LKW dürfen Merwedebrücke nicht mehr nutzen
| von Redaktion
GORINCHEM · Erhebliche Einschränkung für den Straßenverkehr: Die Merwedebrücke auf der Autobahn A27 bei Gorinchem ist seit Samstag, 18. Juli 2026, um 17.30 Uhr für den gesamten LKW-Verkehr gesperrt. Nach Untersuchungen stellte Rijkswaterstaat fest, dass der Stahl der Bogenkonstruktion an mehreren Stellen weniger belastbar ist als bisher angenommen. Dadurch kann die konstruktive Sicherheit der Brücke für schwere Fahrzeuge nicht mehr gewährleistet werden. Pkw, Motorräder, Lieferwagen, Linienbusse und Einsatzfahrzeuge dürfen die Brücke weiterhin nutzen. Für Lastwagen gelten Umleitungen über andere Autobahnen. Gleichzeitig warnt Rijkswaterstaat wegen weiterer Bau- und Sanierungsmaßnahmen in der Region vor längeren Fahrzeiten und einer erhöhten Verkehrsbelastung auf den Ausweichstrecken.
Die Sperrung trat unmittelbar nach Bekanntgabe der Untersuchungsergebnisse in Kraft. Nach Angaben von Rijkswaterstaat besteht die Gefahr, dass die Stahlbögen der Brücke unter der Belastung durch schwere Lastkraftwagen überbeansprucht werden. In diesem Fall könnten sich Stahlplatten, aus denen die Bogenkonstruktion besteht, unter hohem Druck verformen. Um dieses Risiko auszuschließen, wurde der Verkehr für sämtliche Lastwagen untersagt. Für Pkw sowie den übrigen Straßenverkehr bleibt die Brücke geöffnet. Linienbusse und Fahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten sind ausdrücklich von dem Verbot ausgenommen.
Rijkswaterstaat begründet diese Ausnahme damit, dass die Erreichbarkeit der Region und die Einsatzfähigkeit der Rettungsdienste gewährleistet bleiben müssen. Durch den Ausschluss des Schwerverkehrs werde die Belastung der Konstruktion deutlich reduziert, ohne den öffentlichen Nahverkehr vollständig einzuschränken. Parallel dazu laufen weitere Untersuchungen, um den Zustand des Stahls genauer zu bewerten und mögliche Folgemaßnahmen festzulegen. Wann diese Untersuchungen abgeschlossen sein werden und wie lange das Fahrverbot für Lastwagen gilt, ist derzeit noch offen. Sobald neue Erkenntnisse vorliegen, will Rijkswaterstaat Verkehrsteilnehmer, Behörden, Anwohner und weitere Beteiligte informieren.
Umleitungen und zusätzliche Verkehrsbelastung
Der Schwerverkehr muss die Merwedebrücke bis auf Weiteres weiträumig umfahren. Rijkswaterstaat leitet Lastwagen über die Autobahnen A15, A16 und A59 oder alternativ über die A15, A2 und A59 um. Transporte mit Gefahrgut sollen die Route über die A2 nutzen.
Da gleichzeitig weitere Straßenbauprojekte laufen, müssen Verkehrsteilnehmer mit erheblichen Verzögerungen rechnen. Besonders genannt werden die Bauarbeiten an der Papendrechtsebrug sowie die zusätzlichen Belastungen durch den umgeleiteten Lkw-Verkehr. Rijkswaterstaat beobachtet die Verkehrslage nach eigenen Angaben kontinuierlich und will bei Bedarf weitere Verkehrsmaßnahmen ergreifen.
Weitere Untersuchungen an der Brücke
Die Merwedebrücke stammt aus den 1960er Jahren und ist eine wichtige Verbindung auf der A27 zwischen Mittel- und Südniederlande. Täglich nutzen zehntausende Fahrzeuge die Brücke, außerdem passieren Hunderte Schiffe die Boven-Merwede unter der Konstruktion.
Rijkswaterstaat führt regelmäßig Inspektionen und technische Untersuchungen durch, um die Sicherheit der Brücke sicherzustellen. Die jüngsten Materialuntersuchungen führten nun zu der Entscheidung, den Schwerverkehr auszuschließen. In den kommenden Wochen sollen weitere Analysen klären, wie sich die festgestellten Materialeigenschaften auf die Konstruktion auswirken und welche Maßnahmen erforderlich werden.
Parallel entstehen bereits zwei neue Merwedebrücken, die künftig mehr Fahrstreifen und Standstreifen erhalten sollen. Bis zu deren Fertigstellung bleibt die bestehende Brücke jedoch weiterhin in Betrieb.
Kein Einzelfall
Die Sperrung der Merwedebrücke ist kein Einzelfall. Derzeit gelten auch an mehreren anderen niederländischen Brücken Einschränkungen für schwere Fahrzeuge. Betroffen sind unter anderem die Kelperbrug über die N230, eine Brücke über den Julianakanal bei Roosteren sowie mehrere Bauwerke an den Autobahnen A44 und A20. Als Gründe werden Korrosion, Materialermüdung und begrenzte Tragfähigkeit genannt. Der Bauingenieur und Hochschullehrer Rob Nijsse sieht darin ein grundsätzliches Problem bei älteren Brücken und Viadukten. Viele dieser Bauwerke stammen aus den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren und erreichen das Ende ihrer vorgesehenen Lebensdauer. Nach Angaben des AD werden für Sanierung und Ersatz der niederländischen Infrastruktur in den kommenden 20 Jahren zusätzliche 80 Milliarden Euro benötigt. Davon entfallen 34,5 Milliarden Euro auf Bauwerke im Zuständigkeitsbereich von Rijkswaterstaat. Wegen fehlender Mittel seien bereits 22 Projekte verschoben worden.
Schäden an Viadukten in Zwolle entdeckt
Neben den Problemen an der Merwedebrücke meldete Rijkswaterstaat auch Schäden an mehreren Viadukten am Spoolderplein in Zwolle. Bei einer Inspektion am 17. Juli wurden an acht Viadukten lose Betonteile festgestellt.
Aus Vorsichtsgründen sperrte die Gemeinde Zwolle mehrere Straßen unter den Bauwerken. Der Verkehr auf der Autobahn A28 ist von den Schäden nicht betroffen und kann weiterhin ohne Einschränkungen fließen. Rijkswaterstaat untersucht derzeit das Ausmaß der Betonschäden und prüft, welche Maßnahmen notwendig sind. Wie lange die Sperrungen der darunterliegenden Straßen bestehen bleiben, ist noch nicht bekannt.
Papendrechtsebrug für neun Monate geschlossen
Seit Freitagabend ist außerdem die Papendrechtsebrug für den Straßenverkehr vollständig gesperrt. Die Sperrung dauert nach Angaben von Rijkswaterstaat bis zum 21. April 2027 und ist für die Sanierung des beweglichen Brückenteils erforderlich.
Für Fußgänger, Radfahrer, Mopeds und Roller wurden zwei kostenlose Fährverbindungen eingerichtet. Autofahrer werden über die Autobahnen A15 und A16 umgeleitet. Rijkswaterstaat empfiehlt, wenn möglich außerhalb der Hauptverkehrszeiten zu fahren oder auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.
Während der Bauarbeiten werden die bewegliche Brückenklappe, die Antriebstechnik sowie die Steuerungs- und Überwachungssysteme erneuert. Gleichzeitig finden Arbeiten am festen Brückenteil statt. Da die Papendrechtsebrug eine wichtige Verbindung für Straßenverkehr und Schifffahrt ist, rechnet Rijkswaterstaat in den kommenden Monaten mit erheblichen Einschränkungen in den Drechtsteden und den angrenzenden Regionen. Nach Angaben der Behörde müssen Verkehrsteilnehmer in den kommenden Jahren bei weiteren Brücken- und Tunnelprojekten in der Region über längere Zeiträume mit zusätzlichen Fahrzeiten von 30 bis mehr als 60 Minuten rechnen.
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