Hans Anders stoppt Verkauf von Meta-Brillen
| von Redaktion
UTRECHT · Hans Anders hat den Verkauf der Kamera- und KI-Brillen von Meta in den Niederlanden und Belgien mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Die Optikerkette entfernt die Brillen aus ihren Geschäften und aus dem Webshop. Hintergrund ist die wachsende Diskussion über mögliche Datenschutzverletzungen durch die unauffällig integrierte Kamera. Gleichzeitig reagieren weitere Bereiche: Die Nederlandse Vereniging van Ziekenhuizen empfiehlt Krankenhäusern, die Nutzung solcher Brillen zu untersagen, während das niederländische Verteidigungsministerium ein vollständiges Verbot von Smart-Brillen auf Militärgeländen prüft. Die Maßnahmen zeigen, dass die Debatte über die Meta-Brille inzwischen weit über den Einzelhandel hinausreicht und zunehmend konkrete Regeln für Orte mit besonders sensiblen Informationen nach sich zieht.
Hans Anders gehört zu den größten Optikerketten der Niederlande und hatte die Meta-Brille bislang sowohl in niederländischen und belgischen Filialen als auch online angeboten. Nun setzt das Unternehmen den Verkauf vollständig aus. Die Entscheidung folgt auf eine zunehmende gesellschaftliche und politische Diskussion über die Möglichkeiten, mit den Brillen Menschen unbemerkt zu fotografieren oder zu filmen. Hans Anders erklärte, die entsprechenden Signale ernst zu nehmen und zunächst die weitere Entwicklung der Diskussion abzuwarten. Ob und unter welchen Bedingungen die Brillen später wieder ins Sortiment zurückkehren, ist offen. Auslöser der jüngsten Debatte waren unter anderem Recherchen des AD.
Demnach sollen in den vergangenen Monaten zahlreiche Frauen und Mädchen ohne ihr Wissen mit solchen Brillen fotografiert worden sein. Die Meta-Brille ähnelt äußerlich einer herkömmlichen Brille, verfügt jedoch über eine eingebaute Kamera sowie einen KI-Assistenten. Seit September 2025 ist sie in den Niederlanden erhältlich. Die Autoriteit Persoonsgegevens hatte bereits darauf hingewiesen, dass mit einer solchen Brille aufgenommene Bilder nicht ohne Weiteres veröffentlicht werden dürfen. Auch der Consumentenbond fordert Einschränkungen. Gemeinsam mit weiteren Organisationen kündigte der Verbraucherverband eine Klage an, sollte Meta den Verkauf nicht innerhalb von zwei Wochen einstellen. Andere Geschäfte und Webshops bieten die Brillen weiterhin an.
Krankenhäuser sollen Kamerabrillen ausschließen
Auch die Nederlandse Vereniging van Ziekenhuizen reagiert auf die Diskussion. Der Krankenhausverband will allen Krankenhäusern empfehlen, das Tragen und Verwenden von Kamerabrillen in ihren Gebäuden in die Hausordnung aufzunehmen und damit zu untersagen.
Der Verband verweist dabei auf die gesetzliche Verpflichtung von Gesundheitseinrichtungen, medizinische Daten zu schützen. Neben den Daten und der Privatsphäre der Patienten müsse auch die Privatsphäre der Beschäftigten gewährleistet werden. Die Empfehlung schließt an eine frühere Warnung der Autoriteit Persoonsgegevens an.
Die Besonderheit der Brillen liegt darin, dass Aufnahmen weniger auffällig angefertigt werden können als mit einem Smartphone oder einer klassischen Kamera. Gerade in Bereichen, in denen sensible Informationen verarbeitet werden, führt dies inzwischen zu zusätzlichen Überlegungen über bestehende Haus- und Datenschutzregeln.
Verteidigungsministerium prüft vollständiges Verbot
Auf niederländischen Militärstandorten gelten bereits dauerhafte Aufnahmeverbote für Beschäftigte und Besucher. Das Verteidigungsministerium prüft nun zusätzlich ein vollständiges Verbot von Smart-Brillen auf seinen Standorten.
Als Grund nennt das Ministerium die Möglichkeit, mit einer Smart-Brille praktisch unbemerkt und fortlaufend Aufnahmen zu erstellen. Dabei könnten militärische Objekte, vertrauliche Informationen oder Gespräche aufgezeichnet werden. Das Verteidigungsministerium bezeichnet solche Möglichkeiten als unerwünscht.
Ob und wann ein ausdrückliches Verbot eingeführt wird, steht noch nicht fest. Die Prüfung läuft.
Gerichte sehen bestehende Regeln als ausreichend
Bei niederländischen Gerichten sind zunächst keine zusätzlichen Vorschriften vorgesehen. Nach Einschätzung des Raad voor de Rechtspraak reichen die bestehenden Hausregeln aus.
In Gerichtssälen dürfen mit den Brillen bereits heute keine Aufnahmen gemacht werden, weil dort ein allgemeines Aufnahmeverbot gilt. Ein gesondertes Verbot speziell für Kamera- oder Smart-Brillen hält der Raad voor de Rechtspraak deshalb derzeit nicht für erforderlich.
Auch an anderen Orten gelten bereits Einschränkungen. Center Parcs weist darauf hin, dass Foto- und Videoaufnahmen in Umkleideräumen, Duschen und Saunen grundsätzlich verboten sind. Das Unternehmen beobachtet nach eigenen Angaben die Entwicklung neuer Technologien wie Smart-Brillen.
Politik fordert klarere Regeln
Auch die Tweede Kamer beschäftigt sich inzwischen mit dem Thema. Eine Mehrheit sprach sich für ein Verbot beziehungsweise deutlichere Regeln für Kamerabrillen aus. Eine entsprechende Motion von Barbara Kathmann von PRO wurde am Dienstag angenommen.
Nach den bestehenden Regeln sind bestimmte Formen der Nutzung bereits verboten. Heimliches Filmen etwa in Umkleidekabinen oder Toiletten ist strafbar. Nach Auffassung der Tweede Kamer reichen die bisherigen Regelungen in der Praxis jedoch nicht aus. Die niederländische Regierung wartet derzeit auf eine europäische Stellungnahme zu Kamera- und KI-Brillen, die im Herbst erwartet wird.
Das Openbaar Ministerie weist zudem darauf hin, dass Aufnahmen je nach Inhalt strafrechtlich relevant sein können. Vorsätzlich und widerrechtlich hergestellte Aufnahmen sexueller Art können strafbar sein. Bei Personen unter 18 Jahren kann nach Angaben der Staatsanwaltschaft zudem der Straftatbestand der Kinderpornografie eine Rolle spielen. Ob ein konkreter Fall strafbar ist, müsse jeweils einzeln geprüft werden.
In Frankreich läuft bereits ein Ermittlungsverfahren wegen möglicher sexueller Belästigung, bei dem solche Smart-Brillen eine Rolle gespielt haben sollen. In den Niederlanden gibt es bislang kein vergleichbares Ermittlungsverfahren.
Meta-Brille bleibt andernorts erhältlich
Der Verkaufsstopp von Hans Anders bedeutet kein allgemeines Verkaufsverbot in den Niederlanden. Andere Händler und Webshops bieten die Brillen weiterhin an. Pearle Opticiens äußerte sich trotz wiederholter Anfragen des AD nicht zu dem Thema. Das Mutterunternehmen EssilorLuxottica ist an Entwicklung und Gestaltung der Brillen beteiligt.
Hans Anders will die weitere gesellschaftliche und politische Entwicklung beobachten. Erst danach soll entschieden werden, ob und in welcher Form die Meta-Brillen wieder angeboten werden.
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