Information

einfach auf den Punkt gebracht

Gemeinden rüsten auf, Polizei in Alarmbereitschaft

| von Redaktion

Politie | Foto: HOLLAND.guide
Politie | Foto: HOLLAND.guide

NIJMEGEN · Letzte legale Feuerwerksnacht: Kommunen in den Niederlanden fahren zum Jahreswechsel ein breites Paket an Maßnahmen hoch, um Brände, vernielingen und Angriffe auf Helfer zu verhindern. Wie NOS berichtet, setzen Städte und Dörfer auf Prävention mit Drohnen, zusätzlichen Kameras, Jugend- und Aufsichtsteams auf der Straße sowie auf lokale Regeln wie Sicherheitsrisikogebiete, Samenscholingsverbote oder gebiedsverboden. Die Polizei rechnet wegen der letzten erlaubten Silvesternacht mit mehr Vorfällen, bleibt beim Personal aber auf dem üblichen Maximalniveau. Parallel melden Behörden bereits hohe Mengen sichergestellten illegalen Feuerwerks, von Grenzkontrollen bis zu Funden in Wohngebieten.

Die Strategie der Gemeinden ist auffällig einheitlich, auch wenn die Mittel sehr unterschiedlich sind: möglichst früh erkennen, was sich anbahnt, und Situationen entschärfen, bevor sie eskalieren. Wie NOS berichtet, kontrollieren kommunale Ordnungskräfte in den Tagen vor Silvester gezielt auf Feuerwerksüberlastung. In West Betuwe, einer Gemeinde mit 26 Dörfern, laufen die Vorbereitungen seit Wochen. Dort war die letzte Jahreswende zwar relativ ruhig, dennoch gab es Vorfälle wie eine Brandstiftung an einer leerstehenden Sporthalle in Heukelum sowie Schäden an Straßenmobiliar durch Feuerwerk in Höhe von 25.000 Euro. Im Rückblick nennt NOS außerdem frühere Eskalationen in Waardenburg, darunter Angriffe auf die Polizei im Jahr 2019 und den Einsatz der ME im Jahr 2021. Auch Traditionsformen wie Freudenfeuer gelten als Risiko: In Beesd nahm die Polizei 2023 Menschen fest, die Pläne für ein großes Feuer mit hunderten Litern Öl gehabt haben sollen. Gleichzeitig versuchen Gemeinden Alternativen zu ermöglichen, etwa Feiern oder genehmigte vreugdevuren (Freudenfeuer) an sicheren Orten, wie NOS berichtet.

Polizei rechnet mit mehr Einsätzen, aber ohne Aufstockung

Die Polizei erwartet wegen des nahenden Feuerwerkverbots eine besondere Jahreswende, geht operativ aber nicht mit mehr Streifen in die Nacht als in den Vorjahren. Wie NU.nl schreibt, sagt der nationale Feuerwerk-Koordinator der Polizei, dass die große Menge an Feuerwerk voraussichtlich zu mehr Verletzungen, mehr Bränden und damit mehr Einsätzen für Hilfeleistungen führen wird. In den Notrufzentralen wird für die Jahreswende doppelt hochskaliert: Es stehen 250 Leitungen für 112 zur Verfügung, gerechnet wird mit etwa tausend Anrufen pro Viertelstunde, besonders in den ersten anderthalb Stunden nach Mitternacht.

Gleichzeitig betont die Polizeiführung, man sei bereits bei der maximalen Einsatzstufe und setze daher nicht mehr Personal ein als sonst, wie NU.nl berichtet. Für Einsatzkräfte gibt es zusätzliche Gehörschutzmaßnahmen, außerdem testet die mobile Einheit der Polizei (ME) zwei neue Gewaltmittel, darunter eine größere Pfefferspray Dose mit Reichweite bis etwa 10 Meter sowie ein reizendes Mittel, das dem Wasser des Wasserwerfers beigemischt werden kann. Brandweer Nederland könne nicht allgemein sagen, ob je Sicherheitsregion zusätzlich aufgestockt wird, verweist aber darauf, dass Regionen bei der Jahreswende standardmäßig maximal Personal und Material einsetzen und dies mit Polizei und Gemeinden abstimmen.

Gemeinden setzen auf Kameras, Drohnen und Jugendarbeit

Neben Polizei und Rettungskräften sind vor allem Gemeinden in der Fläche sichtbar aktiv. Wie NOS berichtet, fliegen an manchen Orten Drohnen, um brandbares Material aufzuspüren, das für Brände oder Freudenfeuer genutzt werden könnte. Auf anderen Wegen versuchen Kommunen, Jugendliche direkt anzusprechen: Kommunale Aufsichtskräfte und Jugendsozialarbeiter gehen auf die Straße, beobachten die Lage und sprechen Gruppen an, falls nötig. Kameraüberwachung ist dabei ein wiederkehrendes Instrument. In Ophemert gibt es laut NOS dieses Jahr erstmals zusätzliche Überwachung nach Bränden und Zerstörungen mit schwerem Feuerwerk; die Polizei kann dort live auf die Bilder zugreifen. NOS beschreibt zugleich die Grenzen solcher Maßnahmen: Trotz Kameras kam es in den vergangenen Tagen erneut zu einer Brandstiftung an einer Kreuzung. Kommunen kombinieren daher häufig technische Überwachung mit Ordnungsinstrumenten. NOS nennt unter anderem Sicherheitsrisikogebiete mit präventiven Durchsuchungen, wie in Teilen von Hedel und Kerkdriel, sowie die Möglichkeit von Gebietsverbote für bekannte Randalierer. Teilweise würden auch Hausbesuche bei Jugendlichen gemacht, die früher für Überlastung sorgten. Als Referenz für ähnliche Ansätze nennt NOS Utrecht, wo bei der letzten Jahreswende nachts buurthuizen geöffnet waren und 36 junge Vorbilder auf die Straße gingen, um Gleichaltrige positiv zu beeinflussen.

Deutsch-Niederländische Grenze | © Politie Tweestomenland / Politie Berg en Dal / Wijkagent Berg en Dal Groesbeek
Deutsch-Niederländische Grenze | © Politie Tweestomenland / Politie Berg en Dal / Wijkagent Berg en Dal Groesbeek

Hohe Mengen sichergestellten Feuerwerks, auch an Grenzen

Parallel zu den kommunalen Vorbereitungen häufen sich Meldungen zu großen Sicherstellungen. Das aktualisierte Vuurwerkbarometer des Openbaar Ministerie zeigt, dass bis 30. Dezember bereits 112.223 Kilo verbotenes Feuerwerk beschlagnahmt wurden, mehr als im Vorjahr, das bei 107.281 Kilo endete. Die Polizei berichtet über eine große Fundlage in Sint Michielsgestel: Dort wurden 1045 Kilo Feuerwerk in einer in einer Wohnwijk abgestellten Lieferwagen entdeckt. Die Polizei spricht von erheblichem Brand und Explosionsrisiko durch Lagerung großer Mengen mitten im Wohngebiet und ruft zum Melden über 0900 8844 oder anonym über Meld Misdaad Anoniem auf.

Auch an den Grenzen wird kontrolliert. Wie die Polizei Tweestromenland berichtet, wurden bei einer Kontrolle an der Grenze bei Beek Ubbergen 1187 Kilo Feuerwerk beschlagnahmt, zudem gab es eine Festnahme wegen Beleidigung. Die Aktion bei dem Grenzübergang Beek Ubbergen / Kranenburg hatte den Fokus auf Fahrzeuge, die aus dem deutschen Wyler bei Nijmegen kamen. Unter anderem wurde die erlaubte Maximalmenge von 25 Kilo Konsumentenfeuerwerk pro Fahrzeug kontrolliert. Eine weitere offizielle Polizeimeldung berichtet von einer Feuerwerkaktion bei der belgischen Grenze bei Nispen, bei der mithilfe einer Drohne Kennzeichen erfasst wurden, nachdem in Belgien eingekauft wurde. Ergebnis laut Polizei: rund 120 Kilo beschlagnahmtes Feuerwerk, ergänzt durch Hausdurchsuchungen mit weiteren Funden. Auch in Wohngebieten wurden Lager entdeckt: Omroep Brabant berichtet von 552 Kilo in einem Schuppen in der Eindhovener Viertel Gestel, nach anonymer Tipp, mit Festnahme eines 22 Jährigen, sowie von 45 Kilo in einem Haus in Middelburg, bei dem die Bewohner als Verdächtige vernommen werden sollen.

Wetter und Kampagnen, zusätzlicher Appell an Vernunft

Zu den praktischen Risiken am Silvesterabend zählen auch die Wetterbedingungen. Wie das KNMI am Dienstagabend mitteilt, ist es am Nachmittag des 31. Dezember überwiegend bewölkt. Vor allem im Norden kann es zu einzelnen Schauern kommen. Die Höchsttemperaturen liegen bei rund 6 Grad. Der Wind weht aus westlicher Richtung und ist mäßig, an der Küste jedoch zeitweise kräftig bis stark mit Windstärke 5 bis 6. Auch am Silvesterabend kann es im Norden vereinzelt Schauer geben. Der Wind bleibt aus westlichen Richtungen mäßig, an der Küste weiterhin kräftig bis stark. Daher gilt: extra Abstand beim Abbrennen von Feuerwerk halten. Gleichzeitig gibt es aber einen Nebeneffekt: Die Chance auf Nebel durch Feuerwerksrauch sei sehr klein.

Öffentlich setzen Behörden auch auf Kommunikation. So wurde eine Video der Politie Eenheid Den Haag veröffentlicht, in dem die Tochter eines Polizisten darum bittet, dass ihr Vater nach dem Dienst sicher nach Hause kommt. Die Kampagne soll bewusst machen, dass Gewalt gegen Polizei, Feuerwehr oder Krankenwagen auch Familien trifft, und sie wird in sozialen Medien breit kommentiert.

In eigener Sache

Bitte unterstütze uns

Unsere Aktivitäten und diese Webseite bieten wir kostenlos an. Wir tun dies gerne und freiwillig. Um unseren Service weiterhin anbieten zu können, schalten wir Werbung und nutzen Affiliate-Links. Deine Unterstützung, sei es durch Mitarbeit oder eine Spende in Höhe einer Tasse Kaffee über PayPal, ist uns sehr willkommen und hilft uns enorm.

Vielen Dank dafür!


Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 4 plus 4.

Weitere Nachrichten