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Datacenterbrand legt Systeme lahm

| von Redaktion

Auch Feuerwehren aus Utrecht waren im Einsatz. | Foto: HOLLAND.guide
Auch Feuerwehren aus Utrecht waren im Einsatz. | Foto: HOLLAND.guide

ALMERE · Großbrand mit massiven Folgen für digitale Infrastruktur: In einem Datacenter an der Rondebeltweg in Almere ist am Donnerstagmorgen ein schwerer Brand ausgebrochen. Nach Angaben der Veiligheidsregio Flevoland entstand das Feuer in einem technischen Bereich an der Rückseite des Gebäudes. Wegen der starken Rauchentwicklung wurde mehrfach ein NL Alert ausgelöst. Anwohner wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Lüftungen auszuschalten. Die Feuerwehr setzte zahlreiche Spezialkräfte ein, darunter Crashtender von Schiphol und Lelystad Airport sowie eine Löschrobotereinheit aus Amsterdam Amstelland. Das Feuer führte nicht nur zu einem Großeinsatz der Rettungskräfte, sondern hatte auch erhebliche Auswirkungen auf digitale Systeme in den Niederlanden. Universitäten, Arztpraxen, Verkehrsunternehmen und weitere Organisationen meldeten massive Störungen. Die Universiteit Utrecht bleibt am Freitag vollständig geschlossen.

Der Brand im Datacenter in Almere entwickelte sich bereits am Vormittag zu einem Großeinsatz mit landesweiter Unterstützung. Wie die Veiligheidsregio Flevoland meldete, wurde zunächst auf GRIP 1 und später auf GRIP 2 hochgestuft. Hintergrund war nicht nur das Feuer selbst, sondern vor allem die möglichen Auswirkungen auf die Umgebung sowie die komplexe technische Infrastruktur im Gebäude. Nach Angaben der Feuerwehr befand sich der Brand in einem abgeschotteten Bereich mit technischer Versorgungstechnik und Notstromanlagen. Dort standen unter anderem Dieselaggregate sowie eine größere Dieseltankanlage, die vorsorglich dauerhaft gekühlt werden musste. Dafür kamen unter anderem spezielle Flughafenlöschfahrzeuge mit enormer Löschkapazität zum Einsatz. Die Sicherheitsregion sprach von einem äußerst komplizierten Einsatz, bei dem Spezialteams aus mehreren Regionen der Niederlande hinzugezogen wurden.

Zeitweise zog eine dichte Rauchwolke über Wohngebiete in Almere. Die Behörden verschickten deshalb mehrere NL Alerts. Bewohner sollten Fenster und Türen geschlossen halten, Lüftungen ausschalten und sich möglichst nicht im Rauch aufhalten. Messfahrzeuge der Feuerwehr kontrollierten kontinuierlich die Luftqualität. Nach Angaben der Veiligheidsregio Flevoland wurden bislang keine gefährlichen Konzentrationen von Schadstoffen festgestellt. Dennoch blieb die Warnung über Stunden bestehen. Am frühen Abend nahm die Rauchentwicklung laut Sicherheitsregion deutlich ab. Die Feuerwehr bereitete gleichzeitig den teilweisen Rückbau der Gebäudekonstruktion vor, um besser an Brandherde zu gelangen. Dadurch konnte vorübergehend erneut mehr Rauch entstehen. Erst gegen Abend wurde das NL Alert aufgehoben und auf GRIP 1 zurückgestuft.

Große Folgen für Universitäten und Gesundheitswesen

Besonders gravierend sind die Auswirkungen auf digitale Infrastruktur und öffentliche Einrichtungen. Wie NOS berichtet, befinden sich im Datacenter Server zahlreicher nationaler und internationaler Kunden. Zwar seien die eigentlichen Datenräume nicht zerstört worden, jedoch fiel ein Teil der Stromversorgung aus. Auf Anweisung der Feuerwehr musste die gesamte Stromversorgung abgeschaltet werden. Dadurch konnten zahlreiche Organisationen nicht mehr auf ihre Systeme zugreifen.

Die Universiteit Utrecht meldete massive Probleme mit Netzwerken, Anwendungen und Webseiten. Auch Zugangssysteme und elektronische Zugangspässe funktionierten nicht mehr korrekt. Mitarbeitende und Studierende konnten dadurch teilweise nicht mehr auf Gebäude und Arbeitsräume zugreifen. Die Universität kündigte deshalb an, am Freitag vollständig geschlossen zu bleiben. Online Unterricht und digitales Arbeiten wurden ausdrücklich nicht empfohlen, um die belasteten Systeme nicht zusätzlich unter Druck zu setzen.

Auch das Gesundheitswesen war betroffen. NOS berichtet, dass mehrere Hausarztpraxen und Apotheken ihre Systeme zeitweise nicht mehr nutzen konnten. Patientenakten, Terminübersichten und Kontaktdaten waren teilweise nicht erreichbar. Ein Hausarzt aus Amsterdam erklärte laut NOS, dass plötzlich keine Verbindung mehr zu Patientendaten bestanden habe. Einige Praxen richteten Notrufnummern ein, um zumindest telefonisch erreichbar zu bleiben. Die Situation zeigte deutlich, wie abhängig viele medizinische Einrichtungen inzwischen von zentralen digitalen Infrastrukturen sind.

Verkehrsbetriebe und Unternehmen betroffen

Neben Universitäten und Arztpraxen meldeten auch Verkehrsunternehmen Probleme. Wie AD berichtet, war unter anderem Transdev betroffen. Die Busfahrer konnten zeitweise keinen direkten Kontakt mehr zur Leitstelle aufnehmen. Laut Unternehmensangaben wurde jedoch rasch auf Notfalllösungen umgestellt, sodass Fahrgäste die Auswirkungen kaum bemerkten. Auch das niederländische Statistikamt CBS sowie weitere Organisationen meldeten Störungen.

Zusätzlich kam es bei Infomedics, einem Unternehmen für Abrechnungen im Gesundheitswesen, zu Ausfällen. Telefon und Chatdienste waren laut NOS zeitweise nicht erreichbar. Viele Webseiten und digitale Plattformen reagierten nur eingeschränkt oder gar nicht mehr. Besonders deutlich wurde dabei, wie stark zentrale Datacenter inzwischen in alltägliche Prozesse eingebunden sind. Selbst regionale Vorfälle können innerhalb weniger Stunden landesweite Auswirkungen auf Kommunikation, Verwaltung, Bildung und Gesundheitsversorgung haben.

Feuerwehr kämpfte stundenlang gegen Ausbreitung

Die Feuerwehr konzentrierte sich nach Angaben der Veiligheidsregio Flevoland vor allem darauf, ein Übergreifen des Feuers auf weitere Gebäudeteile zu verhindern. Das betroffene Technikabteil galt bereits früh als verloren. Insgesamt wurden unter anderem fünf Löschfahrzeuge, drei Drehleitern, ein Großwassertransport sowie mehrere Spezialfahrzeuge eingesetzt. Zusätzlich standen ein Löschroboter und mehrere Flughafenlöschfahrzeuge bereit.

Die enorme Rauchentwicklung war noch aus großer Entfernung sichtbar und sorgte auch auf der Autobahn A6 für Aufmerksamkeit. Über die Ursache des Brandes konnten die Einsatzkräfte am Donnerstagabend noch keine Angaben machen. NorthC Datacenters in Almere kündigte laut AD an, nach Freigabe des Gebäudes sofort mit technischen Untersuchungen zu beginnen, um das genaue Ausmaß der Schäden festzustellen und Notmaßnahmen einzuleiten.

Brand zeigt Abhängigkeit von digitaler Infrastruktur

Der Vorfall in Almere macht deutlich, wie sensibel moderne Gesellschaften auf Ausfälle zentraler Rechenzentren reagieren. Obwohl keine Serverräume direkt zerstört wurden, führte bereits der Ausfall der Stromversorgung zu weitreichenden Problemen in mehreren gesellschaftlich wichtigen Bereichen. Universitäten mussten schließen, Arztpraxen improvisieren und Unternehmen auf Notlösungen umstellen.

Gleichzeitig zeigte der Einsatz auch die enorme Dimension moderner Datacenter. Neben klassischen Serveranlagen gehören dazu komplexe Energieversorgungssysteme mit Dieselaggregaten, Batteriesystemen und umfangreicher technischer Infrastruktur. Gerade diese Technikbereiche stellen bei Bränden eine besondere Herausforderung für Feuerwehr und Sicherheitsbehörden dar. Die Veiligheidsregio Flevoland betonte deshalb mehrfach die Komplexität des Einsatzes und den Bedarf an spezialisierten Kräften aus verschiedenen Regionen des Landes.

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