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Cannabiszüchter muss Gestank eindämmen

| von Redaktion

Symbolfoto | Bild von Hayley Zacha auf Pixabay
Symbolfoto | Bild von Hayley Zacha auf Pixabay

ROTTERDAM · Harte Auflagen für legale Cannabisproduktion: Die größte legale Cannabisplantage der Niederlande in Hellevoetsluis steht massiv unter Druck: Wegen anhaltender Geruchsbelästigung durch den Betrieb von CanAdelaar hat die Gemeinde Voorne aan Zee strenge Umweltauflagen verhängt. Mehr als 2000 Beschwerden von Anwohnern belegen die Belastung, die nun auch vor Gericht bestätigt wurde. Der zuständige Richter in Rotterdam erklärte die Situation für unhaltbar und ordnete an, dass das Unternehmen binnen einer Woche Maßnahmen ergreifen muss. Andernfalls drohen Zwangsgelder von bis zu 3,5 Millionen Euro. Experten warnen, dass ein Scheitern des staatlichen Cannabisexperiments bevorsteht, sollte der Betrieb ausfallen.

Die rechtliche Auseinandersetzung um die legale Cannabisproduktion in Voorne aan Zee zeigt, wie schnell ein Pilotprojekt in Schieflage geraten kann. Die Firma CanAdelaar baut seit 2023 auf einer Fläche von 32.000 Quadratmetern Cannabis im Rahmen des sogenannten Wietexperiment an. Ziel dieses von der niederländischen Regierung gestarteten Projektes ist es, eine legale Lieferkette zwischen Anbauern und Coffeeshops zu schaffen. Doch seit dem Start häufen sich die Beschwerden der Anwohner, die unter starker Geruchsbelastung leiden. Nach Angaben der Rechtbank Rotterdam gingen allein seit 2023 über 2000 Meldungen ein. Der Richter stellte klar, dass die Belastung erheblich sei und ein sofortiges Handeln notwendig sei, um den Anwohnern eine akzeptable Lebenssituation zu ermöglichen. Die von der Gemeinde erlassenen Umweltauflagen bleiben daher bestehen, wie de Rechtspraak berichtet.

CanAdelaar hatte versucht, die Vorschriften zu kippen, da diese laut Unternehmensanwälten einer „verkappten Schließung“ gleichkämen. Das Unternehmen betonte, bereits mit der Installation neuer Filter begonnen zu haben, um die Geruchsbelastung zu verringern. Dennoch zweifelte das Gericht an, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen kurzfristig Wirkung zeigen würden. Die Auflagen treten eine Woche nach dem Urteil in Kraft, um dem Unternehmen Gelegenheit zu geben, Gegenmaßnahmen einzuleiten oder die Produktion vorübergehend zu stoppen, bevor Bußgelder fällig werden. Laut NOS könnte die Existenz des Unternehmens entscheidend für das Gelingen des Cannabisversuchs sein, da derzeit nur wenige legale Produzenten tatsächlich liefern. Sollte CanAdelaar ausfallen, könnten Coffeeshops gezwungen sein, wieder auf illegale Quellen zurückzugreifen.

Ein Pilotprojekt mit Risiken

Das Cannabisexperiment wurde gestartet, um die sogenannte „Hintertürproblematik“ zu lösen. Coffeeshops dürfen seit Jahrzehnten Cannabis an Endkunden verkaufen, mussten ihre Ware jedoch aus illegalen Quellen beziehen. Mit der Zulassung von zehn Produzenten sollte eine transparente und kontrollierte Lieferkette aufgebaut werden. Einer dieser Produzenten ist CanAdelaar in Hellevoetsluis. Das Unternehmen nutzt ein ehemaliges Tomatenkassenkomplex, das nun mit hunderttausenden Pflanzen bestückt ist. Doch mit der Größe des Projekts kam auch die Belastung für die Nachbarschaft.

Beschwerden ohne Ende

Die Geruchsbelästigung wurde laut Rijnmond besonders in den Sommermonaten zum Problem, wenn die Fenster der Gewächshäuser zur Belüftung geöffnet wurden. Anwohner berichteten, dass ihr Alltag massiv eingeschränkt sei: Gartenarbeit, Wäsche im Freien oder das einfache Öffnen von Fenstern seien kaum möglich. Eine Nachbarin schilderte, es sei „unlebbar“ geworden. Auch das Trimbos-Instituut weist darauf hin, dass starker Cannabiskonsumgeruch gesundheitliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel verursachen kann.

Gericht setzt klare Grenzen

Die Rechtbank Rotterdam bestätigte in ihrem Eilverfahren die Maßnahmen der Gemeinde. Diese hatte bereits im Frühjahr Grenzwerte für die zulässige Geruchsbelastung definiert. Die Richterin sprach von einer „sehr ernsthaften“ Situation und ordnete an, dass die Vorschriften zur Einhaltung des „aanvaardbaar geurhinderniveau“ (zumutbares Geruchsbelastungsniveau) verbindlich bleiben. Damit ist der Weg frei für Zwangsgelder in Millionenhöhe, sollte CanAdelaar nicht reagieren.

Wirtschaftlicher Druck und technische Lösungen

Nach Angaben von Rijnmond hat das Unternehmen bereits erhebliche Investitionen getätigt, darunter zusätzliche Filteranlagen und den Rückbau von Teilen der Bepflanzung. Interne Gutachten sprechen von Investitionen in Höhe von 35 Millionen Euro, um die Situation nachhaltig zu entschärfen. Kurzfristig hofft das Unternehmen, mit technischen Maßnahmen eine Verbesserung zu erzielen. Der Direktor erklärte gegenüber NOS, dass weitere Filter installiert würden und er zuversichtlich sei, die Auflagen erfüllen zu können.

Gefahr für das Experiment

Das Wietexperiment läuft in zehn niederländischen Städten, darunter Groningen, Breda und Maastricht. Insgesamt rund 80 Coffeeshops sollen mit legal angebautem Cannabis beliefert werden. Noch sind jedoch nicht alle zugelassenen Produzenten tatsächlich in Produktion. Sollte CanAdelaar, der größte Produzent, ausfallen, hätte dies unmittelbare Auswirkungen auf die Versorgung der Coffeeshops. Cannabisforscherin Nicole Maalsté erklärte gegenüber NOS, dass in diesem Fall ein Scheitern der gesamten Testphase drohe, da Coffeeshops gezwungen wären, erneut auf illegale Lieferanten auszuweichen.

Das Urteil gegen CanAdelaar macht deutlich, wie hoch die Anforderungen an legale Cannabisproduktion in den Niederlanden sind. Einerseits will die Regierung mit dem Wietexperiment den Schwarzmarkt zurückdrängen, andererseits dürfen Anwohner nicht durch massive Geruchsbelastungen beeinträchtigt werden. Ob CanAdelaar den Spagat zwischen legaler Versorgung und strengen Umweltauflagen schafft, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Sicher ist jedoch, dass das Scheitern dieses Produzenten gravierende Folgen für die gesamte Versuchsanordnung haben könnte.

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