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Neue Regeln ab 2026

| letzte Änderung 28.12.2025 09:53 | von Redaktion

Scheveningen | Foto: HOLLAND.guide
Scheveningen | Foto: HOLLAND.guide

DEN HAAG · Zum 1. Januar 2026 ändern sich in den Niederlanden zahlreiche Gesetze, Pflichten und Abgaben. Viele Anpassungen betreffen direkt den Alltag und das Portemonnaie, von Hotelübernachtungen über Mieten bis zu Bahn, Kraftstoff und bestimmten Steuern. Gleichzeitig steigen Mindestlohn und mehrere Leistungen, außerdem werden einzelne Zuschüsse ausgeweitet. Neu sind auch Vorgaben zu digitalem Kontakt mit Behörden, zu Energie und Wasser, zu Abfalltrennung, zu Kinderopvang Meldungen sowie zu einzelnen Regeln im Strafrecht. Einige Änderungen greifen nicht am 1. Januar, sondern später im Jahr oder an einem konkreten Folgetermin.

Zum Jahreswechsel kommen mehrere Kostenänderungen gleichzeitig: Hotel und Ferienpark Übernachtungen werden durch ein höheres Mehrwertsteuer Niveau teurer, Bahnfahrten steigen im Durchschnitt, und auch an der Zapfsäule fällt mehr an, weil die Steuern für Benzin, Diesel und LPG erhöht werden. Beim Wohnen sind Mieterhöhungen in der freien Sektor und in der "Mittelmiete" ab 1. Januar möglich, im sozialen Segment erst ab 1. Juli. Gleichzeitig erweitert sich der Kreis der Menschen, die Anspruch auf Mietbeihilfe haben, weil das bisherige Mietlimit entfällt und die volle Beihilfe bereits ab 21 statt ab 23 Jahren möglich ist, sofern Einkommen und Vermögen passen. Beim Einkommen steigt das Mindeststundenlohn Niveau, und damit steigen auch mehrere Leistungen. Daneben treten Regeln in Kraft, die weniger sichtbar sind, aber rechtlich wichtig: Bargeldzahlungen ab 3000 Euro werden im Handel begrenzt, Anbieter von Kryptodiensten müssen Daten melden, analoge Energiezähler werden durch digitale oder smarte Zähler ersetzt, und in der Kinderopvang wird eine Pflicht eingeführt, schwere Vorfälle zu melden. Auch im Gesundheitsbereich ändert sich das Basispaket an mehreren Stellen.

Mehrwertsteuer, Preise und Gebühren im Alltag

Zum 1. Januar 2026 steigt die Mehrwertsteuer auf Übernachtungen in Hotels und in Ferienparks vom niedrigen auf das hohe Niveau, nämlich von 9 Prozent auf 21 Prozent. Camping bleibt beim niedrigen Satz, wenn man eigene Ausrüstung mitbringt, also Zelt, Wohnwagen oder Camper.

Teurer wird auch die Bahn: Eine Fahrt mit der NS kostet im Durchschnitt 6,5 Prozent mehr. Gleichzeitig steigen mehrere Posten im Verkehr, etwa durch höhere Abgaben auf Kraftstoff, und es gibt Anpassungen bei einzelnen Gebühren und Tarifen, die viele Haushalte über das Jahr hinweg spüren. Wichtig ist dabei, dass einzelne Anpassungen zwar ab 1. Januar erlaubt sind, aber nicht zwingend sofort auf jeder Rechnung erscheinen müssen, weil manche Preisänderungen und Erhöhungen erst bei der nächsten zulässigen Anpassung greifen.

Mindestlohn steigt, Leistungen ziehen mit

Der Mindeststundenlohn wird zum 1. Januar 2026 angehoben. Für Beschäftigte ab 21 Jahren gilt ein fester Stundenlohn von 14,71 Euro brutto. Für 15 bis 20 Jahre gelten gestaffelte Jugendstundenlöhne pro Stunde, mit jeweils niedrigeren Beträgen je jünger die Person ist. Weil mehrere Leistungen an die Mindestlohnhöhe gekoppelt sind, steigen dadurch auch verschiedene Auszahlungen. Genannt werden unter anderem die Altersrente AOW für bestimmte Gruppen sowie weitere Leistungen wie Bijstand, WIA und Wajong. Zusätzlich werden auch andere Auszahlungsbeträge zum Jahreswechsel angepasst, wobei dabei mehrere Rechtsgrundlagen eine Rolle spielen, zum Beispiel die regelmäßige Indexierung und Anpassung in den Sozialleistungen. Unterhaltszahlungen steigen mit 4,6%.

⇒ mehr Informationen auf Rijksoverheid.nl

Steuern, Freibeträge und neue Pflichten bei Krypto und Bargeld

Die Grenzen der Einkommenssteuer Stufen werden zwar wie üblich angepasst, diesmal jedoch nicht vollständig, wodurch man etwas schneller in eine höhere Stufe fällt als ursprünglich geplant. Ergänzend ändern sich konkrete Tarife und Grenzwerte in der Einkommensteuer, unter anderem in Box 1. Bei Selbstständigen sinkt die steuerliche Entlastung über den zelfstandigenaftrek deutlich, nämlich von 2.470 Euro auf 1.200 Euro.

Bei Vermögen und Kontrolle kommt eine neue Pflicht hinzu: Wenn Kryptowerte wie Bitcoin bei einem Kryptodienstleister liegen, müssen diese Anbieter Salden und Transaktionen an die Steuerbehörde melden, außerdem werden die Daten zwischen EU Staaten ausgetauscht.

Im Zahlungsverkehr wird eine klare Grenze gezogen: Händler dürfen keine Barzahlung von 3000 Euro oder mehr annehmen. Das Verbot gilt für Käufe im Handel, Zahlungen zwischen Privatpersonen sind davon ausgenommen.

Für Hinterbliebene wird die Frist für die Abgabe der Erbschaftsteuer Erklärung verlängert, von 8 Monaten auf 20 Monate. Zusätzlich gelten neue Regeln, welche Schenkungen kurz vor einem Todesfall wie behandelt werden, und es gibt Änderungen bei der steuerlichen Gleichbehandlung biologischer Kinder unter bestimmten Voraussetzungen, inklusive Nachweis gegenüber der Steuerbehörde.

Wohnen, Mietbeihilfe und Grunderwerbsteuer

Bei Mieten gelten ab 2026 mehrere Obergrenzen je Segment. In der freien Sektor darf die Miete maximal um 4,4 Prozent steigen. In der Middenhuur liegt die maximale Erhöhung bei 6,1 Prozent. Für das soziale Segment gilt eine Erhöhung erst ab 1. Juli 2026, dort beträgt das Maximum 4,1 Prozent, wobei zusätzliche Regeln je nach Ausgangsmiete oder Einkommen eine Rolle spielen können. Gleichzeitig wird der Zugang zur Mietbeihilfe ausgeweitet: Das bisherige Mietlimit entfällt, sodass auch bei höheren Mieten ein Anspruch möglich sein kann, sofern Einkommen und Vermögen nicht zu hoch sind. Außerdem kann die volle Mietbeihilfe bereits ab 21 Jahren gewährt werden, zuvor lag die Schwelle bei 23 Jahren.

Bei Immobiliensteuern gibt es einen wichtigen Punkt für Käufer, die eine Wohnung nicht selbst bewohnen, also typischerweise zur Vermietung erwerben: Für solche Käufe sinkt die Grunderwerbsteuer von 10,4 Prozent auf 8,0 Prozent. Für Selbstnutzer bleibt der niedrigere Satz bestehen, und für Erstkäufer gelten weiterhin eigene Bedingungen. Ergänzend werden Grenzen und Parameter im Wohnbereich angepasst, etwa Einkommensgrenzen für soziale Mietwohnungen sowie die NHG Grenze und weitere wohnbezogene Steuerregeln.

Bahn, Kraftstoff, Kfz Abgaben und weitere Verkehrsregeln

Im Verkehr kommen mehrere Änderungen zusammen. Die Steuer auf Benzin (accijns) steigt um 5,6 Cent pro Liter, bei Diesel um 3,6 Cent pro Liter und bei LPG um 1,3 Cent pro Liter. Zusätzlich wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass eine zuvor eingeführte Senkung der Steuer Schritt für Schritt zurückgenommen wird. Bei der motorrijtuigenbelasting (Kraftfahrzeugsteuer) werden Entlastungen für bestimmte Fahrzeuge reduziert: Emissionsfreie Personenautos zahlen ab 1. Januar 2026 nur noch 70 Prozent des normalen Tarifs, während für andere emissionsfreie Fahrzeuge und für Plug in Hybride die Ermäßigung entfällt und der volle Tarif gilt. Es gibt außerdem Regeländerungen rund um bestimmte Fahrzeugkategorien, etwa Wohnmobile und besondere Fahrzeuge, sowie eine Anpassung der Youngtimer Regel: Die Altersgrenze steigt von 15 auf 16 Jahre, und die Besteuerung über die bijtelling erfolgt dann über den aktuellen Verkaufswert statt über den Neuwert.

Für das Verschrotten bestimmter Zweiräder gilt eine neue Pflicht, dies ist ab 2026 nur noch über einen anerkannten Betrieb zulässig. Daneben wird die Beschilderung für Zero Emissie Zonen und Milieuzonen vereinheitlicht, sodass weniger unterschiedliche Schilder nötig sind.

Für das Freizeitverhalten kommt eine eigene neue Regel im Bereich Meeresangeln: Ab dem 10. Januar 2026 müssen Fänge bestimmter Arten in einer App registriert werden, inklusive Angaben zu Fanggerät, Ort und Größe oder Gewicht sowie ob der Fisch behalten oder zurückgesetzt wurde.

Gesundheit, Kinderopvang, Rauchstopp, Wmo und Familienleistungen

Im Basispaket der Krankenversicherung gelten 2026 mehrere konkrete Änderungen. Programme zum Rauchstopp können künftig dreimal pro Jahr genutzt werden statt einmal. Eine aktive Übungstherapie für Erwachsene mit axialer Spondyloarthritis wird aufgenommen. Außerdem werden bestimmte fachliche Beratungen, die der Hausarzt bei einem Spezialisten anfragt, nicht mehr dem Eigenrisiko zugerechnet, ebenso ein orientierendes Gespräch in der geistigen Gesundheitsversorgung. Das Eigenrisiko bleibt bei 385 Euro, und die maximale Eigenbeteiligung für Medikamente bleibt bei 250 Euro.

Für den Alltag vieler Familien relevant ist die Kinderopvangtoeslag: Die maximalen Stundensätze steigen, konkret auf 11,23 Euro für Dagopvang, 9,98 Euro für Buitenschoolse Opvang und 8,49 Euro für Gastouderopvang. Für arbeitende Eltern mit gemeinsamem Einkommen bis 56.412 Euro gilt 2026 ein maximales Erstattungsniveau von 96 Prozent bis zur maximalen Stundensatzgrenze.

Weitere Familienleistungen werden über Indexierungen angepasst, darunter kinderbijslag und in bestimmten Konstellationen auch kindgebonden budget. Bei der Kinderopvang selbst gilt eine neue Meldepflicht: Wenn ein schwerer Vorfall mit einem Kind passiert, etwa wenn ein Kind ins Krankenhaus muss, müssen Gastouder und Kinderopvang Organisationen dies verpflichtend und so schnell wie möglich bei der GGD melden. Ergänzend steigen einzelne soziale Beiträge, zum Beispiel das monatliche Wmo Abonnementstarif von 21,00 Euro auf 21,80 Euro.

Energie, Wasser, PMD, digitale Zähler und digitale Behördenkontakte

Im Energiebereich kommt eine zentrale Pflicht: Analoge Energiezähler werden ersetzt, und ein digitaler oder smarter Zähler ist verpflichtend. Eine Verweigerung ist nicht mehr möglich. Ein smarter Zähler kann den Verbrauch automatisch übermitteln, diese automatische Funktion kann ausgeschaltet werden, dann müssen Werte selbst angegeben werden. Wer keinen smarten Zähler möchte, kann sich für einen digitalen Zähler ohne Kommunikationsfunktion entscheiden, auch dann gilt die Pflicht zur eigenen Meldung. Ein wesentlicher Hintergrund ist, dass digitale und smarte Zähler auch die Rücklieferung von Strom aus Solaranlagen erfassen, während analoge Drehscheibenzähler dies nicht können.

Beim Wasser gibt es eine Änderung, die vor allem Großverbraucher betrifft: Die Steuer auf Leitungswasser wird nicht mehr nur für die ersten 300 Kubikmeter pro Jahr je Anschluss erhoben, sondern bis 50.000 Kubikmeter. Haushalte liegen im Schnitt deutlich darunter.

In der Abfalltrennung werden neue Dinge im PMD ("plastic, metal, drank") erlaubt, darunter Kaffeekapseln, bestimmte Haushalts Sprühdosen wie Deo, Haarlack oder Sprühsahne sowie große Verpackungsfolien.

Zusätzlich tritt ein Recht auf digitalen Kontakt mit Behörden in Kraft: Bürger und Unternehmen können Anträge, Einwände und vergleichbare Vorgänge digital einreichen, etwa per E Mail, Webformular oder Upload. Dabei muss es eine Empfangsbestätigung geben, und Webformulare dürfen keine unnötigen Pflichtfelder erzwingen. Die Kommunikation per Post bleibt möglich, aber es besteht künftig ein Wahlrecht.

Die Kosten für Reisepapiere steigen 2026: Ein Reisepass kostet dann maximal 88,65 Euro für Erwachsene und 67,05 Euro für Minderjährige, ein "Personalausweis" (identiteitskaart)  bis zu 80,10 Euro für Erwachsene und 43,20 Euro für unter 18-Jährige.

Strengere Regeln bei Kriminalität, neue Verbote und Urheberrecht

Im Bereich Justiz und Sicherheit werden Strafen und Geldbußen für mehrere Delikte angehoben. Außerdem wird es strafbar, versteckte Räume in Fahrzeugen einzubauen, wenn damit Ermittlungen erschwert werden sollen. Auch die Regeln rund um den Wechsel von Richtern in laufenden Verfahren werden angepasst, um Verzögerungen zu begrenzen.

Im Bereich Haustiere gilt ab 2026 ein Verbot bestimmter Zuchtmerkmale in der Haltung: Naaktkatten (Nacktkatzen) und vouwoorkatten (Faltohrkatze) dürfen nicht mehr neu als Haustier gehalten werden. Tiere, die vor dem 1. Januar 2026 geboren und registriert sind, dürfen unter den genannten Voraussetzungen behalten werden, neue Tiere mit diesen Merkmalen dürfen jedoch nicht angeschafft werden.

Für Konsum und Gesundheit gilt eine klare Verkaufsbeschränkung: Vapes und E-Zigaretten dürfen nur noch in speziellen Fachgeschäften verkauft werden, nicht mehr an Tankstellen oder in Gemakswinkels.

Im Urheberrecht kommen neue Schutzregeln für Kreative: Exklusive Nutzungsrechte müssen klar vertraglich festgehalten werden, und wenn ein Werk kaum genutzt wird, können Verträge leichter beendet werden.

Außerdem wird gemeinsames Verhandeln über Vergütungen erleichtert. Außerhalb der Niederlande gibt es eine Änderung im Euroraum: Bulgarien führt ab 1. Januar 2026 den Euro als Zahlungsmittel ein.

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