Mehr als 300.000 Blitzentladungen in nur 24 Stunden
| von Redaktion
DE BILT · Das Unwetter vom Wochenende zählt zu den außergewöhnlichsten Gewitterlagen der vergangenen Jahre in den Niederlanden. Nach Angaben des KNMI wurden zwischen Samstag 2.00 Uhr und Sonntag 2.00 Uhr bereits mehr als 300.000 Blitzentladungen registriert. Da die Gewitter nach diesem Zeitpunkt noch andauerten, dürfte die endgültige Zahl sogar noch höher ausfallen. Bereits in der Vorwoche waren rund 188.000 Entladungen gemessen worden. Diesmal entwickelten sich gleich mehrere schwere Gewitterzellen mit Starkregen, großem Hagel und heftigen Windböen. Zahlreiche Veranstaltungen mussten unterbrochen werden, es kam zu Bränden nach mutmaßlichen Blitzeinschlägen, Überschwemmungen und erheblichen Sachschäden in verschiedenen Landesteilen.
In den vergangenen Jahren wurden in den Niederlanden nur wenige Gewitterlagen mit mehr als 100.000 Blitzentladungen registriert. Das aktuelle Unwetter übertraf diese Marke jedoch deutlich. Das KNMI zählte bis Sonntagmorgen um 2.00 Uhr bereits mehr als 300.000 Entladungen. Da die Gewitterfront anschließend weiter über Teile des Landes zog, sind diese Blitze in der bisherigen Bilanz noch nicht enthalten. Endgültige Zahlen will das Wetterinstitut später veröffentlichen.
Bereits am vergangenen Wochenende war mit 188.000 Blitzentladungen ein außergewöhnlich hoher Wert gemessen worden. Nach Angaben des KNMI verlief das aktuelle Ereignis jedoch nochmals deutlich intensiver. Während der Nacht zogen zwei große Gewittergebiete über die Niederlande. Zunächst entwickelten sich kräftige Gewitter im Westen des Landes, später folgte eine weitere Gewitterlinie aus Belgien. Die Wetterlage führte in weiten Teilen des Landes zu zahlreichen Blitzeinschlägen, Starkregen, Hagel und schweren Windböen.
Mehrere Wetterfaktoren kamen gleichzeitig zusammen
Nach Angaben des KNMI waren am Samstag nahezu alle Voraussetzungen für besonders schwere Gewitter erfüllt. Obwohl die Temperaturen am Freitag höher lagen als am Samstag, war die Luftfeuchtigkeit am Samstag deutlich größer. Im Tagesverlauf drehte zudem der Wind, wodurch noch feuchtere Luft in die Niederlande strömte. Zusammen mit der vorhandenen Wärme entstand eine äußerst instabile Wetterlage, die ideale Bedingungen für die Bildung kräftiger Gewitter bot. Nach Berichten über die Wetterentwicklung entstand über dem Westen der Niederlande vermutlich auch eine sogenannte Superzelle. Dabei handelt es sich um die stärkste Form eines Gewitters, bei der sich die Gewitterwolke dreht. Solche Gewitter können besonders große Hagelkörner sowie heftige Windböen hervorbringen.
Hagel, Sturm und zahlreiche Schäden
Bereits am Samstagnachmittag zog die erste schwere Gewitterfront über das Land. Das Festival Concert at Sea in Zeeland musste unterbrochen werden. Auch mehrere belgische Festivals sowie ein Auftritt von Lil Kleine in Amsterdam wurden beendet. Besucher des TT-Festivals in Assen mussten Schutz suchen. Besonders eindrucksvoll waren die Hagelkörner in der Region Hilversum, die nach Angaben des KNMI einen Durchmesser von bis zu fünf Zentimetern erreichten. Nach Mitternacht folgte eine zweite Gewitterfront mit kräftigen Windböen. Aus Eindhoven wurden Sturmschäden gemeldet. Die Sicherheitsregion Amsterdam Amstelland registrierte zahlreiche Meldungen über Überflutungen. Gleichzeitig kam es in Amsterdam, Wassenaar, Geldrop, Helmond sowie Beek en Donk zu Bränden, die nach bisherigen Erkenntnissen vermutlich durch Blitzeinschläge ausgelöst wurden. In Veldhoven wurde zudem eine denkmalgeschützte Windmühle durch das Unwetter zerstört.
Schäden an Gebäuden, Fahrzeugen und Infrastruktur
Auch aus anderen Teilen des Landes wurden erhebliche Schäden gemeldet. Nach Angaben von Versicherern gingen zahlreiche Meldungen über Brandschäden infolge von Blitzeinschlägen sowie Hagelschäden an Fahrzeugen und Dachfenstern ein. Da viele Sturmschäden häufig erst später entdeckt werden, rechnen die Versicherungen in den kommenden Tagen mit weiteren Schadensmeldungen. Betroffen war auch der Bahnverkehr. Im Raum Gouda kam es infolge von Blitzeinschlägen zeitweise zu erheblichen Einschränkungen im Zugverkehr. In der Region Woerden und Bodegraven wurden örtlich rund 50 Millimeter Niederschlag gemessen. Besonders in den Provinzen Utrecht und Flevoland wurden zudem Hagelkörner mit einer Größe von fünf bis sieben Zentimetern beobachtet.
Wetter beruhigt sich wieder
Nach Angaben des KNMI ist die größte Hitze zunächst aus den Niederlanden verschwunden. In den kommenden Tagen sinken die Temperaturen deutlich. Lediglich in Limburg und Overijssel können örtlich nochmals bis zu 27 Grad erreicht werden. Für den Sonntagabend besteht im äußersten Südosten noch eine geringe Wahrscheinlichkeit für einzelne Gewitter. Danach wird insgesamt ruhigeres Wetter erwartet. Das KNMI weist zugleich darauf hin, dass extreme Sommergewitter infolge des Klimawandels künftig häufiger auftreten könnten. Ursache sei die zunehmende Menge an Wasserdampf in der Atmosphäre. Dadurch könnten künftig sowohl Starkregen als auch Windböen und große Hagelkörner intensiver ausfallen.
Andere Medien zum Thema
vizualism auf Instagram: "Was für ein beeindruckendes Naturschauspiel wieder einmal. 🌩️⚡Blitzentladungen der vergangenen Nacht, aus dem All aufgenommen vom MTG Lightning Imager von EUMETSAT. Dieser Satellit erfasst die kurzen Lichtblitze von Gewitterentladungen über Europa."
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