Information

einfach auf den Punkt gebracht

Im Notfall: So funktioniert 112

| von Redaktion

Archivbild | Quelle: HOLLAND.guide
Archivbild | Quelle: HOLLAND.guide

DEN HAAG · Ob Verkehrsunfall, medizinischer Notfall oder Brand – in den Niederlanden gilt wie in Deutschland die europaweite Notrufnummer 112. Sie verbindet Anrufende rund um die Uhr mit der Notrufzentrale und alarmiert je nach Situation Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst. Gerade für Urlauber und Grenzgänger ist das beruhigend: Auch ohne Niederländischkenntnisse kann im Ernstfall schnell Hilfe angefordert werden. Wichtig ist jedoch, den Notruf ausschließlich in echten Notfällen zu wählen. Für weniger dringende Anliegen gibt es in den Niederlanden andere Anlaufstellen und Telefonnummern.

Wer in den Niederlanden die 112 wählt, wird zunächst mit einer landesweiten Notrufzentrale verbunden. Dort fragt die Disponentin oder der Disponent zunächst, welche Hilfe benötigt wird – Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst. Anschließend werden der genaue Notfallort und die Art des Ereignisses abgefragt. Bleiben Anrufende ruhig und beantworten die Fragen möglichst präzise, können die Einsatzkräfte schneller und gezielter alarmiert werden. Die Mitarbeitenden in den Leitstellen sind darauf geschult, auch unter Stress die wichtigsten Informationen strukturiert zu erfassen und gegebenenfalls telefonische Anweisungen zu geben, bis die Einsatzkräfte eintreffen.

Hilfe auch auf Deutsch oder Englisch

Viele deutsche Urlauber fragen sich, ob sie im Notfall Niederländisch sprechen müssen. Die Antwort lautet: Nein. Die Leitstellen können in der Regel auf Englisch kommunizieren, und insbesondere in den grenznahen Regionen sprechen viele Mitarbeitende oder zugeschaltete Kolleginnen und Kollegen auch Deutsch. Wer kein Niederländisch spricht, sollte dies gleich zu Beginn des Gesprächs deutlich sagen und anschließend möglichst ruhig den Notfall schildern.

Wann sollte 112 gewählt werden?

Die Notrufnummer 112 ist ausschließlich für akute Notfälle gedacht, bei denen Menschenleben in Gefahr sind oder sofortige Hilfe benötigt wird. Dazu gehören unter anderem:

  • schwere Verkehrsunfälle
  • Herzinfarkt oder Schlaganfall
  • Bewusstlosigkeit
  • schwere Verletzungen
  • Brände
  • Gasgeruch oder Explosionen
  • Einbrüche oder Gewalttaten, wenn sie gerade stattfinden
  • Situationen, in denen Menschen unmittelbar bedroht werden

Keine Notfälle sind dagegen allgemeine Auskünfte, kleinere Sachschäden oder medizinische Beschwerden, die bis zum nächsten Arztbesuch warten können.

Was passiert nach dem Anruf?

Sobald alle wichtigen Informationen vorliegen, werden die zuständigen Einsatzkräfte alarmiert. Während diese bereits unterwegs sind, bleibt die Leitstelle bei Bedarf am Telefon. Gerade bei medizinischen Notfällen erhalten Anrufende häufig konkrete Anweisungen – beispielsweise zur Herz-Lungen-Wiederbelebung oder zur stabilen Seitenlage. Diese telefonische Anleitung kann bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes lebensrettend sein.

Standort wird häufig automatisch übermittelt

Wer mit einem modernen Mobiltelefon den Notruf wählt, profitiert in vielen Fällen von der sogenannten Advanced Mobile Location (AML). Dabei übermittelt das Smartphone – sofern technisch möglich – den Standort automatisch und deutlich genauer als über die Mobilfunkzelle allein. Das kann wertvolle Zeit sparen, wenn sich der Notfall beispielsweise in einem Waldgebiet, auf einem Radweg oder an einem Strand ereignet und der genaue Standort nicht bekannt ist.

Trotzdem sollte der Aufenthaltsort möglichst genau beschrieben werden. Straßennamen, Hausnummern, markante Gebäude oder Kilometerangaben helfen den Einsatzkräften zusätzlich.

Was gilt für Touristen?

Auch Urlauber benötigen keine niederländische SIM-Karte, um den Notruf zu wählen. Die 112 funktioniert mit jedem Mobiltelefon über jedes verfügbare Mobilfunknetz. Selbst wenn das eigene Gerät keinen Empfang beim eigenen Anbieter hat, wird – sofern technisch möglich – automatisch ein anderes verfügbares Netz genutzt.

Innerhalb der Europäischen Union ist die 112 zudem überall dieselbe Notrufnummer. Wer also regelmäßig zwischen Deutschland und den Niederlanden unterwegs ist, muss sich keine unterschiedlichen Nummern merken.

Wenn kein Notfall vorliegt

Nicht jede gesundheitliche Beschwerde erfordert einen Rettungswagen. Außerhalb der regulären Sprechzeiten von Hausärzten gibt es in den Niederlanden die sogenannten Huisartsenposten. Dort werden medizinische Beschwerden behandelt, die zwar dringend sind, aber keinen lebensbedrohlichen Notfall darstellen. In vielen Fällen erfolgt zunächst eine telefonische Einschätzung, bevor ein Termin vereinbart wird.

Für polizeiliche Angelegenheiten ohne akute Gefahr – etwa nach einem Diebstahl oder bei einer Sachbeschädigung – steht landesweit die Telefonnummer 0900-8844 zur Verfügung. Die Feuerwehr ist in nicht dringenden Fällen unter 0900-0904 erreichbar. Diese Rufnummern ersetzen jedoch niemals den Notruf bei einer aktuellen Gefahrensituation.

Missbrauch kann teuer werden

Wer die 112 ohne echten Notfall wählt oder die Leitstelle vorsätzlich blockiert, muss mit Konsequenzen rechnen. Neben Geldbußen können in schweren Fällen auch strafrechtliche Folgen drohen. Jede unnötige Belegung einer Notrufleitung kann dazu führen, dass Menschen in echten Notlagen wertvolle Zeit verlieren.

Nützliche Apps für mehr Sicherheit

Wer sich häufiger in den Niederlanden aufhält oder dort Urlaub macht, kann sein Smartphone mit einigen kostenlosen Apps sinnvoll ergänzen. Besonders hilfreich sind die Apps 112NL, NL-Alert und Burgernet.

Die App 112NL erleichtert den Kontakt mit der Notrufzentrale. Sie übermittelt bei einem Notruf automatisch zusätzliche Standortdaten und ermöglicht – falls notwendig – auch die Kommunikation per Chat. Das ist insbesondere dann hilfreich, wenn jemand nicht sprechen kann oder eine Sprachbarriere besteht. Die App steht kostenlos im Google Play Store sowie im Apple App Store zum Download bereit.

Ebenfalls empfehlenswert ist die NL-Alert-App. Über das niederländische Warnsystem erhalten Nutzerinnen und Nutzer bei akuten Gefahrenlagen – etwa Großbränden, Unwettern, Gefahrstoffaustritten oder anderen außergewöhnlichen Ereignissen – offizielle Warnmeldungen direkt auf ihr Smartphone. Diese enthalten meist konkrete Handlungsempfehlungen, beispielsweise Fenster und Türen geschlossen zu halten oder ein bestimmtes Gebiet zu meiden. Unabhängig von der App werden NL-Alerts bei modernen Smartphones in der Regel auch per Cell Broadcast empfangen. Die App bietet jedoch zusätzliche Informationen und eine Übersicht vergangener Warnmeldungen.

Mit der kostenlosen App Burgernet können Bürgerinnen und Bürger die Polizei bei der Suche nach vermissten Personen, flüchtigen Tatverdächtigen oder gestohlenen Fahrzeugen unterstützen. Befindet sich ein entsprechender Vorfall in der Nähe des eigenen Standorts, informiert die App über eine Suchaktion und bittet – sofern möglich – um Hinweise. Die Teilnahme ist freiwillig und erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Polizei und Kommunen.

Alle drei Anwendungen sind kostenlos für Android und iPhone erhältlich und können direkt über den jeweiligen App-Store installiert werden.

Das sollten Sie sich merken

Die Notrufnummer 112 gilt in den Niederlanden rund um die Uhr für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst. Deutschsprachige Urlauber können den Notruf auch ohne Niederländischkenntnisse nutzen. Wichtig ist, ruhig zu bleiben, den Standort möglichst genau zu nennen und die Fragen der Leitstelle zu beantworten. Für medizinische Beschwerden ohne Lebensgefahr oder polizeiliche Anliegen ohne akute Gefahr stehen andere Ansprechpartner zur Verfügung.

Weitere Informationen rund um Notfälle, Warnsysteme und die persönliche Vorsorge finden Sie auch in unserem Artikel „Sicherheit in den Niederlanden“.

 

In eigener Sache

Bitte unterstütze uns

Unsere Aktivitäten und diese Webseite bieten wir kostenlos an. Wir tun dies gerne und freiwillig. Um unseren Service weiterhin anbieten zu können, schalten wir Werbung und nutzen Affiliate-Links. Deine Unterstützung, sei es durch Mitarbeit oder eine Spende in Höhe einer Tasse Kaffee über PayPal, ist uns sehr willkommen und hilft uns enorm.

Vielen Dank dafür!


Zurück zur Newsübersicht

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 8 plus 2.

Weitere Nachrichten