Der Hausarzt in den Niederlanden erklärt
| von Redaktion
UTRECHT · Wer neu in die Niederlande zieht oder dort länger lebt, stellt schnell fest: Das Gesundheitssystem funktioniert anders als in Deutschland. Im Mittelpunkt steht der Hausarzt, auf Niederländisch Huisarts. Er ist fast immer die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Beschwerden und übernimmt eine deutlich zentralere Rolle als viele deutsche Patienten gewohnt sind. Ohne Überweisung des Hausarztes sind Termine bei Fachärzten in den meisten Fällen nicht möglich. Wer das System kennt, spart Zeit, vermeidet Missverständnisse und erhält schneller die passende Behandlung.
Gerade deutsche Expats sind häufig überrascht, wenn sie bei Beschwerden nicht sofort an einen Facharzt überwiesen werden oder zunächst den Rat erhalten, einige Tage abzuwarten. Dahinter steckt jedoch kein mangelndes Interesse, sondern ein Gesundheitssystem, das den Hausarzt bewusst als Koordinator der medizinischen Versorgung einsetzt.
Der Hausarzt ist die erste Anlaufstelle
In den Niederlanden wenden sich Patienten bei nahezu allen gesundheitlichen Problemen zunächst an ihren Hausarzt.
Dazu gehören unter anderem:
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akute Erkrankungen,
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chronische Beschwerden,
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Impfungen,
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Vorsorgeuntersuchungen,
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kleinere Verletzungen,
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psychische Belastungen,
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Überweisungen zu Fachärzten.
Der Hausarzt entscheidet, ob eine Behandlung in der Praxis ausreicht oder eine Überweisung erforderlich ist.
Ohne Überweisung meist kein Facharzt
Ein wesentlicher Unterschied zu Deutschland ist das sogenannte Gatekeeper-Prinzip.
Für viele Fachärzte – etwa Orthopäden, Kardiologen, Dermatologen oder Neurologen – benötigen Patienten grundsätzlich eine Überweisung ihres Hausarztes. Ohne diese übernehmen die Krankenversicherungen die Behandlung häufig nicht.
Ausnahmen gelten beispielsweise für Zahnärzte, Hebammen oder in vielen Fällen für Physiotherapie nach besonderen Regelungen.
Warum verschreibt der Hausarzt oft weniger Medikamente?
Viele Deutsche wundern sich darüber, dass niederländische Hausärzte zunächst häufig Ruhe, ausreichend Flüssigkeit oder Paracetamol empfehlen.
Das liegt daran, dass in den Niederlanden nach wissenschaftlichen Leitlinien behandelt wird und viele Erkrankungen zunächst beobachtet werden, bevor Medikamente oder Antibiotika eingesetzt werden.
Gerade Antibiotika werden deutlich zurückhaltender verschrieben als in vielen anderen Ländern. Ziel ist es unter anderem, Antibiotikaresistenzen zu vermeiden.
Einen Hausarzt sollte man frühzeitig suchen
Wer dauerhaft in den Niederlanden lebt, sollte sich möglichst früh bei einer Hausarztpraxis anmelden.
Vor allem in Ballungsräumen nehmen viele Praxen aufgrund ihrer Auslastung nicht jederzeit neue Patienten auf. Meist werden bevorzugt Menschen aufgenommen, die im direkten Einzugsgebiet (Postcode) der Praxis wohnen.
Eine Anmeldung lohnt sich daher möglichst bald nach dem Umzug.
Termine gibt es meist nur nach telefonischer Einschätzung
In vielen Hausarztpraxen vereinbaren Patienten ihren Termin zunächst telefonisch.
Dabei stellt eine medizinische Fachkraft einige Fragen zu den Beschwerden und entscheidet gemeinsam mit dem Hausarzt, wie dringend ein Termin erforderlich ist. Häufig erhalten Patienten zunächst telefonische Empfehlungen oder werden – falls nötig – noch am selben Tag einbestellt.
Was passiert außerhalb der Sprechzeiten?
Abends, nachts, an Wochenenden und Feiertagen übernehmen sogenannte Huisartsenposten den hausärztlichen Bereitschaftsdienst.
Diese Notfallpraxen behandeln ausschließlich dringende Beschwerden, die nicht bis zum nächsten Werktag warten können. Ein Besuch erfolgt in der Regel erst nach vorheriger telefonischer Anmeldung.
Für lebensbedrohliche Notfälle gilt selbstverständlich die 112.
Hausarzt und Krankenversicherung
Wer in den Niederlanden lebt und dort krankenversichert ist, kann seinen Hausarzt grundsätzlich frei wählen – sofern die Praxis neue Patienten aufnimmt.
Die Kosten für die hausärztliche Versorgung werden im Regelfall vollständig von der niederländischen Krankenversicherung übernommen und fallen nicht unter den jährlichen Eigenanteil (Eigen risico).
Anders kann es bei Facharztbehandlungen oder Krankenhausaufenthalten aussehen, für die unter Umständen der gesetzliche Eigenanteil gilt.
Was ist mit Touristen?
Auch Urlauber können bei gesundheitlichen Problemen einen niederländischen Hausarzt aufsuchen.
Die Behandlungskosten werden je nach Versicherung entweder direkt oder nachträglich über die Krankenversicherung abgerechnet. Wer gesetzlich in Deutschland versichert ist, sollte die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) mitführen.
Schon gewusst?
Viele niederländische Hausärzte führen auch kleinere medizinische Eingriffe selbst durch – etwa das Entfernen von Hautveränderungen, das Nähen kleiner Wunden oder das Einsetzen bestimmter Verhütungsmittel. Dadurch lassen sich viele Behandlungen ohne Überweisung ins Krankenhaus durchführen.
Tipp für Expats
Suchen Sie sich möglichst direkt nach Ihrem Umzug einen Hausarzt – auch wenn Sie gesund sind. Gerade in beliebten Wohngebieten kann es schwierig sein, kurzfristig eine Praxis zu finden, die noch neue Patientinnen und Patienten aufnimmt.
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