Information

einfach auf den Punkt gebracht

Iran Krieg: Gaspreise explodieren

| von Redaktion

Archivbild | Foto: HOLLAND.guide
Archivbild | Foto: HOLLAND.guide

AMSTERDAM · Dramatische Energiepreisentwicklung in Europa: Die Energiepreise reagieren heftig auf die eskalierende Lage im Nahen Osten. Am Montagmorgen schoss der Gaspreis auf der führenden europäischen Handelsplattform in Amsterdam innerhalb kurzer Zeit um rund 30 Prozent auf etwa 69 Euro pro Megawattstunde. Gleichzeitig kletterte der Ölpreis erstmals seit dem Sommer 2022 wieder über die Marke von 100 Dollar pro Barrel. Hintergrund sind die militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA, Israel und dem Iran sowie Angriffe und Blockaden im Persischen Golf. Die Situation sorgt für große Unsicherheit auf den Energiemärkten und lässt sowohl Gas als auch Öl deutlich teurer werden. Mehrere Länder beraten bereits über Gegenmaßnahmen, während Experten vor möglichen Folgen für Verbraucher, Industrie und Energieverträge warnen.

Die europäischen Energiemärkte reagieren äußerst sensibel auf geopolitische Spannungen im Nahen Osten. Der Gaspreis sprang zum Wochenstart auf der maßgeblichen Gasbörse in Amsterdam deutlich nach oben. So lag der Preis zu Handelsbeginn rund 30 Prozent höher als zuvor und erreichte etwa 69 Euro pro Megawattstunde. Kurz nach Handelsstart sank der Preis zwar wieder leicht auf rund 64 Euro, blieb damit aber deutlich über dem Niveau der vergangenen Tage, wie NU.nl berichtet.

Parallel dazu steigen auch die Ölpreise kräftig. Der Preis für amerikanisches Öl der Sorte West Texas Intermediate kletterte kurzfristig auf über 109 Dollar pro Barrel. Auch Brent Rohöl, die wichtigste Referenz für Öl aus dem Nahen Osten, liegt inzwischen bei mehr als 110 Dollar pro Barrel. Das bedeutet einen Anstieg von rund 19 Prozent. Ein Preisniveau von über 100 Dollar wurde zuletzt im Sommer 2022 erreicht.

Die Energiepreise stehen in direktem Zusammenhang mit der militärischen Eskalation rund um den Iran. Seit den amerikanisch israelischen Angriffen auf iranische Ziele und den darauf folgenden Gegenangriffen steigen die Preise an den internationalen Rohstoffmärkten deutlich. Insbesondere die Unsicherheit über Öl und Gaslieferungen sorgt für große Nervosität auf den Energiemärkten. Iran blockiert seit Beginn der Eskalation wichtige Transportwege und greift Ziele in der Region an, wodurch die Versorgungslage zunehmend unsicher wird.

Straat van Hormuz als kritischer Engpass

Eine zentrale Rolle spielt die strategisch extrem wichtige Straße von Hormus. Diese Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean und gehört zu den wichtigsten Energie Transportwegen der Welt. Iran blockiert diese Passage seit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen.

Durch diese Meerenge verlaufen große Teile der internationalen Öl und Gastransporte. Etwa 20 Prozent der weltweiten Gaslieferungen "fließen" durch diese Route. Wenn Tanker diese Passage nicht mehr sicher nutzen können, wirkt sich das unmittelbar auf die weltweiten Energiemärkte aus.

Zusätzlich hat sich die Situation weiter verschärft, weil Iran laut Berichten Raffinerien und Energieanlagen in mehreren Ländern der Region mit Raketen und Drohnen angegriffen hat. Auch Tankerunternehmen reagieren zunehmend vorsichtig und vermeiden Fahrten durch das gefährliche Gebiet. Dadurch entstehen massive Transportprobleme für Öl und Gas aus der Region.

Einbruch der Ölproduktion im Irak

Neben den Transportproblemen wirkt sich auch ein deutlicher Rückgang der Ölproduktion im Irak auf die Preise aus. Wie AD und de Volkskrant berichten, ist die Produktion dort um rund 60 Prozent eingebrochen.

Vor Beginn der aktuellen militärischen Eskalation produzierte der Irak etwa 4,3 Millionen Barrel Öl pro Tag. Derzeit liegt die Förderung laut den Berichten nur noch bei etwa 1,7 bis 1,8 Millionen Barrel täglich. Ursache ist vor allem, dass aufgrund der Sicherheitslage zu wenige Tanker verfügbar sind, um das Öl auszuführen.

Viele Schiffe liegen derzeit in Häfen im Nahen Osten oder vermeiden die Passage durch gefährliche Seegebiete. Dadurch staut sich die Produktion und wichtige Exportströme kommen ins Stocken.

Energiepreise könnten weiter steigen

Die steigenden Preise könnten sich in den kommenden Wochen weiter verstärken. Der Energieminister von Katar warnte bereits, dass der Ölpreis in diesem Monat sogar bis auf 150 Dollar pro Barrel steigen könnte.

Auch internationale Institutionen beobachten die Entwicklung aufmerksam. Die G7 Staaten diskutieren derzeit über mögliche Maßnahmen zur Stabilisierung der Energiemärkte. Eine Option wäre das Freigeben strategischer Ölreserven, die durch die International Energy Agency verwaltet werden.

Solche Maßnahmen wurden in der Vergangenheit bereits mehrfach genutzt, etwa während der Golfkrise 1991, nach dem Hurrikan Katrina im Jahr 2005 oder während der Libyen Krise im Jahr 2011. Ziel solcher Eingriffe ist es, extreme Preissprünge auf den globalen Märkten zu dämpfen.

Folgen für Verbraucher und Industrie

Die steigenden Energiepreise haben direkte Auswirkungen auf Verbraucher und Unternehmen. Die Preissteigerungen treffen vor allem Haushalte mit dynamischen Energieverträgen, bei denen sich die Preise täglich ändern können.

In den vergangenen Wochen wechselten laut dem Bericht viele Kunden deshalb wieder zu festen Energieverträgen mit einer Laufzeit von einem Jahr. Einige Energieanbieter hatten solche Verträge zeitweise sogar aus dem Markt genommen, weil sie selbst zu hohen Preisen einkaufen mussten.

Neben den Haushalten trifft die Entwicklung auch energieintensive Industrien besonders stark. Höhere Gaspreise verteuern die Stromproduktion, da in vielen europäischen Ländern ein großer Teil des Stroms weiterhin mit Gas erzeugt wird, wie de Volkskrant berichtet.

Zudem steigen durch die höheren Energiepreise auch die Kosten für viele Rohstoffe und industrielle Produktionsprozesse. Händler gehen derzeit nicht davon aus, dass sich die Situation kurzfristig entspannt.


In eigener Sache

Bitte unterstütze uns

Unsere Aktivitäten und diese Webseite bieten wir kostenlos an. Wir tun dies gerne und freiwillig. Um unseren Service weiterhin anbieten zu können, schalten wir Werbung und nutzen Affiliate-Links. Deine Unterstützung, sei es durch Mitarbeit oder eine Spende in Höhe einer Tasse Kaffee über PayPal, ist uns sehr willkommen und hilft uns enorm.

Vielen Dank dafür!


Zurück zur Newsübersicht

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 3 plus 3.

Weitere Nachrichten