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Gasvorräte unter kritischer Marke

| von Redaktion

Archivbild | Foto: HOLLAND.guide
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DEN HAAG · Die niederländischen Gasvorräte sind erstmals in diesem Winter unter die Marke von 20 Prozent gefallen. Nach aktuellen Angaben des Nationaal Energie Dashboard liegt die gemeinsame Füllmenge der unterirdischen Gasspeicher derzeit bei 19,9 Prozent. Damit setzt sich der starke Rückgang fort, der bereits seit Beginn der Heizsaison zu beobachten ist. Noch Anfang November 2025 waren die Speicher zu mehr als 70 Prozent gefüllt, Anfang Januar lag der Wert knapp unter 50 Prozent. Der nun erreichte Stand markiert einen neuen Tiefpunkt und rückt die Versorgungslage erneut in den Fokus. Zwar gibt es laut Experten derzeit keine akute Gefahr für Haushalte, doch die niedrigen Reserven liegen deutlich unter den europäischen Zielwerten und befinden sich den kritischsten Niveaus der Energiekrisenjahre 2021 und 2022.

Die aktuellen Daten des Nationaal Energie Dashboard (NED) zeigen einen weiteren deutlichen Rückgang der niederländischen Gasvorräte. Zum Stichtag liegt die gemeinsame Füllmenge der unterirdischen Speicher bei 19,9 Prozent. Bereits zum 1. Februar 2026 waren es nach Angaben des Dashboards nur noch 25,8 Prozent gewesen. Innerhalb von gut einer Woche ist der Bestand damit nochmals erheblich gesunken. In die Berechnung fließen die Speicherstandorte Norg, Grijpskerk, Alkmaar, Bergermeer sowie Zuidwending ein. Der Verlauf entspricht dem typischen Muster der Wintermonate, fällt in diesem Jahr jedoch deutlich steiler aus als in vielen Vorjahren.

Die vom Dashboard dokumentierten Stichtage verdeutlichen die Geschwindigkeit der Entnahme. Am 4. November 2025 lag die Füllmenge noch bei 73,6 Prozent. Zum 1. Januar 2026 waren es 48,7 Prozent, am 15. Januar 38,2 Prozent und Anfang Februar nur noch 25,8 Prozent. Der jetzt gemeldete Stand unter 20 Prozent bedeutet, dass innerhalb von rund drei Monaten mehr als zwei Drittel der Vorräte verbraucht wurden. Damit verfehlt die Niederlande zugleich klar die europäische Vorgabe, zum 1. Februar einen Mindestfüllstand von 39 Prozent zu erreichen.

9,7 %

Aktueller Gasfüllstand*

Gründe für den schnellen Rückgang

Wie aus den Berichten von EenVandaag hervorgeht, ist die rasche Abnahme der Gasvorräte auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Wochenlange Kälteperioden haben die Nachfrage nach Heizenergie erhöht. Gleichzeitig sorgten eine schwache Windproduktion und eine geringe Solarstromerzeugung dafür, dass Gas verstärkt zur Stromproduktion eingesetzt werden musste. In der Folge liefen Gaskraftwerke häufiger, um sowohl Strom als auch Wärme bereitzustellen.

Hinzu kommt, dass die Niederlande mit vergleichsweise niedrigen Vorräten in den Winter gestartet sind. Die Anfangsfüllung der Speicher lag bei rund 74 Prozent. Damit blieb sie deutlich unter dem europäischen Richtwert von 90 Prozent und auch unter dem Niveau vieler Jahre vor der Energiekrise. Als Hauptgrund werden die im Sommer 2025 sehr hohen Gaspreise genannt, die dazu führten, dass die Speicher nicht vollständig befüllt wurden.

Einordnung im europäischen Vergleich

Im europäischen Vergleich gehört die Niederlande derzeit zu den Ländern mit den niedrigsten Gasreserven. Laut EenVandaag liegt nur Kroatien noch darunter. Gleichzeitig weist der Bericht darauf hin, dass die aktuelle Füllmenge nahe an die Tiefstände der Jahre 2021 und 2022 heranreicht, als die Niederlande eine ausgeprägte Gaskrise erlebten.

Europaweit gelten klare Regeln zur Vorsorge. Zum Beginn des Winters sollen die unterirdischen Speicher weitgehend gefüllt sein, mit 90 Prozent als europäischer Richtwert zum 1. November. Die Niederlande nehmen dabei eine Sonderrolle ein. Als wichtiges Transitland und Gashub darf das Land mit einer geringeren Anfangsfüllung in die Heizperiode gehen, da ein erheblicher Teil der importierten Mengen direkt an Nachbarländer weitergeleitet wird. Dennoch zeigen die aktuellen Zahlen, dass diese Ausnahme die Risiken bei lang anhaltender Kälte erhöht.

Einschätzung von Experten zur Versorgungssicherheit

Trotz der niedrigen Vorräte sehen Energieexperten derzeit keine akute Gefahr für die Versorgungssicherheit. Hans Grünfeld, Direktor des Energie Branchenverbands VEMW, betont laut EenVandaag, dass die Niederlande gut in das europäische Gasnetz eingebunden sind. Das Land empfängt LNG Lieferungen unter anderem aus den Vereinigten Staaten und Katar und produziert zudem weiterhin einen Teil des eigenen Gasbedarfs. Nach seiner Einschätzung gibt es aktuell keinen Hinweis darauf, dass Haushalte kurzfristig ohne Gas dastehen könnten.

Auch die Struktur des europäischen Gasmarktes spielt eine wichtige Rolle. Die nationalen Speicher sind zwar getrennt organisiert, in der Praxis funktioniert der Markt jedoch als ein gemeinsames System. Gas strömt kontinuierlich über Pipelines und LNG Terminals zwischen den Ländern. Bei drohenden Engpässen greifen zudem europäische Solidaritätsmechanismen, die sicherstellen sollen, dass private Haushalte und kritische Infrastrukturen priorisiert versorgt werden.

Debatte über strategische Gasreserven

Unabhängig von der aktuellen Lage hat die Entwicklung die Diskussion über eine strategische Gasreserve erneut belebt. Wie EenVandaag berichtet, sehen Experten darin einen wichtigen Schritt, um die Versorgung langfristig abzusichern. TNO Gasexperte René Peters weist darauf hin, dass die Niederlande heute deutlich abhängiger von Importen sind als früher. Während das Land lange Zeit weitgehend selbstversorgend war, stammen die Lieferungen inzwischen zu großen Teilen aus LNG Importen aus Übersee.

Diese neue Abhängigkeit bringe zusätzliche Risiken mit sich. Geopolitische Spannungen oder Störungen wichtiger Handelsrouten könnten die Versorgung beeinträchtigen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, ob neben den regulären Speichern eine staatliche Notreserve aufgebaut werden sollte, um in Krisensituationen mehr Handlungsspielraum zu haben.

Winter bleibt wetterbedingt ein Faktor

Auch die aktuelle Wetterentwicklung zeigt laut Weeronline, dass die Heizperiode noch nicht abgeschlossen ist. Zwar werden zu Wochenbeginn regional milde Temperaturen von 9 bis 11 Grad erreicht, teils mit sonnigen Abschnitten und nur wenig Wind. Ab der Wochenmitte setzt jedoch eine deutlich wechselhaftere Phase ein. Nach Angaben zur Wochenprognose folgt auf das vorübergehend milde Wetter eine mehrere Tage andauernde nasse und graue Periode mit häufigem Regen. In der zweiten Wochenhälfte dreht die Windrichtung auf Nordwest, wodurch es wieder kälter wird. Für das Wochenende werden Tageshöchstwerte von nur noch 4 bis 7 Grad erwartet, nachts kann es im Binnenland zu leichtem Frost kommen. Zudem werden winterliche Schauer mit Regen und nassem Schnee gemeldet, verbunden mit erhöhter Glättegefahr. Damit bleibt der Witterungsverlauf klar winterlich und die Nachfrage nach Heizenergie dürfte weiter hoch bleiben.

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* Wir laden die Daten der Gasfüllstände per API von https://ned.nl/nl/dataportaal/dataportaal-overzicht. Sie entsprechen dem aktuellen Stand der von NED ermittelten und bereitgestellten Daten.

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