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Damen droht nächster Milliardenverlust

| von Redaktion

Die Zr.Ms. Friesland (P842) wurde von der niederländischen Werft Damen Shipyards Group gebaut. | Quelle: HOLLAND.guide
Die Zr.Ms. Friesland (P842) wurde von der niederländischen Werft Damen Shipyards Group gebaut. | Quelle: HOLLAND.guide

GORINCHEM · Die niederländische Werft Damen Shipyards steht möglicherweise vor dem nächsten schweren Rückschlag. Nachdem Deutschland den Bau von sechs Fregatten beendet hat und beide Seiten inzwischen über mögliche Schadenersatzforderungen streiten, erwägt nun auch Belgien den Ausstieg aus einem milliardenschweren Beschaffungsprojekt. Verteidigungsminister Theo Francken hält die geplanten Liefertermine für zu spät und die Kosten für zu hoch. Er will deshalb weitere europäische Werften ansprechen und im Oktober über das weitere Vorgehen entscheiden. Die Entwicklung verschärft den Druck auf einen der wichtigsten niederländischen Schiffbauer**, der sich derzeit bereits mit den Folgen des gestoppten deutschen F126-Programms auseinandersetzt und zugleich auf eine geordnete Abwicklung des Projekts drängt.

Belgien hatte bei Damen zwei ASW-Fregatten für die belgische Marine bestellt. Die Schiffe sollen im Rahmen der belgisch-niederländischen Marinepartnerschaft gemeinsam mit den für die niederländische Marine vorgesehenen Einheiten entwickelt werden und die bisherigen Mehrzweckfregatten ersetzen. Nach Angaben von Belgiens Verteidigungsminister Theo Francken sind jedoch sowohl die Kosten als auch die Lieferzeiten deutlich gestiegen. Während ursprünglich mit rund 600 Millionen Euro pro Schiff gerechnet wurde, liegt der Preis inzwischen bei etwa 1,3 Milliarden Euro pro Einheit. Gleichzeitig soll das erste Schiff frühestens 2033 ausgeliefert werden. Nach Angaben des Ministers sind die vorhandenen belgischen Fregatten jedoch am Ende ihrer Lebensdauer angekommen. Deshalb will Belgien nun auch Werften in Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien und der Türkei ansprechen. Nach Angaben der NOS möchte Francken die Zusammenarbeit mit Damen grundsätzlich fortsetzen. Die derzeitigen Bedingungen seien für Belgien jedoch nicht akzeptabel. Eine endgültige Entscheidung soll im Oktober fallen.

Zweiter Rückschlag nach deutschem Großprojekt

Ein möglicher Verlust des belgischen Auftrags würde auf eine ohnehin angespannte Situation treffen. Erst Ende Juni hatte Deutschland das F126-Programm beendet, in dessen Rahmen Damen ursprünglich sechs Fregatten für die deutsche Marine bauen sollte. Nach Darstellung des deutschen Verteidigungsministeriums führten erhebliche Verzögerungen und gestiegene Kosten dazu, dass das Projekt nicht mehr vertretbar gewesen sei. Stattdessen sollen nun acht andere Fregatten bei ThyssenKrupp Marine Systems bestellt werden. Nach Angaben der NOS würden diese rund 11,6 Milliarden Euro kosten, während die Kosten des ursprünglichen Projekts auf etwa 18 Milliarden Euro angestiegen wären.

Damen weist die Darstellung der deutschen Seite zurück. Das Unternehmen erklärte Anfang Juli, die Entscheidung der Bundesregierung sei völlig überraschend gekommen. Nach Unternehmensangaben seien bereits Teile der ersten Schiffe sowie zahlreiche Systeme und Komponenten für die Montage fertiggestellt gewesen. Zudem habe Damen während des gesamten Projekts konstruktiv an Lösungen gearbeitet und sich auch auf eine Übergabe der Hauptverantwortung an den deutschen Partner NVL vorbereitet. Nun wolle das Unternehmen gemeinsam mit der Bundesregierung eine geordnete Abwicklung des Projekts erreichen.

Streit über Schadenersatz

Inzwischen verfolgen beide Seiten auch juristische Schritte. Nach Angaben der NOS fordert Damen von der deutschen Regierung Schadenersatz und beruft sich darauf, dass der Vertrag ohne rechtliche Grundlage und ohne vorherige Abmahnung beendet worden sei. Das Unternehmen verweist darauf, dass zahlreiche bereits produzierte Komponenten nun nicht mehr verwendet werden können und darin ein wesentlicher Teil des Schadens liege.

Nach Informationen der PZC prüft Damen Schadenersatzforderungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro. Dabei soll es vor allem um Verluste zahlreicher Zulieferer und Unterauftragnehmer gehen, von denen sich die meisten in Deutschland befinden. Gleichzeitig macht das deutsche Verteidigungsministerium deutlich, dass es seinerseits mögliche Forderungen gegen Damen in Höhe von bis zu 2,3 Milliarden Euro für denkbar hält und Ansprüche anderer Beteiligter zurückweist.

Technische Änderungen und steigende Anforderungen

Sowohl beim deutschen als auch beim belgisch-niederländischen Fregattenprogramm spielten nach den vorliegenden Informationen technische Anpassungen eine wichtige Rolle. Durch die rasche Entwicklung moderner Waffensysteme mussten die Entwürfe der Schiffe mehrfach angepasst werden. Dadurch wurden größere Schiffe erforderlich, was wiederum zu längeren Bauzeiten und höheren Kosten führte.

Damen betont in seiner Stellungnahme, dass große internationale Verteidigungsprogramme grundsätzlich komplex seien und sich Anforderungen während der Entwicklung verändern könnten. Das Unternehmen verweist außerdem darauf, dass durch den Wegfall des deutschen Projekts nun erhebliche Ingenieurkapazitäten frei würden. Diese könnten nach Einschätzung des Unternehmens für andere Verteidigungsprojekte eingesetzt werden. Zugleich erklärt Damen, gut aufgestellt zu sein, um Programme wie das belgisch-niederländische Fregattenprojekt zu beschleunigen.

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