Gasspeicher zu niedrig gefüllt
| von Redaktion
DEN HAAG · Die niederländischen Gasspeicher liegen nach aktuellen Regierungsangaben bei rund 73 Prozent und damit unter der EU-Vorgabe sowie dem nationalen Zielwert. Die Regierung betont dennoch, dass die Versorgungssicherheit für den Winter gewährleistet sei, gestützt auf stabile Lieferungen und ausreichende technische Kapazitäten. Laut den bereitgestellten Unterlagen des Ministerie van Klimaat en Groene Groei zeigen Marktindikatoren ein anhaltendes Vertrauen der Unternehmen in die Verfügbarkeit von Gas für die Wintermonate. Gleichzeitig machen Fachleute wie im Bericht der Tageszeitung AD deutlich, dass eine sehr kalte Witterungsphase zu Risiken führen könne, wenn Speicherstände unterdurchschnittlich bleiben. Die aktuelle Lage wird deshalb eng überwacht, während bereits Maßnahmen für das nächste Fülljahr vorbereitet werden.
Der aktuelle Füllstand der niederländischen Gasspeicher ergibt sich aus mehreren voneinander unabhängigen Einschätzungen. Nach Angaben des Ministeriums wurde am 1. November eine Gesamtmenge von gut 105 TWh Gas in allen Speichern erreicht, was einer Gesamtauslastung von etwa 73 Prozent entspricht. Damit liegt der Füllstand einen Prozentpunkt unter der europäischen Verpflichtung von 74 Prozent und sieben Prozentpunkte unter dem nationalen Ziel von 80 Prozent für die großen saisonalen Speicher. Die Ministerin verweist laut den Regierungsdokumenten darauf, dass die Lieferströme nach Europa und in die Niederlande stabil seien und dass sich die Großhandelspreise bereits seit längerer Zeit auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau bewegen. Auch Gasunie Transport Services (GTS) bestätigt, dass ausreichende technische Kapazität besteht, um selbst an sehr kalten Tagen die Spitzenlast zu decken. Die Einschätzung deckt sich mit der Darstellung in den Unterlagen, dass im Fall eines normalen Winters genügend Gas verfügbar ist. Gleichzeitig weist der im AD zitierte Experte darauf hin, dass ein extrem kalter Winter oder ein Störfall in der internationalen Versorgung zu Druck auf die Märkte führen könnte. Für die Regierung sind dies Faktoren, die eine erhöhte Wachsamkeit erfordern. Entsprechend wird nicht nur die Lage der kommenden Monate beobachtet, sondern auch die Planung für das Fülljahr 2026 mit einer deutlichen Ausweitung der EBN-Vultaak vorbereitet, um strukturelle Schwankungen in der Marktlogik besser abzufedern.
Entwicklung der Speicherstände
Die Unterlagen des Ministeriums zeigen, dass die Speicher in den Sommermonaten zunächst gemäß Plan gefüllt wurden. Ausschlaggebend waren die damals günstigen Preisrelationen zwischen Sommer und Winter, die ein wirtschaftliches Auffüllen begünstigten. Anfang Oktober änderte sich die Lage: Durch Preisbewegungen am Markt wurde es für Unternehmen kurzfristig attraktiver, Gas aus Speichern zu entnehmen statt weiter einzuspeichern. Diese Marktreaktion trat europaweit auf und führte dazu, dass viele EU-Staaten ihre Zielmarken nicht erreichten. Für die Niederlande bedeutete dies, dass selbst die ausgeweitete Vultaak von Energie Beheer Nederland (EBN) das Absinken der Füllgeschwindigkeit nicht vollständig ausgleichen konnte. Dennoch lag das niederländische Speicherverhältnis im Vergleich mit anderen EU-Ländern weiterhin über dem Durchschnitt. Die bereitgestellten Tabellen des Ministeriums bestätigen zudem, dass ein erheblicher Teil des jährlichen Gasverbrauchs im Land bereits eingelagert ist. Das hebt die Bedeutung der Speicher als strategische Reserve zur Stabilisierung sowohl der Inlandsmärkte als auch der Versorgung der Nachbarländer hervor.
Einschätzung der Versorgungssicherheit
Die Analyse von GTS, enthalten in den Regierungsdokumenten, führt aus, dass für ein durchschnittliches Winterjahr ein Speicherstand von 71 TWh in den saisonalen Speichern ausreicht. Der aktuelle Wert von über 102 TWh liegt deutlich darüber. Erst im Fall einer extrem kalten Witterungsperiode wie im Winter 1995/96 könnte ein begrenztes Defizit entstehen, das laut Ministerium jedoch durch mehrere Mechanismen ausgeglichen werden kann. Dazu zählen die Nutzung der schnell regelbaren Kavernenspeicher, mögliche zusätzliche LNG-Importe nach Nordwesteuropa, eine Reduzierung von Exporten aufgrund sich ändernder Preisrelationen sowie eine temporäre Verringerung der inländischen Nachfrage. Diese Einschätzung deckt sich mit der AD-Darstellung, wonach Risiken zwar bestehen, aber erst unter außergewöhnlichen Bedingungen zum Tragen kommen. Die Regierung betont daher die fortlaufende Marktbeobachtung und kündigt gleichzeitig an, die Maßnahmen für das Fülljahr 2026 enger mit Marktakteuren und Speicherbetreibern abzustimmen.
Maßnahmen für das kommende Fülljahr
Die Dokumente des Ministeriums zeigen, dass das Kabinett die Planungen für das kommende Fülljahr bereits angepasst hat. Für 2026 wird ein nationales Ziel von 115 TWh in den großen Speichern festgelegt. EBN erhält eine erweiterte Aufgabe von bis zu 80 TWh, bedingt durch den Rückzug von GasTerra aus der Speicherbefüllung. Gespräche mit Speicherbetreibern wie NAM laufen, um langfristige Rahmenbedingungen für Norg und Grijpskerk zu sichern. Außerdem wurde eine ergänzende Regelung veröffentlicht, die klärt, wann Betreiber verpflichtet sind, den Zugang zu Speichern für andere Marktteilnehmer zu gewährleisten. Diese strukturellen Maßnahmen sollen sicherstellen, dass Marktmechanismen auch bei ungünstigen Preissignalen nicht zu ähnlich starken Abweichungen führen wie im Oktober dieses Jahres. Die Regierung plant, den Fortschritt eng zu verfolgen und die Ergebnisse transparent an die Tweede Kamer zu berichten.
Energieexperte Martien Visser
Der Energieexperte Martien Visser, der in den niederländischen Medien regelmäßig als Fachstimme zur Gasversorgung auftritt und unter anderem als Berater von Gasunie tätig ist, kommentierte die aktuelle Lage der Gasspeicher in einem Tweet. Seine Einschätzung fällt deutlich kritischer aus als die Darstellung der Regierung und verweist auf die verfehlten Füllziele:
"Hoffentlich schläft jeder noch: Die Niederlande haben ihre minimale EU Füllverpflichtung von 74 Prozent nicht erreicht und bleiben weit von ihrem eigenen Ziel von mindestens 80 Prozent entfernt.
Die Ministerin, frei übersetzt: ‘Wir waren gut auf dem Weg, aber am Ende lief es ein bisschen ungünstig’."
Hopelijk slaapt iedereen nog: NL heeft haar minimale EU-vulverplichting van 74% niet gehaald en blijft ver af van haar eigen doel van tenminste 80%.
— Martien Visser (@BM_Visser) November 21, 2025
De minister, vrij vertaald: "we waren goed op weg, maar het zat aan het eind een beetje tegen". Zie:https://t.co/6Axxd6rC9j pic.twitter.com/bb9ekFlXn0
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