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Deutschland steigt bei TenneT ein

| von Redaktion

Archivbild | Foto: HOLLAND.guide
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DEN HAAG · Die Niederlande verkaufen einen Teil ihrer Beteiligung an TenneT Deutschland an den deutschen Staat. Konkret übernimmt Deutschland über die staatliche Förderbank KfW einen Anteil von 25,1 Prozent an der deutschen Tochter des Hochspannungsnetzbetreibers. Der Kaufpreis liegt bei rund 3,3 Milliarden Euro. Ziel der Transaktion ist es, die Kapitalbasis von TenneT Deutschland zu stärken, da für Ausbau und Erneuerung des Stromnetzes im Zuge der Energiewende erhebliche Investitionen notwendig sind. Neben dem deutschen Staat sind bereits drei große institutionelle Investoren beteiligt. Die niederländische TenneT Holding bleibt Minderheitsaktionär und behält wichtige Mitspracherechte. Die Vereinbarung wurde zwischen den Regierungen beider Länder, TenneT sowie den beteiligten Investoren erzielt und soll die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im europäischen Stromnetz langfristig absichern.

Der Verkauf betrifft ausschließlich TenneT Deutschland. Die niederländische TenneT Holding reduziert ihre Beteiligung, bleibt jedoch mit 28,9 Prozent weiterhin Anteilseigner. Damit ist sichergestellt, dass die Holding auch künftig in zentrale Entscheidungen eingebunden bleibt. Nach Angaben des niederländischen Finanzministeriums ist dies insbesondere mit Blick auf strategische Fragen und die Zusammenarbeit zwischen den niederländischen und deutschen Netzaktivitäten von Bedeutung. Ein zentrales Element dieser Kooperation ist der gemeinsame Ausbau der Infrastruktur zur Anbindung von Offshore Windparks in der Nordsee an das Stromnetz. Die Erlöse aus dem Verkauf fließen dem niederländischen Staat zu und werden unter anderem zur Rückzahlung eines laufenden staatlichen Darlehens an TenneT verwendet. Diese Rückzahlung soll im Rahmen der Voorjaarsnota 2026 verbucht werden.

Beteiligung des deutschen Staates über KfW

Der Einstieg Deutschlands erfolgt über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die im Auftrag der Bundesregierung handelt. Mit dem Erwerb von 25,1 Prozent erhält der deutsche Staat ein Minderheitsinteresse an TenneT Deutschland. Laut den veröffentlichten Angaben erfolgt der Kauf zu denselben Bewertungsgrundlagen wie der Einstieg der institutionellen Investoren im Vorjahr. Damit beteiligt sich Deutschland direkt an der Finanzierung des Netzausbaus und trägt künftig aktiv zur Deckung des steigenden Kapitalbedarfs bei. Gleichzeitig entstehen für den deutschen Staat Mitspracherechte bei wesentlichen Entscheidungen, etwa bei der Festlegung des Geschäftsplans oder bei wichtigen Personalfragen.

Rolle der privaten Investoren

Bereits im vergangenen Jahr hatten die institutionellen Investoren APG, GIC und Norges Bank Investment Management eine Beteiligung von bis zu 46 Prozent an TenneT Deutschland vereinbart. Dafür wurde ein Eigenkapitalvolumen von rund 9,5 Milliarden Euro zugesagt. Nach den nun getroffenen Vereinbarungen sollen diese Investoren langfristig ihren Anteil auf 46 Prozent ausbauen. Der deutsche Staat beteiligt sich künftig anteilig an weiteren Kapitalrunden, um seinen Anteil von 25,1 Prozent zu halten. Der Anteil der niederländischen TenneT Holding verwässert dadurch langfristig auf 28,9 Prozent, bleibt jedoch mit einem Vetorecht bei wichtigen Beschlüssen ausgestattet.

Bedeutung für den Netzausbau in Deutschland

TenneT Deutschland betreibt nach Angaben aus den Referenztexten ein Hochspannungsnetz von rund 14.000 Kilometern und zählt damit zu den größten Netzbetreibern des Landes. Für die kommenden Jahre sind Investitionen in Höhe von mehreren zehn Milliarden Euro erforderlich, um das Netz zu erweitern und zu modernisieren. Diese Maßnahmen gelten als Voraussetzung für die Integration erneuerbarer Energien und für die Versorgungssicherheit. Wie das niederländische Finanzministerium mitteilt, verbessert der Einstieg des deutschen Staates die finanzielle Stabilität von TenneT Deutschland deutlich und reduziert zugleich die finanziellen Risiken für die Niederlande.

Finanzielle Auswirkungen für die Niederlande

Nach Darstellung von Minister Heinen stärkt die Transaktion nicht nur TenneT Deutschland, sondern auch die niederländischen Staatsfinanzen. Die unmittelbaren Einnahmen aus dem Verkauf belaufen sich auf rund 3,3 Milliarden Euro. Perspektivisch könnten die Gesamterlöse für den niederländischen Staat auf mehr als fünf Milliarden Euro anwachsen. Zudem wird ein Teil der Einnahmen genutzt, um bestehende staatliche Finanzierungen an TenneT zurückzuführen. Wie NOS berichtet, bedeutet der Einstieg Deutschlands außerdem eine Entlastung für den niederländischen Staat, da künftige Investitionsrisiken nicht mehr allein getragen werden müssen.

Europäische Zusammenarbeit im Stromnetz

Sowohl das Finanzministerium als auch TenneT betonen die europäische Dimension der Vereinbarung. Die Beteiligung Deutschlands wird als Schritt zur engeren Zusammenarbeit beim Ausbau grenzüberschreitender Energieinfrastruktur gewertet. TenneT verweist darauf, dass die gemeinsame Eigentümerstruktur Planungssicherheit für den langfristigen Netzausbau schafft und zur Stabilität des europäischen Stromsystems beiträgt. Die bestehenden Synergieeffekte zwischen TenneT Niederlande und TenneT Deutschland sollen ausdrücklich erhalten bleiben, insbesondere bei Projekten in der Nordsee.

Weiteres Verfahren und Abschluss

Der formale Abschluss der Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen. Nach Angaben von TenneT wird das Closing für das Ende des ersten Halbjahres 2026 erwartet. Erst dann wird die Beteiligung der KfW wirksam. Bis dahin bleiben die bisherigen Eigentumsverhältnisse bestehen. Mit dem Einstieg des deutschen Staates ist jedoch ein zentraler Schritt zur langfristigen Finanzierung von TenneT Deutschland vollzogen, der sowohl von den beteiligten Regierungen als auch vom Unternehmen selbst als strategisch wichtig eingestuft wird.

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