Jetten entschuldigt sich bei Molukkern
| von Redaktion
ROTTERDAM · Historische Anerkennung nach 75 Jahren: Die niederländische Regierung hat sich erstmals offiziell bei der molukkischen Gemeinschaft für die Behandlung der ersten Generation von Molukkern entschuldigt, die 1951 in die Niederlande kamen. Ministerpräsident Rob Jetten sprach die Entschuldigung am Sonntag bei der Einweihung des Nationalen Molukkischen Denkmals Ulu Kora an der Lloydkade in Rotterdam aus. Er entschuldigte sich im Namen der Regierung für die Entlassung der ehemaligen KNIL-Soldaten, die mangelhafte Unterbringung und Betreuung sowie das Gefühl, von Staat und Gesellschaft nicht gesehen worden zu sein. Die Erklärung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem noch Vertreter der ersten Generation leben. Gleichzeitig kündigte Jetten an, dass die Aufarbeitung der Geschichte fortgesetzt werden soll und die molukkische Gemeinschaft dabei eine wichtige Rolle spielen werde. Das Denkmal erinnert an die Ankunft der ersten Molukker und ihre Familien in den Niederlanden.
75 Jahre nach der Ankunft der ersten molukkischen Familien in den Niederlanden hat die Regierung offiziell um Entschuldigung gebeten. Ministerpräsident Rob Jetten erklärte bei der Einweihung des Nationalen Molukkischen Denkmals Ulu Kora in Rotterdam, dass der ersten Generation historisches Unrecht widerfahren sei. Die Entschuldigung richtet sich insbesondere ehemaligen Soldaten des Königlich Niederländisch-Indischen Heeres (KNIL) und ihre Familien, die nach dem Indonesischen Unabhängigkeitskrieg in die Niederlande gebracht wurden. Jetten nannte ausdrücklich die „herzlose und ehrlose Entlassung“ der Soldaten aus dem Militärdienst, die mangelhafte Aufnahme und Unterbringung, das Ausbleiben von Anerkennung sowie das unerfüllte Verlangen vieler Betroffener nach einer Rückkehr in die Heimat. Zudem sprach er von dem Leid und den Schmerzen, die über Generationen hinweg in vielen molukkischen Familien fortbestanden hätten.
Die Anwesenden reagierten laut NOS mit Applaus und Jubel auf die Erklärung des Regierungschefs. Jetten betonte, dass die Entschuldigung nicht das Ende des Prozesses sei. Vielmehr erhalte sie ihren eigentlichen Wert erst durch die Schritte, die darauf folgen. Wie diese konkret aussehen sollen, ließ der Ministerpräsident offen. Er erklärte jedoch, dass die molukkische Gemeinschaft in den Niederlanden bei der weiteren Ausgestaltung eine bedeutende Stimme haben werde. Zudem kündigte er weitere historische Untersuchungen an. Ziel sei es, besser zu verstehen, was den Ereignissen von 1951 vorausging, was nach der Ankunft geschah und wie die damaligen Entscheidungen über Jahrzehnte hinweg das Leben vieler Menschen beeinflusst haben.
Denkmal erinnert an Ankunft der ersten Generation
Das neue Nationale Molukkische Denkmal Ulu Kora befindet sich an der Lloydkade in Rotterdam. Dieser Ort hat für die molukkische Gemeinschaft eine besondere Bedeutung, weil dort zahlreiche KNIL-Militärangehörige und ihre Familien nach ihrer Ankunft in den Niederlanden an Land gingen.
In seiner Rede bezeichnete Jetten das Denkmal als Ehrung für die Tausenden Molukker, die davon ausgingen, nur vorübergehend in die Niederlande zu kommen. Viele hofften auf eine rasche Rückkehr. Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht. Nach den Worten des Ministerpräsidenten blieben zahlreiche Menschen entwurzelt und ohne echte Heimat zurück. Das Denkmal solle die Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sichtbar machen und zugleich kommenden Generationen die Geschichte der molukkischen Gemeinschaft näherbringen.
Hintergrund der Ankunft 1951
Viele molukkische Berufssoldaten hatten während des Indonesischen Unabhängigkeitskrieges zwischen 1945 und 1949 auf niederländischer Seite gekämpft. Nach dem Ende des Konflikts konnten zahlreiche von ihnen nicht mehr auf die Molukken zurückkehren. Die niederländische Regierung entschied daraufhin, rund 12.500 Molukker und ihre Familien in die Niederlande zu bringen.
Dort wurden die ehemaligen Soldaten unmittelbar aus dem Militärdienst entlassen. Nach Angaben der verschiedenen Quellen erfolgte die Unterbringung unter schwierigen Bedingungen. Viele Familien wurden in ehemaligen deutschen Konzentrationslagern wie Westerbork und Vught untergebracht. Der Aufenthalt war ursprünglich als vorübergehende Lösung gedacht. Eine Rückkehr erfolgte jedoch nicht, wodurch sich Frustration, Enttäuschung und das Gefühl des Verrats über Jahre hinweg verstärkten.
Geschichte nicht auf Geiselnahmen reduzieren
In seiner Ansprache warnte Jetten davor, die Geschichte der molukkischen Gemeinschaft auf die Geiselnahmen und Zugentführungen der 1970er Jahre zu reduzieren. Diese Ereignisse hätten sich tief in das kollektive Gedächtnis der Niederlande eingebrannt. Dennoch werde dadurch häufig die breitere Geschichte und der Beitrag molukkischer Niederländer zur Gesellschaft übersehen.
Der Regierungschef hob hervor, dass Menschen mit molukkischen Wurzeln über Generationen hinweg einen wichtigen Beitrag zur niederländischen Gesellschaft geleistet hätten. Die Geschichte der Gemeinschaft sei deshalb weit mehr als die Erinnerung an einzelne dramatische Vorfälle. Mit den Worten „Sie werden gesehen“ richtete sich Jetten direkt an die anwesenden Vertreter der molukkischen Gemeinschaft und machte diese Botschaft zum zentralen Thema seiner Rede.
RMS-Präsident fordert Rückgabe von Soumokils sterblichen Überresten
Im Vorfeld der Denkmalenthüllung richtete auch RMS-Präsident John Wattilete das Wort an die Anwesenden, schreibt das Haarlems Dagblad. Dabei forderte er die Rückgabe der sterblichen Überreste von Christiaan Soumokil, dem zweiten Präsidenten der Republik der Südmolukken (RMS).
Wattilete verwies darauf, dass Soumokil am 12. April 1966 nach einem Urteil eines Militärgerichts in Indonesien hingerichtet wurde. Bis heute sei nicht bekannt, wo er begraben wurde. Besonders hob er das Schicksal von Soumokils inzwischen 92-jähriger Witwe hervor, die nach seinen Angaben seit 61 Jahren auf die Rückgabe der sterblichen Überreste ihres Mannes wartet. Wattilete bezeichnete die Angelegenheit als schmerzhaft für das molukkische Volk und verwies auf das Leid, das die Hinrichtung über mehrere Generationen hinweg verursacht habe.
Weitere Schritte sollen gemeinsam festgelegt werden
Jetten machte deutlich, dass die Entschuldigung nicht als Abschluss verstanden werden dürfe. Nach seinen Worten müsse zunächst weiteres historisches Wissen gesammelt werden, um die Ereignisse und ihre Auswirkungen vollständig aufzuarbeiten. Erst auf dieser Grundlage könne entschieden werden, welche weiteren Maßnahmen erforderlich und angemessen seien.
Zugleich versprach der Ministerpräsident die Unterstützung des gesamten Kabinetts bei diesem Prozess. Ziel sei es, die Geschichte der molukkischen Gemeinschaft in den Niederlanden stärker anzuerkennen und dafür zu sorgen, dass sich die Erfahrungen der ersten Generation nicht erneut in Vergessenheit geraten.
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