Ebbe und Flut einfach erklärt
| von Redaktion
DEN HELDER · Wer seinen Urlaub an der niederländischen Nordseeküste oder auf den Watteninseln verbringt, sollte Ebbe und Flut nicht unterschätzen. Zweimal täglich zieht sich das Meer weit zurück und kehrt wenige Stunden später wieder zurück. Besonders im Wattenmeer entstehen dadurch einzigartige Landschaften, die jährlich Millionen Besucher anziehen. Gleichzeitig können die Gezeiten auch gefährlich werden. Wer den Zeitpunkt von Ebbe und Flut nicht beachtet, riskiert auf Sandbänken oder Wattflächen von auflaufendem Wasser überrascht zu werden.
Für viele Urlauber aus dem Binnenland ist das Phänomen zunächst ungewohnt. Während der Wasserstand an einem Strand morgens noch niedrig sein kann, reicht das Meer wenige Stunden später bis an die Dünen oder den Deich. Tatsächlich wechseln sich Ebbe und Flut an der niederländischen Nordseeküste ungefähr alle sechs Stunden ab. Ein kompletter Gezeitenzyklus dauert rund 12 Stunden und 25 Minuten. Dadurch verschieben sich die Zeiten täglich um etwa 50 Minuten.
Warum gibt es Ebbe und Flut?
Verantwortlich für die Gezeiten ist vor allem die Anziehungskraft des Mondes. Sie sorgt dafür, dass sich das Wasser der Ozeane auf der mondzugewandten Seite der Erde leicht anhebt. Gleichzeitig entsteht auf der gegenüberliegenden Seite ein zweiter Flutberg durch die Fliehkräfte des Erde-Mond-Systems.
Da sich die Erde innerhalb von 24 Stunden einmal um ihre Achse dreht, bewegen sich die Küsten unter diesen beiden Flutbergen hindurch. Deshalb erleben die meisten Küsten weltweit täglich zwei Hochwasser und zwei Niedrigwasser.
Auch die Sonne beeinflusst die Gezeiten. Ihr Einfluss ist zwar geringer als der des Mondes, verstärkt oder schwächt die Wirkung jedoch je nach Stellung der Himmelskörper.
Springtide und Nipptide
Stehen Sonne, Erde und Mond auf einer Linie – etwa bei Vollmond oder Neumond –, addieren sich ihre Anziehungskräfte. Dann entstehen besonders hohe Hochwasser und besonders niedrige Niedrigwasser. Dieses Phänomen wird Springtide genannt.
Stehen Sonne und Mond dagegen im rechten Winkel zueinander, gleichen sich ihre Kräfte teilweise aus. Die Unterschiede zwischen Hoch- und Niedrigwasser fallen dann geringer aus. Dies wird als Nipptide bezeichnet.
Warum ist das Wattenmeer so besonders?
Das niederländische Wattenmeer gehört zu den größten zusammenhängenden Wattlandschaften der Welt und wurde gemeinsam mit den deutschen und dänischen Wattenmeergebieten zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt.
Bei Niedrigwasser fallen riesige Flächen trocken. Muschelbänke, Priele und Sandflächen werden sichtbar und bieten zahlreichen Vogelarten, Fischen und Meeressäugern einen einzigartigen Lebensraum.
Viele Besucher nutzen die Gelegenheit zu einer geführten Wattwanderung – allerdings ausschließlich mit ortskundigen Führern.
Ebbe kann gefährlich werden
Gerade das Wattenmeer wird häufig unterschätzt. Das Wasser kehrt nicht langsam und gleichmäßig zurück, sondern strömt zunächst durch die sogenannten Priele. Diese natürlichen Wasserläufe füllen sich oft sehr schnell und können bereits nach kurzer Zeit nicht mehr durchquert werden.
Hinzu kommen Nebel, Wind oder plötzlich wechselnde Wetterbedingungen. Deshalb sollte das Watt niemals ohne ausreichende Ortskenntnis betreten werden.
Auch an den Stränden spielt die Tide eine Rolle
Nicht nur im Wattenmeer verändert sich der Wasserstand deutlich. Auch an den Nordseestränden verschiebt sich die Wasserkante im Laufe des Tages teilweise um viele Meter.
Bei Ebbe entstehen breite Sandstrände, während bei Flut deutlich weniger Strandfläche zur Verfügung steht. Wer seinen Strandtag plant, sollte daher die Gezeitenzeiten im Blick behalten.
Wo findet man die Gezeiten?
Fast jeder Badeort veröffentlicht täglich die Zeiten für Hoch- und Niedrigwasser.
Sie finden sich unter anderem:
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an vielen Strandzugängen,
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in Touristeninformationen,
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in Wetter-Apps,
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auf den Internetseiten der Küstenorte,
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sowie in speziellen Gezeiten-Apps.
Gerade für Wattwanderungen oder Bootsausflüge gehören die Gezeitenzeiten zur wichtigsten Planung.
Hat das auch Auswirkungen auf die Schifffahrt?
Ja. Viele Häfen und Fahrwasser im Wattenmeer sind tideabhängig. Fähren zu den Watteninseln, Fischkutter und Sportboote berücksichtigen die Wasserstände bei ihrer Planung.
Moderne Fahrrinnen werden zwar regelmäßig ausgebaggert, dennoch spielt die Tide insbesondere in flachen Küstengewässern bis heute eine wichtige Rolle.
Schon gewusst?
Zwischen zwei aufeinanderfolgenden Hochwassern liegen durchschnittlich 12 Stunden und 25 Minuten. Deshalb verschieben sich die Zeiten für Ebbe und Flut jeden Tag um ungefähr 50 Minuten.
Tipp für Urlauber
Planen Sie Wattwanderungen niemals auf eigene Faust. Informieren Sie sich vorab über die aktuellen Gezeiten und nehmen Sie – insbesondere bei längeren Touren – an einer geführten Wattwanderung teil. So erleben Sie das UNESCO-Weltnaturerbe sicher und erfahren gleichzeitig viel über Tiere, Pflanzen und die Entstehung des Wattenmeers.
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