Asbestfund in Spielsand schockiert Eltern
| von Redaktion
UTRECHT · Asbesthaltiger Spielsand in Produkten für Kinder sorgt in den Niederlanden für große Verunsicherung. In mehreren hierzulande erhältlichen Spielzeugen mit Sandbestandteilen sind krebserregende Asbestfasern nachgewiesen worden. Das geht aus einer Laboruntersuchung hervor, über die das AD berichtet. Betroffen sind unter anderem Sandtische sowie Sets für Sandkunst und Sandbilder, die über bekannte Handelsplattformen und Spielwarenhändler verkauft wurden. Nach Angaben des AD wurde in der Hälfte der getesteten Produkte Asbest gefunden, teils in erheblichen Mengen. Die niederländische Lebensmittel und Warenaufsichtsbehörde NVWA bestätigt, dass Asbest in Spielzeug verboten ist, verweist jedoch darauf, dass eigene Untersuchungen notwendig sind, um Risiken offiziell bewerten zu können. Der Fund wirft grundlegende Fragen zur Produktsicherheit, zur Verantwortung von Händlern und zur Kontrolle importierter Spielwaren auf.
Insgesamt ließ die Forschungsredaktion des AD zwölf verschiedene Spielzeugprodukte mit Spielsand in einem spezialisierten Labor untersuchen. In sechs dieser Produkte wurde Asbest nachgewiesen. Die betroffenen Artikel waren unter anderem bei Top1Toys, Bol.com, Amazon, AliExpress sowie beim Großhändler Koppen Speelgoed erhältlich. Untersucht wurden unter anderem Sandtische, die als sogenannte Montessori Produkte beworben werden, sowie Sets zur Herstellung von Sandkunst und Bildern. Laut AD handelt es sich überwiegend um nicht hechtgebundenes Tremolit Asbest, eine besonders gefährliche Asbestform. In mehreren Produkten lag der Asbestanteil zwischen zwei und fünf Prozent. Fachleute wiesen darauf hin, dass diese Fasern leicht eingeatmet werden können. Wie hoch das konkrete Gesundheitsrisiko für Kinder ist, die bereits mit dem Sand gespielt haben, lässt sich derzeit nicht sicher beziffern.
Warum der Fund als besonders gefährlich gilt
Nach Angaben des Expertisecentrum Asbest & Vezels handelt es sich bei dem gefundenen Material um Asbest, der in der Bauwirtschaft nur unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen entfernt werden dürfte. Das Labor Nomacon in IJsselstein bestätigte gegenüber dem AD, dass die Asbestfasern unter dem Mikroskop eindeutig sichtbar waren. Auch in Produkten mit geringeren Asbestanteilen zwischen 0,1 und 2 Prozent wurde laut Experten nicht hechtgebundener Asbest festgestellt, der ebenfalls als gesundheitsschädlich gilt. Fachleute warnten ausdrücklich davor, diese geringeren Werte als unproblematisch zu betrachten. Zudem wurde betont, dass von jedem Produkt jeweils nur ein Exemplar getestet wurde und identische Produkte aus anderen Chargen ebenfalls belastet sein könnten oder auch nicht.
Rolle der NVWA und Reaktionen der Händler
Die NVWA erklärte in einer offiziellen Stellungnahme, dass sie selbst Untersuchungen zu Asbest in Spielsand durchführt. Die Behörde wies darauf hin, dass sie nicht allein auf Grundlage von Forschungsergebnissen Dritter Maßnahmen ergreifen könne, sondern eigene Prüfungen nach vorgeschriebenen Methoden durchführen müsse. Gleichzeitig betonte die NVWA, dass Asbest in Spielzeug nicht zulässig ist und dass Hersteller, Importeure und Verkäufer verpflichtet sind, unsichere Produkte vom Markt zu nehmen. Nach Angaben des AD reagierten einzelne Händler bereits kurzfristig und stoppten den Verkauf betroffener Produkte oder leiteten eigene Untersuchungen ein.
Internationale Parallelen und Ursprung des Problems
Auslöser der Untersuchungen waren frühere Funde in Australien und Neuseeland. Dort war bereits Ende des Vorjahres Asbest in Spielsand aus China entdeckt worden. In der Folge mussten zahlreiche Schulen zeitweise schließen, um betroffene Räume zu sanieren. In beiden Ländern wurden inzwischen mehr als zwanzig verschiedene Spielsandprodukte zurückgerufen. Auch in den Niederlanden fanden sich laut AD Produkte, die den dort zurückgerufenen Artikeln äußerlich exakt entsprechen. Fachleute führen die Verunreinigungen darauf zurück, dass das Sandmaterial aus chinesischen Minen stammt, in denen Asbest natürlich vorkommen kann und nicht gezielt beigemischt wird.
Warnungen und politische Reaktionen in Belgien
Die Diskussion beschränkt sich nicht auf die Niederlande. In Belgien rief der Minister für Konsumentenschutz Rob Beenders dazu auf, sämtliches Spiel sand unverzüglich aus den Regalen zu entfernen und nicht mehr zu verwenden. Wie das AD berichtet, handelt es sich um eine vorsorgliche Maßnahme, da bislang keine offiziellen Meldungen vorliegen, aber Risiken nicht ausgeschlossen werden können. In Belgien wurde ein Krisenteam eingerichtet, das weitere Untersuchungen koordinieren soll. Nach Angaben des Ministers ist derzeit nicht einmal eindeutig geklärt, um welche Arten von Spielsand es sich konkret handelt, weshalb alle Varianten vorsorglich gemieden werden sollen.
Offene Fragen zur Kontrolle und Verantwortung
Experten betonen laut AD, dass es extrem schwierig sei, im Vorfeld zu bestimmen, welcher Spielsand sicher ist und welcher nicht. Die Verunreinigung könne zufällig auftreten und von Charge zu Charge variieren. Die NVWA erklärte, dass sie die Sorgen der Eltern nachvollziehen könne und die Ergebnisse ihrer eigenen Untersuchungen so schnell wie möglich veröffentlichen wolle. Bis dahin bleibe es eine individuelle Entscheidung der Eltern, ob sie ihre Kinder mit den betroffenen Produkten spielen lassen. Gleichzeitig wird deutlich, dass auch der reguläre Einzelhandel betroffen ist und sich das Problem nicht auf ausländische Online Plattformen beschränken lässt.
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