Gaspreise schießen hoch, Verträge verschwinden
| von Redaktion
UTRECHT · Explodierende Energiepreise und nervöse Anbieter: Nach den Angriffen der USA und Israels auf Iran sowie iranischen Vergeltungsaktionen geraten die europäischen Energiemärkte massiv unter Druck. Die Blockade der Straße von Hormus treibt die Gaspreise in die Höhe. In den Niederlanden reagieren große Energieversorger mit Einschränkungen bei Festverträgen, streichen Cashbackaktionen und ziehen Angebote von Vergleichsportalen zurück. Gleichzeitig verzeichnen Vergleichsseiten eine starke Nachfrage nach festen Tarifen. Für Haushalte bedeutet das bereits jetzt deutlich höhere Vertragskosten.
Die europäischen Gaspreise sind binnen weniger Tage sprunghaft gestiegen. Der europäische Gaspreis legte am Montag um 25 Prozent zu. Es war sogar von einem kurzfristigen Anstieg um mehr als 35 Prozent und einem zusätzlichen Plus von 41 Prozent die Rede. Die TTF Notierung erreichte zeitweise rund 59 Euro pro Megawattstunde und lag zwischenzeitlich sogar bei über 60 Euro. Hintergrund sind die militärischen Spannungen rund um die Straße von Hormus, über die ein erheblicher Teil des weltweiten Flüssiggastransports abgewickelt wird. Große Reedereien wie Maersk, MSC, Hapag Lloyd und CMA CGM haben ihre Fahrten durch das Gebiet ausgesetzt. Gleichzeitig liegt laut den vorliegenden Referenztexten die LNG Produktion in Katar nach Angriffen auf Anlagen still. Die Kombination aus blockierten Transportwegen, Produktionsausfällen und niedrigen europäischen Gasreserven sorgt für erhebliche Unsicherheit an den Märkten.
In den Niederlanden verschärft sich die Lage zusätzlich durch die historisch niedrigen Füllstände der Gasspeicher. Die niederländischen Speicher sind nur zu 10,5 Prozent gefüllt. Im europäischen Durchschnitt liegen die Speicher bei etwa 30 Prozent. Noch vor einem Jahr lag der Stand zu diesem Zeitpunkt bei rund 26 Prozent in den Niederlanden. Zwar betont Gasunie, dass die Versorgungssicherheit aktuell nicht gefährdet sei, warnt jedoch vor unerwarteten Ereignissen. Genau diese unerwarteten Ereignisse sind nun eingetreten.
Anbieter ziehen Angebote zurück
Eneco und Vattenfall haben ihre Strategie kurzfristig angepasst. Eneco bietet neben dynamischen Verträgen derzeit nur noch einjährige Verträge an und verzichtet über Vergleichsseiten auf mehrjährige Angebote. Vattenfall bot zeitweise ausschließlich dynamische Verträge an und stellt Festverträge vorerst nur bestehenden Kunden zur Verfügung. Beide Unternehmen haben sich zudem von Preisvergleichsportalen zurückgezogen. Cashbackaktionen wurden gestoppt.
Essent bietet weiterhin mehrjährige Verträge an, allerdings zu angepassten Konditionen. Anbieter nehmen ihre mehrjährigen Abonnements von den Webseiten, wenn sie die Preise nicht zuverlässig kalkulieren können. Die Lage sei extrem volatil und ändere sich fortlaufend.
Run auf feste Verträge
Unser eigenes Vergleichsportal verzeichnet seit Samstag eine Vervierfachung der Anfragen für neue Energieverträge. Verbraucher suchen Sicherheit angesichts steigender Preise. Gleichzeitig steigen die angebotenen Tarife deutlich. Die Preise sind seit Montagmorgen erheblich gestiegen. Für ein durchschnittliches Haushaltsprofil verteuern sich neue Verträge um mehrere Hundert Euro.
Im Vergleichstool von vergelijkingsportal.nl beginnen Gaspreise bei einem Verbrauch von 1500 Kubikmetern in Utrecht aktuell bei rund 1,47 Euro pro Kubikmeter inklusive Steuern und Netzkosten. Bei einem solchen Verbrauch ergibt sich eine Gesamtbelastung von rund 2195 Euro pro Jahr für Gas. Noch vor wenigen Tagen lagen die Tarife noch deutlich niederiger. Sollten die Großhandelspreise weiter steigen, könnten neue Verträge laut Marktbeobachtern in Richtung 1,90 Euro pro Kubikmeter tendieren.
Dynamisch, variabel oder fest
Für Haushalte mit dynamischen Verträgen schlagen die Preisbewegungen unmittelbar durch. Bei flexiblen Monatsverträgen können Anpassungen kurzfristig erfolgen. Wer einen laufenden Festvertrag besitzt, bleibt bis zum Vertragsende von Preissprüngen verschont. Energieexperten raten laut Referenztexten dazu, die eigene Situation sorgfältig zu prüfen und keine Panikentscheidungen zu treffen. Da rund 75 Prozent des jährlichen Gasverbrauchs zwischen November und März anfallen, sinkt der Bedarf in den kommenden Monaten deutlich.
Gasfüllsaison wird teuer
Ab April beginnt traditionell die Phase, in der Energieunternehmen ihre Speicher für den kommenden Winter füllen. Unternehmen kaufen Gas im Sommer ein und lagern es ein, um es im Winter teurer zu verkaufen. Wenn jedoch auch die Sommerpreise hoch bleiben, fehlt der wirtschaftliche Anreiz zur Einlagerung. Bei anhaltender Blockade der Straße von Hormus weiter die Gaspreise steigen. Es ist sogar von möglichen 90 bis 100 Euro pro Megawattstunde die Rede.
Sollten Unternehmen zögern, die Speicher zu füllen, könnte der Staat über Energie Beheer Nederland einspringen und mit Steuergeldern Gas einkaufen.
Politische Optionen und Risiken
Diskutiert werden aktuell strategische Gasreserven sowie die Offenhaltung einzelner Produktionskapazitäten. Energieexperten von TNO plädieren dafür, im Notfall Reserven vorzuhalten. Zudem wird die Rolle von Kohlekraftwerken als mögliche Absicherung genannt, falls es zu Engpässen kommt. Konkrete Entscheidungen liegen jedoch beim neuen Kabinett.
Fest steht: Die Kombination aus geopolitischer Eskalation, blockierten Transportwegen, stillgelegter LNG Produktion und extrem niedrigen Speicherständen schafft eine fragile Situation. Für Verbraucher bedeutet das vor allem eines: steigende Preise und weniger Planungssicherheit.
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