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Immer mehr Vergiftungen durch Abnehmspritzen

| von Redaktion

Image by kalhh from Pixabay
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UTRECHT · Die Zahl der gemeldeten Vergiftungen durch injizierbare Abnehmmittel hat sich innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt. Das geht aus dem Jahresüberblick 2025 des Nationaal Vergiftigingen Informatie Centrum (NVIC) des UMC Utrecht hervor. Besonders besorgniserregend ist nach Angaben des Zentrums der zunehmende Einsatz nicht verschriebener oder in den Niederlanden gar nicht zugelassener Präparate. Vor allem Produkte aus dem Internet sowie experimentelle Wirkstoffe bereiten den Fachleuten Sorgen. Das NVIC warnt vor akuten Vergiftungen, aber auch vor möglichen langfristigen Gesundheitsschäden. Experten appellieren deshalb, Abnehmmedikamente ausschließlich unter ärztlicher Begleitung zu verwenden und von selbst beschafften Präparaten Abstand zu nehmen.

2025 registrierte das Nationaal Vergiftigingen Informatie Centrum insgesamt 149 Meldungen über Vergiftungen im Zusammenhang mit injizierbaren Abnehmmitteln. Im Vorjahr waren es noch 76 Fälle gewesen. Das Zentrum weist darauf hin, dass die tatsächliche Zahl höher liegen dürfte, da nicht alle Betroffenen einen Arzt aufsuchen und behandelnde Ärzte das NVIC nicht in jedem Fall kontaktieren. Rund 40 Prozent der gemeldeten Vergiftungen standen im Zusammenhang mit Medikamenten, die ohne ärztliche Verschreibung verwendet wurden. Betroffen waren unter anderem Präparate mit den Wirkstoffen Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid.

Das NVIC sieht darin eine besorgniserregende Entwicklung, da immer mehr Menschen eigenständig Abnehmmittel erwerben und anwenden. Nach Schätzungen nutzen inzwischen mehr als 80.000 Menschen in den Niederlanden Medikamente zur Gewichtsreduktion. Neben zugelassenen Arzneimitteln, die unter ärztlicher Aufsicht wirksam eingesetzt werden können, gelangen zunehmend auch nicht kontrollierte Produkte in Umlauf. Das Vergiftungszentrum betont, dass gerade diese Mittel erhebliche Risiken bergen können.

Sorge um nicht zugelassene Präparate

Besondere Aufmerksamkeit richtet das NVIC auf den Wirkstoff Retatrutid, der umgangssprachlich auch als "Triple G" bezeichnet wird. Das Mittel ist in den Niederlanden bislang nicht als Arzneimittel zugelassen und kann daher nicht ärztlich verschrieben werden. Dennoch gingen beim Vergiftungszentrum 2025 bereits sechs Meldungen über Vergiftungen mit diesem Präparat ein. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 wurden bereits zwölf weitere Fälle registriert.

Nach Angaben des UMC Utrecht handelt es sich um eine besonders leistungsstarke Variante von Abnehmmitteln. Ohne medizinische Begleitung könne es leicht zu einer Überdosierung kommen. Diese könne sowohl kurzfristige als auch langfristige gesundheitliche Folgen haben.

Akute und langfristige Gesundheitsrisiken

Nach Angaben des NVIC entstehen Vergiftungen entweder durch eine zu hohe Aufnahme eines Wirkstoffs oder durch schädliche beziehungsweise verbotene Bestandteile in den verwendeten Präparaten. Zu den akuten Beschwerden zählen unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Herzrasen und Bluthochdruck. In schweren Fällen kann es zu Austrocknung sowie zu Leber- oder Nierenversagen kommen.

Darüber hinaus warnt das Vergiftungszentrum auch vor möglichen langfristigen Schäden. Diese könnten unter anderem Leber, Nieren oder das Nervensystem betreffen. Nach Einschätzung des NVIC ist die Liste möglicher Gesundheitsrisiken bei im Internet bestellten Produkten sehr umfangreich.

Internetkäufe und soziale Medien als Risiko

Nach Einschätzung der Experten erwerben immer mehr Menschen Abnehmmittel außerhalb des regulären Gesundheitssystems. Teilweise werden Präparate über Internetseiten verkauft, die sie lediglich für Forschungszwecke anbieten. Nach Angaben des UMC Utrecht handelt es sich dabei um einen rechtlichen Graubereich. Solche Produkte seien nicht auf Reinheit geprüft und könnten schädliche Abbauprodukte enthalten.

Hinzu kommt nach Einschätzung der Fachleute der Einfluss sozialer Medien. Viele Menschen orientierten sich eher an Influencern oder Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld als an medizinischer Beratung. Nach Angaben des NVIC wissen manche Nutzer nicht einmal genau, welchen Wirkstoff sie sich tatsächlich injizieren.

Appell der Experten

Die Fachleute des UMC Utrecht betonen, dass zugelassene Abnehmmedikamente grundsätzlich wirksam sein können, wenn sie unter ärztlicher Begleitung eingesetzt werden. Gleichzeitig warnen sie eindringlich davor, Medikamente eigenständig über das Internet zu beschaffen oder trotz ärztlicher Abratung anzuwenden.

Das NVIC fordert deshalb mehr Aufklärung über die Risiken nicht zugelassener Präparate und hält auch einen Dialog mit Influencern für sinnvoll, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Ziel sei es, schwere Vergiftungen und dauerhafte Gesundheitsschäden zu verhindern.

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