Beliebte Kopfhörer unter Verdacht
| von Redaktion
UTRECHT · Gesundheitsdebatte um Alltagsprodukte: Große Onlinehändler wie Bol.com und MediaMarkt haben mehrere populäre Kopfhörer und Gaming Headsets aus dem Verkauf genommen. Hintergrund ist ein alarmierender Untersuchungsbericht europäischer Verbraucherorganisationen im Rahmen des EU Projekts ToxFree Life for All. Demnach enthalten zahlreiche Modelle gesundheitlich bedenkliche Stoffe wie Bisphenol A, die über Ohrpolster und Kabel in den Körper gelangen können. Auch weitere Händler prüfen ihre Produkte. Verbraucherorganisationen raten zu Vorsicht und empfehlen, längeren Hautkontakt mit auffälligen Modellen zu vermeiden.
Große Webshops reagieren damit auf Recherchen und Testergebnisse, über die unter anderem das AD berichtet. Untersucht wurden insgesamt 81 auf dem europäischen Markt erhältliche Kopfhörer verschiedener bekannter Marken. Dabei zeigte sich, dass zahlreiche Geräte Stoffe enthalten, die als potenziell gesundheitsschädlich gelten. Besonders im Fokus steht Bisphenol A, kurz BPA. Dieser Stoff ist aus Kunststoff und Verpackungsmaterialien bekannt und steht im Verdacht, das Immunsystem zu schwächen. Nach Angaben des AD hatten das Europäische Umweltagentur und das niederländische RIVM bereits zuvor auf Risiken hingewiesen. Seit dem 20. Januar 2025 ist BPA in Lebensmittelverpackungen verboten. Im aktuellen Fall geht es jedoch um Kunststoffe in Ohrpolstern, Kabeln und Gehäusen von Kopfhörern. Laut dem Bericht können Chemikalien insbesondere bei intensiver Nutzung etwa durch Schwitzen oder lange Gaming Sitzungen leichter über die Haut aufgenommen werden. Die Untersuchung unterscheidet dabei zwischen Bauteilen mit direktem Hautkontakt und solchen ohne unmittelbaren Kontakt. Rund 70 Prozent der getesteten Modelle wurden insgesamt dennoch als zugelassen bewertet.
Welche Modelle betroffen sind
Wie das AD berichtet, schnitten nicht nur günstige Produkte schlecht ab. Gerade teurere Gaming Headsets mit Preisen über 100 Euro erzielten in einzelnen Kategorien schlechte Bewertungen. Besonders kritisch bewertet wurden unter anderem die Modelle Razer Kraken V3 aus dem Jahr 2021 und HyperX Cloud III Gaming Headset aus dem Jahr 2023. Diese wiesen laut den Forschern hohe Konzentrationen besorgniserregender Stoffe sowohl in inneren Komponenten als auch in den Ohrpolstern auf.
Weitere Modelle wie SteelSeries Arctis Nova 5 und Logitech G733 werden derzeit genauer untersucht. Zwar gelten ihre Gehäuse als unbedenklich, doch bei den Ohrpolstern gab es negative Bewertungen. Bol.com erklärte laut AD, man werde auf Basis der Ergebnisse entscheiden, ob weitere Maßnahmen notwendig sind.
Kinderkopfhörer im Fokus
Besondere Aufmerksamkeit gilt Produkten für Kinder. Nach Angaben des AD wurde bei einer Paw Patrol Kopfhörer Variante, die über einen externen Verkäufer bei MediaMarkt angeboten wurde, eine hohe Belastung der weichen Ohrpolster festgestellt. MediaMarkt entfernte das Angebot vorsorglich aus dem Marktplatz.
Auch eine Nijntje Kopfhörer von Hema erhielt eine rote Bewertung. In diesem Fall wurden in Bügel und Ohrmuscheln erhöhte Werte von Bisphenolen festgestellt. Die weichen Polster selbst galten als sicher. Hema kündigte an, die Signale aus dem Markt ernst zu nehmen und Produktspezifikationen zu prüfen.
Wie NU.nl berichtet, rät die Consumentenbond insbesondere bei Kinderkopfhörern zu besonderer Vorsicht. Eltern sollten darauf achten, dass Kinder die Kopfhörer nicht in den Mund nehmen oder auf Kabeln kauen.
Verbraucherorganisationen raten zur Vorsicht
Die Consumentenbond empfiehlt laut NU.nl, längeren Hautkontakt mit auffälligen Modellen zu begrenzen. Dazu gehöre etwa, Kopfhörer nicht dauerhaft um den Hals zu tragen oder nicht mit ihnen zu schlafen. Auch solle man vermeiden, Kabel in den Mund zu nehmen.
Das EU Projekt untersuchte 81 Modelle verschiedener Marken, darunter Apple, JBL, Bose und Samsung. Laut NU.nl schnitten auch bestimmte Produkte von Sony, Samsung und Sennheiser schlecht ab. Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass ein hoher Preis oder ein bekanntes Markenlogo keine Garantie für ein unbelastetes Produkt sind.
Bemerkenswert ist laut AD zudem, dass günstige Modelle teilweise gut abschnitten. So bestanden bestimmte Kinderkopfhörer aus dem Sortiment von Action die Tests vollständig, während andere Produkte derselben Kette durchfielen.
BPA Belastung in Europa
Das AD verweist zudem auf einen Bericht der Europäischen Umweltagentur aus dem Jahr 2023. Demnach wurde bei 92 Prozent der untersuchten Erwachsenen in elf europäischen Ländern BPA im Urin nachgewiesen. In 71 bis 100 Prozent der Fälle lagen die Werte über den Sicherheitsgrenzen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Die Europäische Behörde hatte die empfohlene maximale tägliche Aufnahme zuletzt deutlich gesenkt.
Die Ergebnisse zeigen laut dem Bericht, dass die Belastung mit BPA in Europa weiterhin verbreitet ist. Die aktuellen Untersuchungen zu Kopfhörern fügen sich damit in eine breitere Debatte um Chemikalien in Alltagsprodukten ein.
> Link zum aktuellen Bericht "The_sound_of_contamination_Briefing_Paper_ToxFreeLife" (PDF, ca. 6 MB)
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