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Automatenknacker gepackt: Internationale Bande zerschlagen

| von Redaktion

Archivbild | Foto: HOLLAND.guide
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AMSTERDAM · Große internationale Ermittlungen gegen Geldautomaten-Sprenger: In einem umfangreichen Polizeieinsatz haben niederländische Behörden neun Verdächtige festgenommen, die für eine Serie von Geldautomaten-Sprengungen in Deutschland und der Schweiz verantwortlich sein sollen. Die Männer im Alter zwischen 25 und 39 Jahren stehen im Verdacht, Teil einer kriminellen Gruppe zu sein, die zwischen Mitte 2023 und Ende 2025 mehrere sogenannte Plofkraken verübte. Nach Angaben des niederländischen Openbaar Ministerie wurden bei Durchsuchungen an fünfzehn Orten unter anderem Bargeld, Fahrzeuge, Datenträger sowie größere Mengen Kokain sichergestellt. Auch Material, das für Explosionen an Geldautomaten verwendet werden kann, wurde gefunden. Die Ermittlungen erfolgten in enger Zusammenarbeit mehrerer europäischer Behörden und führten nun zu einer Reihe von Festnahmen.

Die Polizei nahm zunächst am Dienstag, dem 14. April, sechs Verdächtige fest, die im Zusammenhang mit den internationalen Ermittlungen stehen. Zwei weitere Verdächtige waren bereits zuvor festgenommen worden. Am darauffolgenden Mittwoch kam eine weitere Festnahme hinzu. Insgesamt befinden sich damit neun niederländische Männer in Haft. Wie das Openbaar Ministerie mitteilt, saßen die Verdächtigen bis Donnerstag unter sogenannten Einschränkungen, weshalb die Festnahmen erst jetzt öffentlich bekannt gemacht wurden. Die Amsterdamer Rechtbank hat inzwischen die Untersuchungshaft für die sechs zuletzt festgenommenen Männer angeordnet. Auch die beiden zuvor verhafteten Verdächtigen befinden sich weiterhin in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Ermittler kann nicht ausgeschlossen werden, dass im Zuge der laufenden Ermittlungen noch weitere Personen festgenommen werden. Die Verdächtigen werden beschuldigt, an einer Serie von rund zehn Sprengungen von Geldautomaten beteiligt gewesen zu sein. Die Taten ereigneten sich zwischen Mitte 2023 und Ende 2025 in der deutschen Region Nordrhein Westfalen sowie in mehreren Schweizer Städten nahe der französisch deutschen Grenzregion.

Internationale Ermittlungen gegen plofkraken Bande

Die Festnahmen sind Teil eines internationalen Ermittlungsverfahrens, das bereits seit mehreren Jahren läuft. Ausgangspunkt waren Untersuchungen der Polizei in Düsseldorf, die seit Juni 2023 gezielt nach den Verantwortlichen für zahlreiche Geldautomaten Sprengungen in Nordrhein Westfalen suchte. Ermittler analysierten Spuren an verschiedenen Tatorten und konnten daraus Hinweise auf eine Gruppe von Tätern gewinnen, die überwiegend aus den Niederlanden stammen sollen.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden verlegten die Täter ihr Einsatzgebiet zunehmend ins Ausland. Hintergrund waren verstärkte Sicherheitsmaßnahmen der Banken in Deutschland, die Geldautomaten besser gegen Sprengungen absichern sollten. In der Folge sollen sich die Verdächtigen verstärkt auf Ziele in der Schweiz konzentriert haben. Dort kam es ebenfalls zu mehreren Explosionen an Geldautomaten.

Um die grenzüberschreitenden Ermittlungen zu koordinieren, wurde im Jahr 2025 unter Beteiligung der europäischen Justizbehörde Eurojust ein sogenanntes Joint Investigation Team eingerichtet. In diesem Team arbeiteten Ermittler der Polizei Amsterdam, der Polizei Düsseldorf, der Schweizer Bundespolizei sowie französische Spezialisten der Behörde Office central de lutte contre la délinquance itinérante zusammen. Unterstützt wurde das Ermittlungsverfahren zudem durch Europol und das europäische Sicherheitsprogramm EMPACT.

Durchsuchungen an fünfzehn Orten

Im Zusammenhang mit den Festnahmen durchsuchten Ermittler insgesamt fünfzehn Orte in mehreren niederländischen Städten. Betroffen waren Wohnungen und andere Objekte in Amsterdam, Ouderkerk aan den Amstel, Krimpen aan den IJssel sowie in ’s Hertogenbosch. Bei den Durchsuchungen stellten die Behörden zahlreiche Beweismittel sicher.

Nach Angaben des Openbaar Ministerie fanden die Ermittler unter anderem Bargeld, Datenträger sowie Fahrzeuge, die möglicherweise im Zusammenhang mit den Straftaten stehen. Zudem wurden sogenannte Dealer Mengen Kokain entdeckt. Darüber hinaus stießen die Ermittler auf Kleidung und Bivakmützen, die mutmaßlich bei den Geldautomaten Sprengungen verwendet wurden.

Ein besonders gefährlicher Fund wurde in Ouderkerk aan den Amstel gemacht. Dort entdeckten Ermittler bei einem der Verdächtigen eine Tasche mit einem Stoff, der zunächst als möglicher Sprengstoff eingestuft wurde. Aus Sicherheitsgründen sperrte die Polizei die Umgebung weiträumig ab. Ein Teamleiter Explosieven Veiligheid untersuchte den Fund vor Ort und schaltete anschließend die Explosieven Opruimingsdienst Defensie ein.

Aluminium Pulver als Bestandteil von Sprengsätzen

Die Spezialisten stellten schließlich fest, dass sich in der Tasche Aluminium Pulver befand. Dieser Stoff wird häufig mit anderen chemischen Substanzen kombiniert und an Geldautomaten angebracht, um die Explosionskraft zu verstärken. Solche improvisierten Sprengsätze werden bei sogenannten Plofkraken eingesetzt, um Geldautomaten aufzubrechen und an das darin befindliche Bargeld zu gelangen.

Die Explosieven Opruimingsdienst Defensie machte den Stoff vor Ort unschädlich und führte anschließend eine technische Untersuchung durch. Erst danach konnte die abgesperrte Straße wieder vollständig freigegeben werden.

Nach Angaben der Ermittler stellen solche selbstgebauten Sprengstoffe ein erhebliches Risiko dar. Die Materialien werden häufig in Wohnungen, Garagen oder Firmenräumen gelagert und zusammengestellt. Dadurch entsteht nicht nur eine Gefahr für die Täter selbst, sondern auch für Anwohner und Nachbarn.

Hohe Risiken für Bevölkerung

Die Behörden warnen zudem vor den Gefahren, die mit diesen Straftaten verbunden sind. Neben den Explosionen selbst kommt es häufig zu riskanten Fluchtfahrten der Täter. Nach den Sprengungen versuchen die Täter oft mit hoher Geschwindigkeit über Autobahnen zu entkommen, um der Polizei zu entgehen.

Auch die Verwendung der erbeuteten Gelder bereitet den Ermittlern Sorgen. Nach Angaben des Openbaar Ministerie fließt ein Teil der Einnahmen aus solchen Straftaten in andere Formen der organisierten Kriminalität. Dazu gehört insbesondere der Handel mit Drogen.

Die Behörden rufen deshalb die Bevölkerung auf, aufmerksam zu bleiben und Hinweise zu verdächtigen Aktivitäten zu melden. Informationen über mögliche Lagerorte von Sprengstoffen oder über Personen, die mit solchen Straftaten in Verbindung stehen könnten, können an die Polizei weitergegeben werden, auch anonym.

Weitere Festnahmen möglich

Die Ermittlungen in diesem internationalen Verfahren sind noch nicht abgeschlossen. Die Ermittler prüfen weiterhin Beweise aus den sichergestellten Datenträgern sowie aus den bei den Durchsuchungen beschlagnahmten Gegenständen. Auch mögliche Verbindungen zu weiteren Straftaten werden untersucht.

Nach Angaben der Behörden ist daher nicht ausgeschlossen, dass im Verlauf der weiteren Ermittlungen zusätzliche Verdächtige identifiziert und festgenommen werden. Das Openbaar Ministerie betont, dass die Zusammenarbeit mehrerer europäischer Polizeibehörden entscheidend für den Erfolg der bisherigen Ermittlungen war.

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