Drei Provinzen vor Stromanschluss-Stopp
| von Redaktion
DEN HAAG · Stromnetz am Limit: In Flevoland, Gelderland und Utrecht hat das Hochspannungsnetz seine Belastungsgrenze erreicht. Wie der landesweite Netzbetreiber TenneT am 12. Februar mitteilt, sind trotz bereits ergriffener Maßnahmen zusätzliche und kräftige Eingriffe notwendig, um großflächige Störungen und Stromausfälle zu verhindern. Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, droht ab diesem Sommer ein Anschlussstopp für Kleinverbraucher wie Haushalte, Mittelstand und Wohnungsbauprojekte. Betroffen wären neue Anschlüsse ebenso wie Verstärkungen bestehender Anschlüsse. Die Lage hat sich laut TenneT im Vergleich zum Vorjahr weiter verschärft.
Nach Angaben von TenneT basiert die neue Analyse auf aktuellen Zahlen des eigenen Unternehmens sowie der regionalen Netzbetreiber Stedin und Liander. Demnach steigt der Stromverbrauch in Spitzenzeiten stärker als erwartet. Bereits bestehende Maßnahmen reichen nicht aus, um diese Entwicklung ausreichend zu bremsen. Die Belastung der Hochspannungskabel und Umspannwerke habe ein kritisches Niveau erreicht, wodurch das Risiko großflächiger Störungen wachse. Wie TenneT mitteilt, müsse nun mit höchster Priorität gehandelt werden, um die Versorgungssicherheit in Flevoland, Gelderland und Utrecht zu gewährleisten. Sollte das Maßnahmenpaket nicht greifen, könne es im Sommer zu einem Anschlussstopp für Kleinverbraucher kommen. Dazu zählen Verbraucher, kleine und mittlere Unternehmen sowie Projektentwickler im Wohnungsbau. Bestehende Haushalte behalten ihren Anschluss, wie unter anderem das AD berichtet. Ziel der Eingriffe sei es ausdrücklich, die Lieferzuverlässigkeit zu sichern.
Situation laut TenneT weiter verschlechtert
TenneT erklärt heute, dass sich die Lage gegenüber dem Vorjahr erneut verschlechtert habe. Robert Kuik, Direktor Netzwerkplanung bei TenneT, spricht von einer notwendigen deutlichen Warnung. Trotz umfangreicher Investitionen und laufender Netzausbauten seien entscheidende Verstärkungen und Erweiterungen nicht rechtzeitig fertiggestellt. Die bereits eingeleiteten Maßnahmen hätten die steigende Nachfrage in Spitzenzeiten nicht ausreichend dämpfen können. Dadurch nehme die Wahrscheinlichkeit großflächiger Stromausfälle weiter zu.
Möglicher Anschlussstopp für Kleinverbraucher
Wie auch die NOS berichtet, könnte ab Sommer in den drei Provinzen kein neuer Stromanschluss für Wohnungen mehr vergeben werden, falls die zusätzlichen Eingriffe nicht rechtzeitig Wirkung zeigen. Betroffen wären nicht nur Neubauten, sondern auch Anträge auf stärkere Anschlüsse. Laut NOS kann dies Haushalte betreffen, die beispielsweise eine Wärmepumpe, eine Ladestation für Elektroautos oder ein elektrisches Kochfeld installieren möchten.
Das AD erläutert, dass dies in der Praxis bedeuten kann, dass ein Haushalt keine Verstärkung oder Änderung seines bestehenden Anschlusses erhält. Ob etwa eine Ladesäule installiert werden kann, hängt dann von der bisherigen Anschlusskapazität ab.
Vier zentrale Eingriffe geplant
TenneT nennt vier zentrale Interventionsfelder. Erstens soll die Realisierung entscheidender Bauprojekte beschleunigt werden. Als Beispiel wird das Hochspannungsumspannwerk Utrecht Noord genannt, das für die drei Provinzen von wesentlicher Bedeutung sei. Zweitens sollen bestehende Maßnahmen intensiviert und ausgeweitet werden. Drittens plädiert TenneT für eine breite gesellschaftliche und politische Diskussion über die Akzeptanz eines höheren Risikos durch stärkere Netzauslastung. Viertens sieht der Netzbetreiber das Vermeiden von Spitzenlasten durch Haushalte als Teil der Lösung.
Regionale Unterschiede und Fokusgebiete
Die Analyse zeigt laut TenneT, dass die Belastung in allen drei Provinzen kritisch ist, es jedoch lokale Unterschiede gibt. In bestimmten Gebieten könne unter strengen Bedingungen weiterhin eine begrenzte Anschlussmöglichkeit bestehen. Gemeinsam mit regionalen Netzbetreibern, Provinzen und weiteren Beteiligten werde geprüft, wie sogenannte Fokusgebiete eingerichtet werden können, um Überlastungen gezielt zu mindern.
Politische Reaktionen und weitere Schritte
Wie das AD berichtet, forderte die demissionäre Klima und Energieministerin Sophie Hermans eine sorgfältige Prüfung der Maßnahmen sowie eine zweite Bewertung der Analyse. Laut De Telegraaf sprach sie von einem Szenario mit erheblichen Konsequenzen für die betroffenen Provinzen. Zudem wird laut De Telegraaf im Ministerium mit einem Krisenteam an Lösungen gearbeitet.
TenneT kündigt an, die Analyse durch ein unabhängiges Beratungsunternehmen validieren zu lassen. Bis spätestens März soll ein Update über den Stand der Entscheidungsprozesse folgen. Die Situation besteht laut TenneT bereits seit 2022. Seither stehen Großverbraucher auf Wartelisten für neue oder stärkere Anschlüsse. Durch neue Regelungen können nun auch Kleinverbraucher auf diese Wartelisten geraten.
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