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Bahnticketpreise steigen weiter

| von Thomas Klimeck

Fahrkartenautomat | Foto: Holland.guide

DEN HAAG · Zugreisende in den Niederlanden müssen sich auf höhere Kosten einstellen: Die Fahrkartenpreise der Nederlandse Spoorwegen (NS) steigen ab Januar 2026 um rund 6 bis 9 Prozent. Nur wenige Tage nach dem Ende der angespannten Tarifverhandlungen mit den Bahngewerkschaften wird die Preiserhöhung nun offiziell angekündigt. Eigentlich drohte eine Erhöhung von etwa 12 Prozent, doch Gespräche zwischen NS und dem Infrastrukturministerium führten zu einem Kompromiss mit internen Einsparmaßnahmen – allerdings auf Kosten der Reisekomforts.

Nach dem Streik ist vor dem Preisschock

Noch während die Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften in eine kritische Phase eintraten, hielt das Ministerium für Infrastruktur und Wasserstaat bewusst die Veröffentlichung der geplanten Fahrpreiserhöhungen zurück, um den Ausgang der Verhandlungen nicht zu beeinflussen. Nun ist klar: Ab dem 1. Januar 2026 müssen Bahnreisende in den Niederlanden mit Preissteigerungen zwischen rund 6 und 9 Prozent rechnen. Laut einem Brief an die Tweede Kamer, der am 16. Juli 2025 veröffentlicht wurde, sei ursprünglich sogar eine Erhöhung um etwa 12 Prozent vorgesehen gewesen. Diese konnte durch Einsparungen bei der NS reduziert werden. Wie NOS berichtet, sind diese Preiserhöhungen notwendig geworden, weil in den letzten Jahren die Inflation nicht vollständig auf die Fahrpreise umgelegt wurde und es durch politische Entscheidungen zu temporären Einfrierungen der Tarife kam.

Gründe für die Preiserhöhung

Die Ursache der Preissteigerung liegt in einer Kombination aus zurückgestauten Anpassungen aus den Vorjahren, inflationsbedingten Kostensteigerungen und einer fehlenden staatlichen Beteiligung an der Abfederung. Das Kabinett machte bereits im April deutlich, dass keine Mittel aus dem Mobiliteitsfonds bereitgestellt werden können. Diese seien für Infrastrukturprojekte vorgesehen, nicht für Tarifsubventionen. Eine dauerhafte Übernahme der Kosten durch das Rijk würde laut dem Ministerium Investitionen in das Schienennetz gefährden.

Beitrag der NS: Sparmaßnahmen mit Folgen

Die NS trägt nun selbst zur Dämpfung der Tariferhöhungen bei, muss dafür jedoch deutliche Einschnitte vornehmen. So soll das Wagenmaterial straffer an die tatsächliche Nachfrage angepasst werden. Die Folge: Weniger Reservezüge, längere Wartungszyklen und damit ein höheres Risiko überfüllter Züge, vor allem an Spitzentagen wie Dienstag und Donnerstag in der Randstad. Zudem wird die erste Klasse in Teilen des Zugparks durch zusätzliche Sitzplätze der zweiten Klasse ersetzt, was die Kapazität erhöhen soll. Auch Rabatte und Sonderaktionen, wie etwa die „Jongerendagkaart“, wurden gestrichen.

Kein Spielraum mehr für neue Ausnahmen

Die Regierung betont in ihrer Mitteilung, dass solche Einmalmaßnahmen wie in den Jahren 2024 und 2025 nicht zur Regel werden dürfen. Sowohl für die NS als auch für die Fahrgäste sei eine klare und langfristige Planung wichtig. Deshalb sei es nötig gewesen, eine strukturelle Lösung zu finden, selbst wenn diese schmerzhaft ausfalle. Das Ziel sei ein stabiler und vorhersehbarer Preispfad, auf den sich alle Beteiligten einstellen können.

Unterschied zu anderen Verkehrsunternehmen

Wie NOS berichtet, betrifft die geplante Erhöhung ausschließlich die NS. Regionale Anbieter wie Arriva oder Keolis unterliegen anderen Tarifregeln. Auch dort steigen die Preise, jedoch in geringerem Umfang, voraussichtlich um etwa 3 Prozent infolge der allgemeinen Inflation.

Kritik von Fahrgastverbänden

Reisendenverbände wie Rover reagieren mit scharfer Kritik. Laut Direktor Freek Bos sind die Preiserhöhungen nicht zu rechtfertigen, da sie zu einem weiteren Rückgang der Fahrgastzahlen führen könnten. „Die Preise sollten ein Anreiz sein, nicht ein Hindernis“, so Bos gegenüber NOS. Die Organisation fordert die Tweede Kamer auf, die Entscheidung des Kabinetts zu hinterfragen und gegebenenfalls gegenzusteuern.

Politische Reaktionen erwartet

Der scheidende Staatssekretär Thierry Aartsen (VVD) verteidigt die Maßnahme dennoch als notwendig und strukturell durchdacht. Das Kabinett sei froh, dass keine weitere Verschiebung notwendig sei. Zudem bleibe die Erhöhung unter der kritischen Grenze von 10 Prozent, die das Parlament mehrfach als Obergrenze bezeichnet hatte. Ob die Tweede Kamer diese Argumentation mitträgt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Weitere Entwicklungen

Die endgültige Höhe der Tariferhöhung wird erst im Herbst bekannt gegeben. Grundlage wird dann die Verbraucherpreisindex-Prognose aus den Macro Economische Verkenningen 2026 sein. Klar ist jedoch bereits: Die Bahnreise wird für viele ab Januar spürbar teurer.

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