Kokainring flog grenzüberschreitend auf
| von Redaktion
FRANKFURT AM MAIN · Niederlande/Deutschland Die Ermittlungsbehörden in Deutschland und den Niederlanden haben einen mutmaßlich international operierenden Kokainring ins Visier genommen. Bei einer groß angelegten Aktion wurden am Dienstag insgesamt 27 Wohn- und Geschäftsräume in Hessen, Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden durchsucht. Drei Tatverdächtige wurden in Herborn, Amersfoort und Assen festgenommen. Zwei weitere Beschuldigte befanden sich bereits in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main sollen die Verdächtigen Teil einer Organisation gewesen sein, die über einen längeren Zeitraum Kokain aus Südamerika nach Europa geschmuggelt haben soll. Der Fall zeigt die enge Verflechtung organisierter Kriminalität über Landesgrenzen hinweg sowie die zunehmende Zusammenarbeit deutscher und niederländischer Ermittlungsbehörden bei der Bekämpfung internationaler Drogennetzwerke.
Die Ermittlungen werden seit Februar 2025 von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift des Zollfahndungsamts Frankfurt am Main und des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main geführt. Unterstützt wurden die Ermittlungen durch das Gemeinsame Finanzermittlungszentrum von Justiz, Polizei und Finanzbehörden. Nach Angaben der Behörden richtet sich das Verfahren inzwischen gegen 20 Beschuldigte. Im Mittelpunkt steht der Verdacht, dass eine international agierende kriminelle Organisation zwischen Juni 2024 und Januar 2026 Kokain in großem Umfang aus Südamerika nach Deutschland gebracht haben soll.
Die Lieferungen sollen insbesondere aus Brasilien und Kolumbien gekommen sein. Nach bisherigen Erkenntnissen nutzte die Organisation sowohl Luftfracht als auch Containerschiffe, um die Drogen nach Europa zu transportieren. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter gezielt bestehende Unternehmen in Deutschland übernommen haben. Betroffen gewesen sein sollen Firmen in Braunschweig, Isernhagen, Karben und Dreieich. Diese Unternehmen sollen anschließend als Scheinfirmen genutzt worden sein. Dabei sollen Strohpersonen als Geschäftsführer eingesetzt worden sein, um die tatsächlichen Verantwortlichen zu verschleiern. Durch den Import legaler Waren sollen die Kokainlieferungen verborgen und der Schmuggel organisiert worden sein. Die Ermittlungen führten schließlich zu den nun durchgeführten Durchsuchungen und Festnahmen in Deutschland und den Niederlanden.
Vier große Kokaintransporte gestoppt
Nach Angaben der Ermittlungsbehörden konnten zwischen Februar 2025 und Januar 2026 insgesamt vier Kokainlieferungen abgefangen werden, die mutmaßlich der Organisation zugeordnet werden. Die Sicherstellungen erfolgten in Luxemburg, Kolumbien und Hamburg. Insgesamt beschlagnahmten Zoll und Polizei dabei rund 2,5 Tonnen Kokain. Den Straßenverkaufswert beziffern die Ermittler auf etwa 180 Millionen Euro. Die Behörden sehen darin einen wesentlichen Teil der mutmaßlichen Aktivitäten der Gruppierung. Die Ermittlungen zu weiteren möglichen Transporten dauern an.
Festnahmen in Deutschland und den Niederlanden
Bei den aktuellen Maßnahmen wurden ein 59-jähriger und ein 56-jähriger niederländischer Staatsangehöriger sowie ein 53-jähriger türkischer Staatsangehöriger festgenommen. Gegen sie lagen nationale beziehungsweise europäische Haftbefehle vor. Bereits zuvor waren im Zusammenhang mit demselben Ermittlungskomplex ein 57-jähriger deutsch-türkischer Staatsangehöriger und ein 26-jähriger bulgarischer Staatsangehöriger in Untersuchungshaft genommen worden. Gegen diese beiden Beschuldigten wurden nun zusätzliche Überhaftbefehle erlassen. Die deutschen Behörden haben die niederländischen Strafverfolgungsbehörden um die Auslieferung der beiden in den Niederlanden festgenommenen Verdächtigen ersucht.
Unterschiedliche Rollen innerhalb der Organisation
Den Ermittlern zufolge sollen die Beschuldigten innerhalb der mutmaßlichen Organisation unterschiedliche Aufgaben übernommen haben. Der 57-jährige und der 56-jährige Beschuldigte gelten nach den bisherigen Erkenntnissen als führende Mitglieder. Ihnen wird vorgeworfen, mehrere Kokaintransporte mitorganisiert und den Handel mit Kokain in nicht geringer Menge bandenmäßig betrieben zu haben. Der 59-jährige niederländische Beschuldigte soll als Gesellschafter und Geschäftsführer von eingesetzten Scheinfirmen tätig gewesen sein. Dem 53-jährigen Beschuldigten wird eine Rolle im Bereich Logistik zugeschrieben. Der 26-jährige Bulgare soll für die Organisation der Entladung der Drogen verantwortlich gewesen sein. Die Ermittlungsbehörden werfen den Beschuldigten vor, in wechselnden Zusammensetzungen an den einzelnen Schmuggelvorgängen mitgewirkt zu haben.
Umfangreiche Zusammenarbeit der Behörden
Die Durchsuchungs- und Festnahmeaktionen wurden in enger Abstimmung mit den niederländischen Ermittlungsbehörden durchgeführt. Mehr als 120 Beamte des Zollfahndungsamts Frankfurt am Main, des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main sowie des Gemeinsamen Finanzermittlungszentrums waren an den Maßnahmen beteiligt. Bei den Durchsuchungen wurden zahlreiche Beweismittel sichergestellt, die nun ausgewertet werden. Die festgenommenen Beschuldigten in Deutschland werden den zuständigen Haftrichtern vorgeführt. Diese entscheiden über die Anordnung beziehungsweise Fortdauer der Untersuchungshaft. Die Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main dauern an.
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