Grippewelle trifft Kliniken spürbar
| von Redaktion
NIEDERLANDE · Griepepidemie offiziell: In den Niederlanden steigt die Zahl der Menschen mit akuten Atemwegsbeschwerden weiter an. Das RIVM meldet seit Mittwoch eine landesweite Grippeepidemie, nachdem bereits die zweite Woche in Folge mehr als 46 von 100.000 Einwohnern mit grippähnlichen Beschwerden zum Hausarzt gingen. Zuletzt lag der Wert bei 59 pro 100.000, in der Vorwoche bei 51. Neben Influenza zirkulieren laut RIVM weitere Erreger, darunter saisonale Coronaviren, das humane Metapneumovirus, RS Virus sowie Rhino und Enteroviren. Gleichzeitig bleibt SARS CoV 2 auf niedrigem Niveau. Mehrere Krankenhäuser berichten über Zusatzdruck, teils werden planbare Operationen verschoben.
In den aktuellen RIVM Zahlen zeigt sich der Anstieg nicht nur in den Hausarztmeldungen, sondern auch in Laborbefunden. Bei Patientenproben aus Hausarztpraxen wurde Influenza zuletzt am häufigsten nachgewiesen, das RIVM nennt 30 positive Influenza Funde in 55 untersuchten Proben. Auch in den virologischen Wochenmeldungen der Laboratorien nimmt der Anteil Influenza positiver Tests zu. Parallel bleiben andere Atemwegsviren im Umlauf, wodurch in vielen Haushalten und Betrieben mehrere Infektionswellen gleichzeitig spürbar sind. Wie die NOS berichtet, sehen Kliniken dabei bislang keine flächendeckenden Versorgungsprobleme, doch einzelne Häuser reagieren bereits mit organisatorischen Maßnahmen, um Akutversorgung und notwendige Eingriffe abzusichern.
Was das RIVM jetzt meldet
Nach Angaben des RIVM ist die Grippeepidemie in den Niederlanden erreicht, weil der Schwellenwert für erhöhte Grippeaktivität in den Hausarztpraxen zwei Wochen hintereinander überschritten wurde. Das Institut verweist auf mehrere Datengrundlagen, darunter Infectieradar, Hausarztmeldungen über die Nivel Strukturen und Laborberichte. In der wöchentlichen Aktualisierung vom 11. Februar beschreibt das RIVM, dass nicht nur die Zahl der Menschen mit Atemwegsbeschwerden steigt, sondern auch der Anteil derjenigen, die tatsächlich Influenza haben. In den von Hausärzten abgenommenen Proben war Influenza in 42 von 80 Proben nachweisbar. Gleichzeitig wurden in diesen Proben auch andere Viren gefunden, darunter RS Virus sowie Rhino und Enteroviren und saisonale Coronaviren, wie das RIVM ausführt.
Bereits in der RIVM Meldung vom 4. Februar wurde eine starke Zunahme von Atemwegsbeschwerden beschrieben, damals lag die Hausarztquote bei 51 pro 100.000 und damit erstmals über der damaligen Schwelle. Beim Blick in die Laborbefunde nennt das RIVM zudem steigende Nachweisraten in unterschiedlichen Testströmen. In den Laborzahlen der virologischen Wochenmeldungen stieg der Anteil Influenza positiver Tests in der jüngsten Woche auf 26 Prozent nach 22 Prozent in der Vorwoche. Beim RS Virus berichtet das RIVM ebenfalls über weiterhin zirkulierende Infektionen, mit relativ stabilen Anteilen in Hausarztproben, gleichzeitig aber Schwankungen in Infectieradar Proben. Außerdem weist das RIVM darauf hin, dass die Zahl der Intensivaufnahmen im Rahmen der SARI Überwachung zuletzt leicht zunahm.
Kliniken verschieben Eingriffe, Gründe sind vielfältig
Mehrere Medien berichten über verschobene planbare Operationen in einzelnen Krankenhäusern. Laut NOS hat das Albert Schweitzer Ziekenhuis in Dordrecht Operationen aus Kapazitätsgründen verlegt, während dringliche Eingriffe weiterhin stattfinden. Ebenfalls laut NOS wurden im Martini Ziekenhuis in Groningen geplante Operationen abgesagt, auch im Jeroen Bosch Ziekenhuis in Den Bosch kam es zu Verschiebungen. Als Ursachen werden in den Berichten vor allem die zusätzliche Belastung durch viele Atemwegsinfektionen und krankheitsbedingte Personalausfälle genannt. Zusätzlich wirkt sich laut RTV Noord aus, dass Patienten teils länger in der Klinik bleiben müssen, wenn Anschlusspflege, Reha Plätze oder häusliche Versorgung nicht sofort verfügbar sind.
Auch das AD schildert die Lage in Gorinchem: Dort seien die Stationen und die Notaufnahme stärker ausgelastet, das Beatrixziekenhuis könne die Situation aber noch bewältigen und müsse bislang keine besonderen Maßnahmen ergreifen. Das Haus setzt laut AD seit Jahren auf einen Influenza Schnelltest, der bei Patienten mit Symptomen rasch Klarheit geben soll, um die Ausbreitung im Krankenhaus zu begrenzen. Gleichzeitig beschreibt das AD eine regionale Zusammenarbeit, bei der Kliniken Patienten übernehmen können, wenn andernorts Betten knapp werden.
Nicht nur Influenza, mehrere Viren parallel
Aus RIVM Sicht ist entscheidend, dass Influenza aktuell zunimmt, aber nicht allein unterwegs ist. Genannt werden saisonale Coronaviren, hMPV, RS Virus sowie Rhino und Enteroviren. Grippe verläuft laut RIVM häufig schwerer und beginnt typischerweise abrupt, die Erholungsphase könne sich über Wochen hinziehen. Beim Coronavirus SARS CoV 2 meldet das RIVM für die jüngste Woche niedrige Werte. In Hausarztproben wurden zwei positive Tests in 80 Proben festgestellt. Zusätzlich berichtet das RIVM über eine leichte Abnahme der landesweiten Viruslast im Abwasser im Vergleich zur Vorwoche.
Beim RS Virus schreibt das RIVM, dass es in den Laboren zuletzt häufiger nachgewiesen wurde als in der Woche davor, während der Anteil in Hausarztproben mit 10 Prozent ähnlich blieb wie zuvor. Gleichzeitig wird erwähnt, dass RS Virus in vielen Quellen seltener nachgewiesen werde als in früheren Jahren um diese Zeit, möglicherweise auch im Zusammenhang mit der Einführung einer Immunisierung für Säuglinge. Insgesamt bleibt das Bild laut RIVM, dass mehrere Atemwegserreger parallel kursieren und deshalb die Zahl der Menschen mit Beschwerden in den Erfassungsinstrumenten steigt.
Empfehlungen, und worauf sich die Überwachung ändert
Das RIVM betont, dass sich Atemwegsinfektionen nicht vollständig verhindern lassen, aber Ansteckungen reduziert werden können. Genannt werden vor allem zu Hause bleiben bei Krankheit, bei Beschwerden möglichst zu Hause arbeiten, Husten und Niesen in die Armbeuge, Abstand halten, Kontakte zu besonders gefährdeten Personen vermeiden und bei notwendigem Kontakt, etwa in der Pflege, einen Mund Nasenschutz tragen. Ergänzend nennt das RIVM Hygienemaßnahmen wie häufiges Händewaschen mit Wasser und Seife sowie das Lüften von Innenräumen.
Für die Datenerfassung kündigt das RIVM außerdem eine Umstellung an: Ab dem 1. März 2026 stoppt Nivel laut RIVM die getrennte Meldung zu grippähnlichen Beschwerden, stattdessen wird nur noch über alle akuten Atemwegsinfektionen berichtet. RIVM und Nivel wollen die verursachenden Erreger weiterhin überwachen. In den kommenden Wochen dürften daher weiterhin wöchentliche Updates erscheinen, während Krankenhäuser je nach lokaler Lage mit Personal und Betten flexibel reagieren. Auch die Karnevalszeit wird dabei als möglicher Verstärker von Ansteckungen erwähnt, und so rief der Gesundheitsminister Bruijn Menschen mit Erkältungsbeschwerden dazu auf, nicht zu feiern.
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