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Hunderte protestieren in Holwerd gegen Gas

| von Redaktion

Holwerd: Bekannt wegen der Fährverbindung nach Ameland. | Foto: HOLLAND.guide
Holwerd: Bekannt wegen der Fährverbindung nach Ameland. | Foto: HOLLAND.guide

HOLWERD · Am Samstag haben sich im friesischen Holwerd Hunderte Menschen zu einer Demonstration gegen die geplante Gasförderung unter der Waddenzee versammelt. Umweltorganisationen warnen vor erheblichen Risiken für das UNESCO-Weltnaturerbe, das durch Absenkung des Meeresbodens seine einzigartige Dynamik verlieren könnte. Die Aktion wurde von der Waddenvereniging und Milieudefensie organisiert, die eigens Busse aus dem ganzen Land mobilisierten. Laut verschiedenen Schätzungen nahmen zwischen 600 und 750 Menschen teil. Auf der Seedeichanlage bildeten sie ein sichtbares Protestband und machten mit Bannern und Slogans deutlich, dass sie neue Gasbohrungen unter dem empfindlichen Wattenmeer entschieden ablehnen.

In Holwerd kamen am Samstag zahlreiche Demonstranten zusammen, die sich gegen die Ausweitung der Gasförderung unter der Waddenzee stellten. Laut Milieudefensie waren es etwa 600 Menschen, während regionale Medien wie Omrop Fryslân von bis zu 750 Teilnehmern berichteten. Sie reisten aus verschiedenen Landesteilen an, viele in organisierten Bussen, um ihre Sorge um das Wattenmeer auszudrücken. Veranstaltet wurde die Aktion von der Waddenvereniging und Milieudefensie, die seit Jahren vor den ökologischen Folgen neuer Bohrungen warnen. Auf der Deichanlage bei Holwerd hielten die Aktivisten großflächige Transparente hoch und formten eine symbolische Menschenkette entlang des Meeres. Ziel war es, die Aufmerksamkeit auf die Gefahren der geplanten Bohrungen zu lenken, die nach Ansicht der Organisationen das fragile Gleichgewicht des Wattenmeeres nachhaltig stören könnten. Bereits seit 1980 wird in Teilen unter der Waddenzee Gas gefördert. Nun liegt ein Antrag des Gasunternehmens NAM für neue Bohrungen in der Nähe von Ternaard vor. Obwohl das Staatstoezicht op de Mijnen ein negatives Gutachten dazu abgegeben hat, betont die Regierung, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen eine Ablehnung erschweren. Demissionärminister Hermans erklärte jedoch, man wolle weitere Gasförderungen in diesem Bereich möglichst verhindern. Dennoch bleibt die Unsicherheit groß, weshalb die Proteste in Holwerd als deutliches Signal verstanden werden sollen.

Breite Mobilisierung von Umweltgruppen

Die Waddenvereniging und Milieudefensie organisierten die Demonstration und stellten ein umfangreiches Programm auf die Beine. Nach einer Auftaktveranstaltung mit Redebeiträgen auf einer Bühne zogen die Teilnehmer zur Deichanlage. Dort entfalteten sie neun große Banner und positionierten sich in einer langen Reihe, um die symbolische „rote Linie“ gegen Gasbohrungen zu verdeutlichen. Laut Milieudefensie sollten so mehr als 400 Personen gleichzeitig sichtbar werden.

Sorge um die UNESCO-Welterbestätte

Die Demonstranten betonten, dass eine weitere Absenkung des Meeresbodens fatale Folgen für die Waddenzee hätte. Wenn das Gebiet seltener trockenfällt, könnte der Status als UNESCO-Weltnaturerbe gefährdet sein. Die UNESCO hatte dem Wattenmeer 2009 den Titel verliehen, weil es das größte zusammenhängende System von Sand- und Schlickflächen weltweit darstellt, das bei Ebbe regelmäßig trockenfällt und wo natürliche Prozesse ungestört ablaufen. Sowohl die Waddenvereniging als auch Milieudefensie warnten vor einer Zerstörung dieser einzigartigen Landschaft.

Ein wesentlicher Teil der Kritik richtete sich gegen Shell, das über die NAM in den Niederlanden Gas fördert. Milieudefensie verwies dabei auf internationale Daten, wonach Shell weltweit über 700 noch nicht erschlossene Gas- und Ölfelder besitzt, davon rund 30 in den Niederlanden. Für die Organisation sei es daher zwingend, dass Shell keine weiteren Vorkommen erschließt. Der Protest in Holwerd knüpfte an ähnliche Aktionen aus den vergangenen Jahren an, die sich insbesondere gegen neue Vorhaben von Shell richteten. Laut Dagblad van het Noorden wird gegen den Konzern zudem eine neue Klima-Klage geführt.

Reaktion von NAM

Die NAM wies die Vorwürfe von Milieudefensie zurück und bezeichnete deren Angaben zu ungenutzten Gas- und Ölfeldern als unzutreffend. Laut der Unternehmensplanung sollen kleine Felder bis spätestens 2050 schrittweise auslaufen. Dennoch hält die NAM an den Plänen für Ternaard fest und hat einen Antrag für weitere Bohrungen eingereicht.

Politische Rahmenbedingungen

Bereits Ende 2024 hatte die Regierung erklärt, dass sie die Gasförderung in Warffum erlaubt, während sie gleichzeitig neue Bohrungen unter der Waddenzee möglichst verhindern möchte. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben im niederländischen Bergbaugesetz könne ein Antrag der NAM aber nicht ohne Weiteres abgelehnt werden, wie NOS berichtete. Die Staatstoezicht op de Mijnen sprach sich bereits gegen die neuen Bohrungen aus. Dennoch sieht das Kabinett eine Abhängigkeit vom Gas als notwendig an, um die Energieversorgung kurzfristig sicherzustellen.

Die Proteste in Holwerd spiegeln eine tiefergehende Unzufriedenheit in den nördlichen Provinzen wider. Während die Gasförderung im Groningenveld inzwischen beendet ist, wird in kleineren Feldern weiterhin gefördert. Die Anwohner in den Regionen Groningen und Friesland fürchten nicht nur Erschütterungen, sondern auch den Verlust von Naturwerten. Umweltorganisationen weisen darauf hin, dass eine Fortsetzung der Förderung im Waddengebiet die Glaubwürdigkeit der niederländischen Klimapolitik untergraben könnte.

Die Bilder vom Deich in Holwerd zeigten deutlich die Geschlossenheit der Demonstranten. Mit Transparenten und Slogans wie „Stoppt das Bohren“ wurde die Forderung nach einem endgültigen Stopp weiterer Gasförderungen im Wattenmeer untermauert. Laut Milieudefensie sollen die Aktionen fortgesetzt werden, solange die Regierung keine klare Absage an neue Bohrungen formuliert.

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