Letztes großes Knallen erwartet: Angst vor Eskalation
| von Redaktion
ROTTERDAM · Explosionsstimmung vor Silvester: In den Niederlanden verzeichnen Feuerwerkshändler eine nie dagewesene Nachfrage, weil zum Jahreswechsel 2025/2026 vermutlich letztmals privates Feuerwerk gezündet werden darf. Während sich das Land auf das bevorstehende Verkaufschaos vorbereitet, warnen Händler, Sicherheitskräfte und Politiker gleichermaßen vor einer Neujahrsnacht, die lauter, riskanter und unkontrollierbarer werden könnte als je zuvor. Laut übereinstimmenden Berichten von NOS, NH Nieuws und RTV Utrecht werden aktuell deutlich mehr und größere Bestellungen aufgegeben als in früheren Jahren, teils mit Steigerungen von bis zu 60 Prozent. Besonders besorgniserregend: Zeitgleich wird in Rotterdam die organisierte Show an der Erasmusbrücke gestrichen, die bisher als sicheres Alternativangebot galt. Experten befürchten deshalb, dass die landesweite „letzte erlaubte Knallnacht“ aus dem Ruder laufen könnte.
Die zunehmende Feuerwerkseuphorie hat das ganze Land erfasst. Nach Recherchen von NOS Stories melden 16 von 18 befragten Händlern deutlich höhere Umsätze. Besonders auffällig ist laut Bart Pronk von der Stiftung Vuurwerkdealers Nederlands Consumentenvuurwerk, dass die Bestellmengen pro Kunde um 25 bis 30 Prozent gestiegen sind. Grund sei die Unsicherheit über das geplante landesweite Verbot ab 2026. Viele Käufer sähen den Jahreswechsel 2025 als „letzte Chance“ zum eigenen Abbrennen. Auch NH Nieuws berichtet von teils absurden Bestellmengen: Einzelne Kunden ordern Feuerwerk im Wert von bis zu 2800 Euro. Der Hilversumer Händler Bas Brüll spricht von „Hamsterkäufen“ und verdoppelten Umsätzen. Seine Lager seien schon Wochen vor der offiziellen Verkaufsphase nahezu ausverkauft. Besonders problematisch: Einige Käufer wollen Vorräte für mehrere Jahre anlegen, was nach Einschätzung von Fachleuten erhebliche Sicherheitsrisiken birgt.
Händler schlagen Alarm
Auch in der Provinz Utrecht beobachten Verkäufer laut RTV Utrecht eine extreme Nachfrage. Coen van der Wind von „XL Vuurwerk“ spricht von einer Verdopplung der Bestellungen im Vergleich zu früheren Jahren. Viele Händler erweitern ihre Lagerkapazitäten oder stellen zusätzliches Personal ein. Werbung wie „Letztes Jahr zum Knallen!“ befeuert den Run zusätzlich. Thom Waardenburg von Vuurwerkland in Amersfoort erwartet, dass die Nachfrage bis Ende Dezember noch einmal massiv steigt. In vielen Städten gilt bereits ein kommunales Abbrennverbot, doch der Verkauf selbst bleibt legal – ein Umstand, der die Situation weiter anheizt.
Rotterdam ohne Alternative
Besonders brisant ist die Lage in Rotterdam, wo laut AD das traditionelle Nationaal Vuurwerk an der Erasmusbrug wegen Sparmaßnahmen gestrichen wurde. Oppositionsparteien fordern die Wiederbelebung des Events, da es als sicheres Gegengewicht zum privaten Abbrennen galt. Der Augenarzt Tjeerd de Faber, langjähriger Befürworter eines Verbots, zeigt sich entsetzt: „Ich halte mein Herz fest. Menschen denken, es ist das letzte Mal, dass es erlaubt ist.“ Auch die Sicherheitsregion warnt vor einem erhöhten Einsatzaufkommen. Gastronomen und Hoteliers kritisieren die Entscheidung als „bizarre Fehlplanung“, weil die Show bislang zehntausende Besucher unter kontrollierten Bedingungen anzog.
Sorge vor illegalem Feuerwerk
Sollte das nationale Verbot tatsächlich 2026 greifen, dürfen künftig nur noch Gemeinden mit Genehmigung Feuerwerke veranstalten. Viele Händler erwarten laut NOS eine Verlagerung in den Schwarzmarkt oder ins Ausland. Der Wegfall zentraler Shows könnte diesen Trend verstärken. Besonders in Grenzregionen sei mit erhöhter Beschaffung von illegalem Feuerwerk zu rechnen. Fachleute und Sicherheitsbehörden sehen daher eine riskante Mischung aus Abschiedsstimmung, fehlenden Alternativen und wachsender Ungeduld.
Die bevorstehende Silvesternacht dürfte damit zur lautesten seit Jahren werden. Händler warnen vor Engpässen, die Polizei bereitet sich auf Ausnahmezustände vor, und Politiker fürchten um die Glaubwürdigkeit des kommenden Verbots. Ein Land, das sich traditionell gern in buntem Rauch verliert, könnte in der Neujahrsnacht noch einmal im wahrsten Sinne explodieren.
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