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DNB: Bargeld bleibt wichtig im Krisenfall

| von Redaktion

Einer der 3737 Geldautomaten in den Niederlanden. | Foto: Holland.guide
Einer der 3737 Geldautomaten in den Niederlanden. | Foto: Holland.guide

AMSTERDAM · Widerstandsfähigkeit des Zahlungsverkehrs wird nach Einschätzung der niederländischen Zentralbank DNB zunehmend zu einer strategischen Frage für Staat, Wirtschaft und Verbraucher. In ihrer neuen „Visie op Betalen 2026–2028“ warnt die De Nederlandsche Bank, dass geopolitische Spannungen, Cyberangriffe oder technische Störungen das digitale Bezahlen zeitweise lahmlegen könnten. Für Haushalte bedeutet das konkret: Geld muss im Notfall verfügbar sein. Die Zentralbank empfiehlt deshalb, ausreichend Bargeld für mehrere Tage bereitzuhalten und mehrere Zahlungswege zu nutzen. Gleichzeitig sollen neue europäische Bezahlsysteme sowie zusätzliche Geldautomaten und technische Lösungen dafür sorgen, dass das Zahlungsverkehrssystem auch bei Krisen oder Ausfällen funktionsfähig bleibt.

Der Zahlungsverkehr gehört zu den zentralen Infrastrukturen einer modernen Gesellschaft. Täglich werden in den Niederlanden Millionen Transaktionen abgewickelt. Für Verbraucher wirkt das Bezahlen meist selbstverständlich, doch im Hintergrund arbeitet ein komplexes System aus Banken, Zahlungsdienstleistern und technischer Infrastruktur. Wie die De Nederlandsche Bank in ihrer neuen Strategie für den Zeitraum 2026 bis 2028 darlegt, hat sich die Verwundbarkeit dieses Systems in den vergangenen Jahren erhöht. Gründe sind unter anderem geopolitische Spannungen, eine starke Abhängigkeit von internationalen Technologieunternehmen und neue digitale Risiken. Wenn das Bezahlen nicht mehr funktioniert, können grundlegende wirtschaftliche Abläufe schnell zum Stillstand kommen. Unternehmen können keine Zahlungen empfangen oder leisten, Löhne werden nicht überwiesen und Verbraucher können keine Einkäufe tätigen. Deshalb sieht die Zentralbank den Schutz und die Stabilität des Zahlungsverkehrs als zentrale Aufgabe. Ziel sei es, ein System zu schaffen, das auch unter außergewöhnlichen Bedingungen zuverlässig funktioniert und für alle zugänglich bleibt.

Bargeld als Sicherheitsreserve

Die De Nederlandsche Bank rät Haushalten ausdrücklich, eine gewisse Menge Bargeld als Reserve bereitzuhalten. Hintergrund ist die Möglichkeit eines mehrtägigen Ausfalls elektronischer Zahlungssysteme, etwa durch technische Störungen oder Cyberangriffe. Für einen Zeitraum von 72 Stunden empfiehlt die Zentralbank ausreichend Bargeld, um notwendige Einkäufe tätigen zu können. Nach Angaben der DNB ist Bargeld deshalb weiterhin ein wichtiger Bestandteil eines stabilen Zahlungssystems. Zwar sinkt der Anteil von Barzahlungen seit Jahren deutlich, doch gerade in Krisensituationen kann Bargeld eine wichtige Ersatzfunktion erfüllen.

Auch aus struktureller Sicht bleibt Bargeld relevant. Die Zentralbank bezeichnet Banknoten und Münzen als öffentliches Geld und damit als Grundlage für Vertrauen in das gesamte Finanzsystem. Deshalb soll sichergestellt werden, dass Bargeld auch künftig verfügbar, erreichbar und bezahlbar bleibt. Dazu gehört unter anderem ein flächendeckendes Netz von Geldautomaten sowie eine breite Akzeptanz im Handel.

Bargeld im Notfall
Für den Notfall empfiehlt Rijksoverheid, Bargeld im Haushalt bereitzuhalten. Als Richtwert gelten 70 Euro pro erwachsene Person und 30 Euro pro Kind für die ersten 72 Stunden einer möglichen Störung im Zahlungsverkehr.
Das Geld sollte möglichst in verschiedenen Banknoten und Münzen vorhanden sein, damit im Geschäft möglichst passend bezahlt werden kann.
Es ist jedoch nicht notwendig, sofort größere Bargeldbeträge abzuheben. Die Zentralbank empfiehlt, den Bargeldvorrat schrittweise über mehrere Monate aufzubauen.
Zusätzlich sollten Haushalte mehrere Zahlungsmöglichkeiten nutzen. Dazu gehören etwa eine funktionierende Banking App auf dem Smartphone sowie eine Bankkarte. Gegebenenfalls kann es sinnvoll sein, Konten oder Karten bei unterschiedlichen Banken zu nutzen, um bei Ausfällen flexibel zu bleiben.

Mehr Geldautomaten und alternative Zahlungswege

Neben der Empfehlung für Bargeld fordert die De Nederlandsche Bank zusätzliche Maßnahmen, um das Zahlungssystem widerstandsfähiger zu machen. Dazu gehört unter anderem ein ausreichend dichtes Netz von Geldautomaten. Der Zugang zu Bargeld müsse auch dann gewährleistet sein, wenn viele Menschen gleichzeitig Geld abheben möchten.

Darüber hinaus sieht die Zentralbank technische Lösungen wie sogenanntes Offline-Pinnen als wichtige Ergänzung. Dabei werden Kartenzahlungen vorübergehend gespeichert und erst später verarbeitet, wenn die Internetverbindung wieder verfügbar ist. Laut DNB kann diese Technik helfen, Geschäfte auch bei Störungen im Netzwerk offen zu halten. Allerdings erfordert die Einführung solcher Systeme Anpassungen in der technischen Infrastruktur von Zahlungsdienstleistern und Händlern.

Auch Verbraucher sollen zur Stabilität beitragen, indem sie mehrere Zahlungsmöglichkeiten nutzen. Dazu gehören etwa unterschiedliche Bankkonten, verschiedene Zahlungsapps oder alternative Zahlungsmethoden. Das Prinzip dahinter beschreibt die Zentralbank einfach: Risiken sollten nicht auf ein einziges System konzentriert werden.

Abhängigkeit von internationalen Zahlungsdiensten

Ein weiteres zentrales Thema der neuen Zahlungsstrategie ist die starke Abhängigkeit Europas von internationalen Zahlungsdienstleistern. Ein großer Teil der Kartenzahlungen in den Niederlanden wird über amerikanische Anbieter abgewickelt. Wie das AD berichtet, übernehmen Visa und Mastercard etwa die Hälfte aller Zahlungen im Land.

Nach Einschätzung der Zentralbank kann diese Abhängigkeit Risiken mit sich bringen. In geopolitischen Konflikten könnten Zahlungsdienste theoretisch unter politischen Druck geraten. Auch technische Ausfälle oder Cyberangriffe könnten erhebliche Auswirkungen haben. Deshalb setzt die DNB auf eine stärkere europäische Eigenständigkeit im Zahlungsverkehr.

Europäische Lösungen im Zahlungsverkehr

Um die Abhängigkeit zu verringern, unterstützt die De Nederlandsche Bank mehrere europäische Initiativen. Dazu gehört unter anderem das Bezahlsystem Wero, das aus der europäischen Zahlungsinitiative EPI hervorgegangen ist. Dieses System soll langfristig eine europaweit nutzbare Alternative zu bestehenden internationalen Zahlungsdiensten bieten.

Ein weiteres Projekt ist die digitale Euro. Diese soll als digitale Form von öffentlichem Geld funktionieren und sowohl online als auch offline genutzt werden können. Ziel ist es, eine zusätzliche Zahlungsoption zu schaffen, die unabhängig von privaten Zahlungsnetzwerken funktioniert. Laut DNB könnte eine digitale Variante des Euro das Zahlungssystem stabiler machen und gleichzeitig den Zugang zu öffentlichem Geld auch im digitalen Umfeld sichern.

Sicherheit und Innovation im Gleichgewicht

Die Zentralbank betont in ihrer Strategie, dass Innovation im Zahlungsverkehr weiterhin wichtig bleibt. Neue Technologien wie digitale Geldformen, künstliche Intelligenz oder Distributed Ledger Technology könnten den Zahlungsverkehr effizienter und schneller machen. Gleichzeitig müssten diese Entwicklungen so gestaltet werden, dass Sicherheit und Vertrauen nicht gefährdet werden.

Nach Angaben der DNB ist das langfristige Ziel ein breites Ökosystem verschiedener Zahlungsformen. Dazu sollen sowohl öffentliches Geld wie Bargeld und eine mögliche digitale Euro als auch private Lösungen gehören. Ein solches vielfältiges System soll verhindern, dass der Zahlungsverkehr von einzelnen Technologien oder Anbietern abhängig wird.

Die neue Zahlungsstrategie zeigt damit deutlich, dass digitale Bezahlmethoden zwar weiter an Bedeutung gewinnen, Bargeld und alternative Systeme jedoch weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Für Verbraucher bedeutet das vor allem eines: Im Krisenfall sollte Geld verfügbar sein.

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