfernten Opheusden ruhig. Dort hatte die Gemeinde nach den Ereignissen vom 17. September weitreichende Maßnahmen verhängt. Die Notverordnung galt ab Donnerstag um 17.00 Uhr für die gesamte bebaute Ortslage. Nur Personen mit einem nachweisbaren Grund, beispielsweise Bewohner oder Menschen, die dort arbeiten mussten, durften sich im Gebiet aufhalten.

Zusätzlich waren gesichtsbedeckende Kleidung und Gruppen von mehr als zwei Personen verboten. Ein kleinerer Bereich rund um das Gemeindehaus wurde bis Freitag um 1.00 Uhr als Sicherheitsrisikogebiet ausgewiesen. Dort durfte die Polizei Personen präventiv durchsuchen.

Das Gemeindehaus war ab 16.00 Uhr für den Publikumsverkehr geschlossen. Die öffentliche Ratssitzung wurde von ursprünglich später am Abend auf 18.00 Uhr vorverlegt. Asylaufnahme stand bei dieser Sitzung nicht auf der Tagesordnung. Die Polizei kontrollierte Zufahrtsstraßen und überprüfte Personen, die nach Opheusden wollten.

Ausschreitungen eine Woche zuvor

Grund für die außergewöhnlichen Maßnahmen waren die Ausschreitungen vom Donnerstag, 17. September. Damals hatten sich während einer Gesprächsrunde des Gemeinderates über die Aufnahme von Asylsuchenden mehrere hundert Menschen am Gemeindehaus in Opheusden versammelt. Nach Angaben der Gemeinde wurde schweres Feuerwerk auf die Polizei geworfen. Außerdem wurden unter anderem Fenster und eine Schranke am Gemeindehaus beschädigt.

Während der Sitzung nahm die Gewalt vor dem Gebäude zu. Ratsmitglieder und andere Anwesende durften das Gemeindehaus aus Sicherheitsgründen zeitweise nicht verlassen. Gegen 22.15 Uhr kamen unter anderem die Mobiele Eenheid, Polizeihunde und weitere Einsatzkräfte zum Einsatz. Auch ein Polizeihubschrauber war über dem Ort unterwegs.

Insgesamt wurden 14 Personen festgenommen. Zwölf von ihnen kamen nach Angaben von De Gelderlander aus der Gemeinde Neder-Betuwe, eine Person aus der Gemeinde Buren und eine aus Rhenen. Für die 14 Festgenommenen wurden anschließend Gebietsverbote verhängt.

Gemeinde muss 132 Asylsuchende aufnehmen

Hintergrund der Proteste ist die geplante Asylaufnahme in Neder-Betuwe. Nach Angaben der Gemeinde muss Neder-Betuwe im Rahmen der Spreidingswet 132 Asylsuchende aufnehmen. Die Gemeinde erklärt, keinen Einfluss darauf zu haben, ob sie Menschen aufnehmen muss. Entscheiden kann sie jedoch über die konkrete Form und den Standort der Unterbringung.

Im Gemeinderat wurden verschiedene Möglichkeiten diskutiert. Dazu gehörten zwei kleinere Unterkünfte für jeweils etwa 75 Menschen an unterschiedlichen Standorten, eine Unterkunft für rund 150 Menschen in einem der Dörfer oder eine größere Einrichtung für etwa 300 Personen am Rand der Gemeinde. Ein endgültiger Standort steht nach den vorliegenden Informationen noch nicht fest.

Neder-Betuwe besteht neben Opheusden und Kesteren aus IJzendoorn, Echteld, Dodewaard und Ochten. Die Gemeinde hatte ihre Einwohner bis zum 18. September über eine Umfrage an der Diskussion über die konkrete Gestaltung der Asylaufnahme beteiligt.

Warum auch kleinere Gemeinden Asylsuchende aufnehmen müssen

Hinter den Protesten steht die Verteilung der Asylaufnahme in den Niederlanden. Seit 2024 verpflichtet die sogenannte Spreidingswet die Gemeinden dazu, einen Beitrag zur Unterbringung von Asylsuchenden zu leisten. Zuvor war das Centraal Orgaan opvang asielzoekers (COA) weitgehend darauf angewiesen, dass Gemeinden freiwillig Plätze bereitstellten. Weil dadurch landesweit zu wenige Unterkünfte entstanden, wurde die Aufnahme gesetzlich auf Provinzen und Gemeinden verteilt. Die Spreidingswet ist weiterhin in Kraft. Für den Zeitraum bis Anfang 2028 geht die niederländische Regierung von insgesamt 88.000 benötigten Aufnahmeplätzen aus. Wie viele Plätze auf die einzelnen Gemeinden entfallen, richtet sich unter anderem nach Einwohnerzahl und sozioökonomischen Kriterien. Für Neder-Betuwe steht nach Angaben der Gemeinde fest, dass 132 Asylsuchende aufgenommen werden sollen. Über das Ob entscheidet die Gemeinde nach eigener Darstellung nicht, wohl aber darüber, wo und in welcher Form die Unterbringung erfolgt. Genau diese konkrete Ausgestaltung beschäftigt derzeit die lokale Politik und führte in Opheusden und Kesteren zu Protesten gegen die geplante Aufnahme.

Neder-Betuwe keine Ausnahme

Die Proteste in Neder-Betuwe stehen nicht für sich. In den vergangenen Monaten kam es auch in anderen niederländischen Gemeinden zu Protesten gegen geplante oder bestehende Asylunterkünfte. Mehrfach eskalierte die Situation, die Polizei musste eingreifen und teilweise wurde auch die Mobiele Eenheid (ME) eingesetzt.

  • Apeldoorn, Mai 2026: Über mehrere Tage wurde gegen eine Notunterkunft für 240 Menschen demonstriert. Am 9. Mai eskalierte eine Demonstration, Polizisten wurden unter anderem mit Feuerwerk und Gegenständen beworfen, die ME griff ein und 26 Menschen wurden festgenommen. Auch an weiteren Abenden kam es zu Polizeieinsätzen. (Quelle: RTL.nl)
  • Loosdrecht, Mai 2026: Proteste gegen eine Notunterkunft wurden mehrfach unruhig. Am 13. Mai beendete die Polizei eine Demonstration, setzte dabei auch einen Wasserwerfer ein und nahm mindestens vier Personen fest. RTL verweist zudem auf Brandstiftung an einer Notunterkunft im selben Monat.
  • Wijk bij Duurstede, Juni 2026: Bei einem Protest wurden Scheiben des Gemeindehauses eingeworfen. Sieben Menschen wurden festgenommen. Unter den rund 60 Demonstranten befanden sich nach Angaben des Bürgermeisters auch Menschen aus der weiteren Umgebung. (Quelle: NOS)
  • Engelen/Bokhoven bei Den Bosch, Sommer 2026: Seit Monaten gab es Widerstand gegen die geplante Unterbringung von 50 unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden. Die Auseinandersetzungen gingen über Demonstrationen hinaus. Im Juli wurden mehr als zehn Häuser mit Graffiti beschmiert; im August berichtete RTL über anhaltende Spannungen und weitere Aktionen rund um Befürworter und Gegner der Unterkunft. Der König nannte diese Vorfälle in der Thronrede. (Quelle: NOS)
  • Tholen, 31. August 2026: Rund 300 Menschen demonstrierten laut regionalen Berichten gegen eine geplante Notunterkunft für etwa 150 Asylsuchende. Die Situation wurde so unruhig, dass Ratsmitglieder das Gemeindehaus zeitweise nicht verlassen durften. Die ME wurde angefordert. (Quelle: RTL.nl)
  • Opheusden/Kesteren, September 2026: In Opheusden wurden am 17. September 14 Menschen festgenommen; am 24. September verlagerte sich der Protest wegen der Sicherheitsmaßnahmen in Opheusden nach Kesteren.

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