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Duschzeit senken, Wasser sparen

| von Redaktion

Archivbild | Quelle: HOLLAND.guide
Archivbild | Quelle: HOLLAND.guide

DEN HAAG · Die niederländische Regierung und das Bündnis „Leven met Water“ haben eine landesweite Kampagne für einen bewussteren Umgang mit Trinkwasser gestartet. Unter dem Motto „Word geen Douchebag. Fris in 5 minuten.“ sollen Bürger dazu motiviert werden, ihren Wasserverbrauch insbesondere beim Duschen zu reduzieren. Hintergrund sind die steigende Nachfrage nach Trinkwasser, eine wachsende Bevölkerung und ein zunehmender Druck auf die verfügbaren Süßwasserressourcen. Gleichzeitig verfolgt die Regierung das Ziel, den Trinkwasserverbrauch von Haushalten und Unternehmen deutlich zu senken. Die Kampagne richtet sich vor allem an Privathaushalte, da diese für den Großteil des Trinkwasserverbrauchs verantwortlich sind. Die Initiative ist Teil einer breiteren Strategie, die Niederlande langfristig widerstandsfähiger im Umgang mit Wasser zu machen.

In den Niederlanden verbraucht jeder Einwohner durchschnittlich rund 118 Liter Trinkwasser pro Tag. Nur ein kleiner Teil davon wird tatsächlich getrunken. Der überwiegende Anteil wird für alltägliche Tätigkeiten wie Waschen, Reinigen, Spülen oder die Gartenbewässerung verwendet. Besonders hoch ist der Verbrauch beim Duschen. Nach Angaben der Kampagne verschwinden etwa 40 Prozent des täglichen Wasserverbrauchs eines Durchschnittsbürgers direkt im Abfluss der Dusche. Genau dort setzt die neue Informationskampagne an. Mit bewusst überspitzten Figuren, den sogenannten „Douchebags“, wird gezeigt, wie viele Menschen unbewusst große Mengen Trinkwasser verschwenden. Gemeint sind Personen, die sehr lange duschen, beim Zähneputzen das Wasser laufen lassen, ausgiebig baden oder den Garten intensiv bewässern.

Die Kampagne soll nicht mit Verboten arbeiten, sondern das Bewusstsein für den Wert von Trinkwasser stärken und einfache Möglichkeiten zur Einsparung aufzeigen. Nach Angaben der Initiatoren kann bereits eine Minute weniger Duschzeit rund zehn Liter Wasser einsparen. Wenn sich alle Menschen auf eine Duschdauer von fünf Minuten beschränken würden, könnten landesweit täglich Millionen Liter Trinkwasser eingespart werden. Über eine Online-Anwendung können Bürger zudem ihren eigenen Wasserverbrauch einschätzen und erfahren, an welchen Stellen sich ohne großen Aufwand weitere Einsparungen erzielen lassen. Die Kampagne wird vom Bündnis „Leven met Water“ getragen, in dem unter anderem das Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft, Trinkwasserunternehmen, Wasserverbände, Provinzen, Gemeinden, Rijkswaterstaat und weitere Organisationen zusammenarbeiten.

Steigende Nachfrage nach Trinkwasser

Nach Angaben der Regierung steigt der Bedarf an Trinkwasser kontinuierlich. Ursache dafür sind sowohl das Bevölkerungswachstum als auch die wirtschaftliche Entwicklung. Bereits im Jahr 2022 wurde deshalb für Haushalte und Unternehmen ein Einsparziel von 20 Prozent festgelegt. Für Privathaushalte bedeutet dies, dass der durchschnittliche Verbrauch langfristig auf maximal 100 Liter pro Person und Tag sinken soll.

Seit Einführung dieses Ziels ist der durchschnittliche Verbrauch zwar von 125 auf 118 Liter pro Person und Tag gesunken. Die Regierung sieht jedoch weiterhin erhebliches Einsparpotenzial. Da Haushalte für rund 74 Prozent des gesamten Trinkwasserverbrauchs verantwortlich sind, wird dort der größte Hebel gesehen, um das Wachstum des Wasserbedarfs zu bremsen.

Auch Unternehmen sollen Wasser sparen

Die Einsparziele gelten nicht nur für Privathaushalte. Auch die Industrie soll ihren Trinkwasserverbrauch bis zum Jahr 2035 um 20 Prozent reduzieren. Derzeit wird untersucht, welche Einsparmöglichkeiten insbesondere bei großen Wasserverbrauchern bestehen.

Gleichzeitig weist die Regierung darauf hin, dass viele industrielle Prozesse bereits deutlich effizienter organisiert seien als der Wasserverbrauch in privaten Haushalten. Dennoch sollen weitere Maßnahmen entwickelt werden, um den Bedarf auch in diesem Bereich zu senken.

Trinkwasserversorgung unter Druck

Neben der steigenden Nachfrage steht auch das Angebot an Trinkwasser zunehmend unter Druck. Ein Grund dafür ist die sinkende Verfügbarkeit von Süßwasser. Die Regierung verweist auf die zahlreichen trockenen Sommer der vergangenen Jahre, die sowohl die Verfügbarkeit als auch die Qualität der Wasserressourcen beeinflussen.

Um auf diese Entwicklung zu reagieren, arbeitet das Rijk an einer umfassenden Süßwasserstrategie. Diese soll Ende 2027 vorgestellt werden und Maßnahmen enthalten, um den zukünftigen Herausforderungen im Wassersektor zu begegnen.

Suche nach neuen Wasserquellen

Zusätzlich erschwert die hohe Bevölkerungsdichte in den Niederlanden die Erschließung neuer Standorte für die Trinkwassergewinnung. Geeignete Flächen sind begrenzt und die Suche nach zusätzlichen Ressourcen gestaltet sich zunehmend schwierig.

Gemeinsam mit den Provinzen und den Trinkwasserunternehmen wird deshalb nach Lösungen gesucht, um die Versorgung langfristig sicherzustellen. Bis 2030 soll die jährliche Trinkwassergewinnung um weitere 100 Millionen Kubikmeter ausgeweitet werden.

Kampagne setzt auf Verhaltensänderung

Die Kampagne konzentriert sich bewusst auf alltägliche Gewohnheiten. Zu den empfohlenen Maßnahmen gehören die Nutzung eines Fünf-Minuten-Timers beim Duschen, das Duschen zu einem vier- bis fünfminütigen Musikstück sowie die Verlagerung von Tätigkeiten wie Zähneputzen oder Rasieren außerhalb der Dusche.

Nach Angaben der Initiatoren sollen solche kleinen Veränderungen helfen, den Wasserverbrauch dauerhaft zu senken. Ziel ist es, aus bewussten Entscheidungen neue Gewohnheiten entstehen zu lassen und damit den Umgang mit Trinkwasser langfristig nachhaltiger zu gestalten.

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